Manchmal muss man 46 Jahre alt werden, um sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Am Mittwoch habe ich mein erstes Fußballspiel. So ein richtiges Punktspiel. Wie ein kleines Kind freue ich mich darauf und bin schon mächtig aufgeregt.
Heute kaum vorstellbar, aber bis 1970 gab es vom DFB ein Spielverbot für Mädchen und Frauen. Als Begründung für das Verbot hieß es in der entsprechenden Erklärung des DFB unter anderem: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“
Als das Verbot dann endlich aufgehoben wurde, gab es keine Mädchen- bzw. Frauenmannschaften. Mir blieb nichts übrig als mit den Jungs auf dem Bolzplatz zu spielen und sie zu beneiden, das sie richtig im Verein spielen durften.
Auch in der Schule in der 7. Klasse versuchten die Lehrer mich auszuschließen und wollten nicht, dass ich mit den Jungs rausgehen und dort im Sportunterricht Fußballspiele. Zum Glück unterstützten mich meine Klassenkameraden und so durfte ich.
Irgendwann beschloss ich dann, eben Basketball zu spielen und trat dem Basketball Club Johanneum bei. In Harburg spielte ich dann einige Jahre bei Grün-Weiß bis ich die Diagnose Arthrose in den Daumen erhielt und so musste ich vor 4 Jahren aufhören.
Als ich dann die Anzeige las „Ü-30 Damen suchen Mitspielerinnen zum Kicken“ da dachte ich, dann jetzt Fußball.
Na, dann werde ich wohl am Mittwoch meinen Anstand verlieren…
Mein erstes Fußballpunktspiel
Etwas aufgeregt war ich natürlich pünktlich am Platz. Julian, unser Trainer, und Birgit fummelten am Lichtkasten herum und versuchten diesen mit einem Schlüssel zu öffnen, um das Flutlicht einschalten zu können. “Klasse”, dachte ich, “da wird doch wohl nicht mein erstes Spiel ausfallen, weil das Flutlicht nicht angemacht werden kann?”. Doch dann kam Hilfe und es ward Licht.
In der Kabine wurde ich dann mit Trikot, Hose und Stutzen versorgt. Mici, unsere Mannschaftskapitänin, gab mir dann noch eine andere, etwas größere schwarze kurze Hose mit den Worte:” Es sei denn Du möchtest die Hotpants anziehen?”. Emma konnte es sich nicht verkneifen und erwiderte:” Du Mici, Pirko kann auch Hotpants anziehen!”. He was für ein Kompliment und das von Emma, wo ich doch von ihr beim letzten Training ein “blöde Kuh” geerntet hatte und das nur, weil ich meinte, sie wäre die richtige Ersatztorhüterin, denn dann könnte sie schließlich soviel mit der Hand spielen wie sie wolle. Im letzten Spiel hatte sie als Linksaußen zweimal Hand gespielt.
Etwas amüsiert habe ich mich dann, aber nur weil ich das halt schon kannte, dass Mici mir erklärte, wenn sie hinten Ansagen macht, diese sich oft etwas schroff anhören würden, für ein “Bitte” und “würdest du” eben keine Zeit sei und ich das nicht persönlich nehmen dürfte. Viele Jahre habe ich Basketball gespielt und das oft auf einer vergleichbaren Position wie Mici. Wenn ich dann sah, dass eine Spielerin zum Schuss ansetze kam bei mir auch nur noch ein “Drauuuuuf” heraus.
Dann ging es endlich raus zum Warmmachen. Tja und da dachte ich, als ich keuchte, wie gut, dass ich sicher nicht von Anfang an spiele…Falsch gedacht…Ich spielte von Anfang an. Hinten rechts in der Verteidigung. Nun war ich doch aufgeregt. Aber gleich nach dem Anpfiff war es tatsächlich vorbei.
Als plötzlich eine gegnerische Spielerin allein in der Mitte auf das Tor zu lief, sprinte ich hin und schaffte es gerade noch mit dem Oberschenkel ihren Schuss abzuwehren. So hatte ich gleich mein erstes Andenken an das Spiel. Es zeichnete sich das Sechseck des Balles auf meiner Haut ab und bliebt dort fast drei Tage zu sehen, bis es sich verzog und dafür drum herum sich alles in leichtes grün verwandelte. Damit konnte ich zu Hause meine Männer, insbesondere Elias, stark beeindrucken.
Diese Tor habe ich vielleicht verhindern können, leider ein Tor nicht. Da hätte ich den Ball beherzt ins Torausschießen müssen, leider kam ich nur zu einem Schüsschen…Das ist sicher noch ausbaufähig.
Ein Kompliment sprechen ich mir mal durch den gegnerischen Trainer zu, der meine von mir gedeckten Spielerin anschrie, sie solle doch nicht so an mir kleben. Also ich fand eher, dass ich an ihr klebe, aber das ist natürlich Ansichtssache. Gewöhnen muss ich mich allerdings daran, dass beim Fußball offenbar auch gegnerische Trainer fremde Spielerin anfauchen, so schnauzte er Mici an, nachdem diese sich darüber beschwerte, dass eine Spielerin von ihm von hinten in die Beine gegrätscht sei und so Frauke von den Füssen geholt hatte: ”He Blondin, halt mal die Backen!”. Tja aber unser Blondi schoss ein Granatenfreischusstor…
Im Ergebnis schossen die anderen leider deutlich mehr Tore, so dass wir 1:5 verloren. Aber es hat mir riesig Spaß gemacht und ich wurde von allen super unterstützt. Das mit dem Gewinnen kommt dann halt im nächsten Spiel.
Gewonnen!!!
He, das hat mir niemand gesagt, dass ich auf Miniröcke verzichten muss, wenn ich Fußball spiele! Klar, der eine oder andere blaue Fleck bleibt nicht aus, das war mir schon bewusst und auch, dass es mehr sein würden, als beim Basketball, aber so was? Auf mein Andenken vom letzten Spiel – Ihr erinnert Euch, mein schönes Abzeichen auf dem Oberschenkel? – habe ich heute gleich ein Neues bekommen. Einen handtellergroßen Flecke, der sich neben dem alten in allen möglichen Farben zeigt. Nein, kurzer Rock geht damit gar nicht! Wie gut, dass ich bei diesen Temperaturen auch keinen anziehen möchte…

Aber das Wichtigste: Wir haben gewonnen!!! O:1 gegen Union. Dabei hätten wir eigentliche deutlich höher gewinnen müssen. So viele Chancen hatten wir, nur der Ball wollte einfach nicht reingehen. Das lag sicher in erste Linie daran, dass die mit Abstand beste Spielerin von Union die Torhüterin war. Doch unser Sturmduo Dodo und Caro unterstützt von Vivi gaben nicht auf.
Apropos Torhüterin…auch unsere hat richtig gut gehalten. Jetzt überlege ich gerade, ob das taktisch klug war, das zu schreiben? Dies bedeutet ja, dass es auch was zu halten gab, was wir in der Abwehr ja eigentlich hätten verhindern sollten. Aber Mici, Emma und ich haben das ganz gut hinbekommen und selbst als Mici zum Schluss mit vorne war, haben Emma und ich – mit guter Unterstützung von Ela, ein Tor verhindert.
Leider waren wir nur zu siebt und mussten damit durchspielen – ich spüren jetzt schon jeden Knochen und Muskel, morgen werde ich vor Muskelkater wahrscheinlich kein Bein vor das andere bekommen – dennoch hat es wieder richtig Spaß gemacht. Auf das nächste Spiel gegen den HSV freue ich mich schon, obwohl wir vermutlich eine riesige Packung bekommen werden.
Wer also mal zum Zugucken kommen möchte, sollte das vielleicht lieber am 10.11.2013 gegen Altona 93 um 16 Uhr machen.
Oje…jetzt habe ich schon wieder Julian, unseren Trainer, nicht erwähnt. Nicht dass er mich am Mittwoch nicht aufstellt 🙁 …nach meinem letzten Artikel hatte er so was durchblicken lassen ;-). Tja…konnte ich auch nicht, weil er während des Spiels immer auf der jeweiligen anderen Seite gecoacht hat. Viel zu weit weg von mir. Emma, die links hinten gespielt hat, hätte sich Bände schreiben können. Aber dafür, dass wir so viele Chancen ungenutzt gelassen haben, war er in der Pause sehr entspannt und meinte nur, gegen so einen Gegner gebe es kein 0:0, er wolle endlich ein Tor sehen und lieber das Risiko eingehen zu verlieren. Also sollten wir in der zweiten Halbzeit offensiver und schnell spielen. Seine Taktik ging denn auch auf, als er Mici nach vorne holte und diese das erlösende Tor schoss.
…Puh! Gerade mal noch die Kurve bekommen!” 🙂