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“Taxi nach Paris” und meine Erinnerung an meine Lieblingslehrin Frau Thèry

Gestern habe ich zu Weihnachten die neue CD von Michy Reincke geschenkt bekommen. Dort ist auch das Lied drauf „Taxi nach Paris“ von 1984. Sofort sah ich meine ehemalige Gemeinschaftskundeleistungskurs Lehrerin Frau Thery vor mir, wie sie damals laut singend in unseren Kurs kam. Vergnügt erzählte sie uns, dass dieser Felix de Luxe ein ehemaliger Schüler von ihr sei. Etwas Stolz lag in ihrer Stimme. Wenn ich das richtig nach gerechnet habe, bin ich zumindest ein Jahr noch mit ihm auf der Schule gewesen. Es war das Matthias Claudius Gymnasium (MCG) in Hamburg Mariental. Ein humanistisches Jungengymnasium, bis zwei Jahre bevor ich auf die Schule kam. Ich war der dritte Mädchenjahrgang. Unterrichtet wurden wir vorwiegend von ältere Lehrern, die uns Mädchen oft genug zu verstehen gaben, dass wir eigentlich auf dieser Schule nichts zu suchen hätten. Sprüche wie: „Seit Mädchen auf der Schule seien, können man von den Jungs kaum noch etwas fordern…“ oder „ Seit Mädchen auf der Schule seien, wäre das Niveau deutlich gesunken.“. Natürlich bekam ich keine 1 in Sport, weil Mädchen schließlich nicht die gleiche Leistung bringen. Wenn ich heute an einige dieser Lehrer denke, die damals noch aus einer ganz anderen Zeit stammten, dann kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Rückblickend denke ich, die Zeit auf dieser Schule bis zur Oberstufe habe ich einfach nur ertragen.

Doch dann ging für mich irgendwie die Sonne auf. Tja und diese Sonne war Frau Thery. Nicht nur dass sie zu den vielleicht Handvoll Lehrerinnen gehörte - oder vielleicht waren es in den wenigen Jahren auch schon ein paar mehr gewesen – nein, Unterricht brachte auf einen Mal Spaß. Allein schon, weil wir das Gefühl hatten, auch sie hat Spaß daran, uns etwas bei zu bringen. Zugegeben wir waren auch ein etwas besonderer Kurs: Alle sehr politisch interessiert und vor allen Dingen waren alle Parteien bzw. Richtungen vertreten. Zwei Grüne Mädchen, ein Sozi, zwei ganz Linke und zwei Konservative, die manchmal auch einen Schlag nach rechts hatten und ich vertrat damals ja noch tapfer die Liberalen. Ich habe mal meine Abibuch herausgeholt, das gab es einen Artikel „Eine Stunde GMK-Unterricht im Leben der Gisela T.“. Darin heißt es:

„Der GMK-LK des 4. Semesters freut sich, entgegen aller Erfahrungen, auf die folgenden zwei Stunden. Um die Zeit bis zur Ankunft von Frau T. zu überbrücken, singt der eine Teil die Internationale und der andere das Horst-Wessel-Lied. ….“.

Wir diskutierten dass die Wände wackelten, aber es hat alle Spaß gemacht und war im Wesentlichen sehr fair, oft aber Kabarett reif:
Nachdem die USA 1986 Libyen bombardierten, um den staatlich geförderten Terrorismus zu bekämpfen, diskutierten wir zu dem aktuellen Thema. Ein Mitschüler erklärte darauf hin:
„Reagans Anti-Terrorismus-Politik hieße auf deutsche Verhältnisse übertragen, eine Baader-Meinhof-Wohnung mit einem Tornado auszuheben.“

Ich erinnere mich an eine Stunde, da fiel Frau Thery auf, dass jeder das trug, was er sei: Die roten hatten rote T-Shirts an, die Grünen eben grüne Pullover, ich hatte irgendwas blau-gelbes an und die Konservativen trugen schwarz bzw. braun. Da lachte ich plötzlich und fragte Frau Thery, ich hätte gar nicht gewusst, dass sie zu den Königstreuen gehöre. Sie lachte ebenfalls laut und schüttelte heftig den Kopf, als sie an sich herunter sah: Sie hatte einen schwarz, weiß-roten Pullover an. Natürlich war sie alles andere als Königstreu, wohl eher grün-rot angehaucht.

Einmal ist sie mit uns in die Caféteria von Horten gegangen. Warum weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall habe ich laut es laut vorgelesen, als ich sah, dass sie für diese Stunde in das Klassenbuch „Gruppendynamik“ eingetragen hatte. Fortan wurde Frau Thery von uns genervt, wann wir denn endlich mal wieder Gruppendynamik machen.

Eines Tages kam sie mit einem nagelneuen schicken Aktenkoffer in den Unterricht. Irgendwie passte der so gar nicht zu ihr. Sie war aber sehr stolz auf ihren neuen Koffer und verteidigte ihn auf unsere Anfeindungen sehr. Als sie in der Pause kurz nach unten ging, um etwas zu holen, griff einer von uns sich den Koffer und verstellte kurzerhand die Zahlenkombination. Bis zum Ende der Stunde mussten wir waren. Endlich versuchte sie ihren Koffer zu öffnen…Wir konnten dann heraus handeln, wir geben ihr die neue Nummer und bekommen aber dafür keine Hausaufgaben auf. Unter Protest stimmte sie zu.

Bei Frau Thery durften Mädchen im Unterricht stricken, Jungen nicht. Was natürlich zunächst eine große Diskussion auslöste, dass dies nicht nur ungerecht sondern auch gegen Artikel 3 des Grundgesetzes verstoße. Sie blieb aber hart mit der Begründung, Jungen könnten sich nur auf das Stricken konzentrieren, Mädchen auf beides. Kurz vor Weihnachten strickte ich einen kleinen roten Strumpf. Sie guckte mich plötzlich völlig verdattert an und fragte:“Muss mir das jetzt etwas sagen?“. Ich verstand zunächst nicht worauf sie anspielte, da ich schließlich einen kleine Strumpf zum Verschenken an Nikolaus strickte. Bis ich begriff und zu lachen anfing. Nein, sie müsse sich keine Gedanken machen, so weit ich wüsste, sei ich nicht schwanger und hätte es im Augenblick auch nicht vor zu werden. Aber als sie einmal beiläufig von ihrem Sohn Pascal erzählte, da dachte ich:“Ja, das ist ein schöner Name, den könnte ich mir auch für meinen Sohn vorstellen.“ Und dabei blieb es auch nicht.

Rückblickend denke ich, Frau Therys Stunden waren die schönsten Schulstunden, die ich hatte. Und wenn ich „Taxi nach Paris“ höre, denke ich gerne an diese Zeit.

Und auch in das Leben verliebe ich mich immer wieder neu

Fühlst du Dich auch noch frisch verliebt?“, fragte mich neulich eine Freundin. Ich überlegte kurz: ja manchmal schon. Eine Woche später fand ich auf meinem Laptop einen Kasten mit Marzipanherzen und einen kleinen Liebesbrief von meinem Mann, einfach nur so. Das sind Augenblicke, wo ich wieder Herzklopfen und ein Kribbeln im Bauch habe, mich wie frisch verliebt fühle.
Ich war neugierig, ob nicht nur ich so fühle, postete in einem Forum im Internet – und hatte viel zu lesen: „Nichts mehr essen können, SEHNSÜCHTIGES Warten auf einen Brief, Küsse im Regen und deshalb Dauerschnupfen, das Gefühl, auf Wolken zu schweben, … Nein, wie frisch verliebt fühle ich mich nach fast 14 Jahren Ehe nicht mehr. Es hat sich verändert in eine Richtung des engen Zusammengehörigkeitsgefühls: tiefes Vertrauen, aufeinander Verlassenkönnen und Wohlfühlen miteinander“ (Michaela, 37).
„Ich denke, dass eine Beziehung immer mal wieder Phasen braucht, in denen man sich in seinen Partner neu verliebt. Denn der Mensch verändert sich immer wieder und somit gibt es neue Seiten zu entdecken.“ (Katharina, 25)

Ein Kind zum Verlieben. Ruben Lehmitz, das „Redaktionsbaby“

“Ja, ich bin immer mal wieder frisch verliebt. Zum einen in meinen Mann, dann finde ihn unglaublich süß, einfach nur toll. Die ersten Tage nach der Geburt einer meiner Töchter war ich stets wie betrunken vor Glück. Einfach nur verliebt in dieses frische Wesen. Und auch heute verliebe ich mich immer wieder in meine Kinder. Denke tagsüber an sie und muss schmunzeln, freue mich aufs Nachhausekommen, …Und auch in das Leben verliebe ich mich immer wieder neu. Nach einer besonders trüben Zeit scheint endlich wieder die Sonne, und alles erscheint in einem anderen Licht. Dann freue mich wie Bolle über mein Leben, genieße ich jeden Sonnenstrahl und liebe einfach alles und jeden!!!!! Viele wirre Gedanken, wahrscheinlich auch nicht wirklich etwas Brauchbares dabei. Hat aber trotzdem Spaß gemacht!“ (Heidi, 36)
Uns auch!
Mai 2007 aus dem Paulusbrief

Eine Geschichte zum Raten

Zachäus

Bei der Kinderkirche
Als Pascal noch in den Kindergarten ging, habe ich das Spiel schon gespielt. Immer freitags war Kinderkirche und auf dem Nachhauseweg erzählte  mir Pascal die Geschichte, die sie gehört hatten. Ich riet dann immer, um welche Geschichte es sich gehandelt hat. Zu Hause nahmen wir die Kinderbibel und ich las sie ihm noch mal vor. Es machte uns beiden einen riesigen Spaß. Auch heute noch machen wir das. Zugegeben, da Pascal inzwischen in die dritte Klasse geht, ist es nicht mehr so schwierig, aber Spaß macht es noch immer. Vielleicht haben Sie ja auch Lust einmal mit zu raten. Mit dem Anreiz, er könne die Geschichte auf meinem Laptop schreiben, war er gleich ganz begeistert und schrieb los:

Pascal am Laptop

„Ich geh wie jedesmal in die Kinderkirche und mein Freund ging zum ersten mal mit.

Holger hat uns ein Geschichte vorgelesen.
Sie handelte von einem Stadtwächter, der hat zu viel Geld abgenommen, als er eigentlich durfte.
Deswegen mag niemand den Stadtwächter. Und als Jesus in die Stadt gekommen war,
ließen die Menschen den Stadtwächter natürlich nicht zu Jesus durch. Deshalb ist er auf einen Baum geklettert. Dort hat Jesus ihn entdeckt. Er hat zu ihm gesagt: „Ich möchte bei dir Abendessen.“
Da hat sich der Stadtwächter gefreut und er hat bei sich aufgeräumt. Als Jesus bei ihm angekommen war, hatte er alles erzählt was er so gemacht und die anderen auch gemacht haben. Beim Erzählen ist ihm was aufgefallen. Nämlich, dass er ungerecht war und deswegen hat er das Geld  zurückgegeben und eine Entschädigung auch.

Pascal Lehmitz“

Na, haben Sie erraten, um welchen Herren es sich hier handelt? War doch gar nicht so schwer.

Das Bild verrät den Namen Lukas 19, 1-10


Ursprünglich geschrieben  Januar 2008
veröffentlicht im Paulusbrief

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