Archive for the ‘Persönliches’ Category

Abitreffen nach 26 Jahren

Montag, September 17th, 2012

Am Samstag hatten wir Abitreffen, nach 26 Jahren (zum 25. Jubiläum hatten wir es nicht geschafft). Es war total schön. Wir waren immerhin 18 ehemalige Schüler (von 48 Abiturienten – begonnen hatten wir in der 5. Klasse mit 105 (35 pro Klasse) Schüler und Schülerinnen) und zwei ehemalige Tutoren. Es waren alle gut wieder zu erkennen, keiner hatte sich so verändert. Wir haben viel erzählt und viel gelacht. Das alte Abibuch und auch mein Fotoalbum mit Bildern von unserem Surfprojekt an der Schlei, Tutantag, Tutantenausflug und natürlich Skireise in Melchsee, machten die Runde. Zwei Ehemalige, die damals kein Paar waren, hatte inzwischen geheiratet. Das Traumpaar Nr.1 aus dem Abibuch ebenfalls und hat dieses Jahr den 21. Hochzeitstag gefeiert!
Meine Lieblingslehrerin (http://pirko.familie-lehmitz.info/2010/12/25/taxi-nach-paris-und-meine-erinnerung-an-meine-lieblingslehrin-frau-thery/) war leider nicht da. Außer unserem Tutor und meinem ehemaliger Leichtathletik Lehrer, waren inzwischen alle Pensioniert. Besonders gefreut haben ich mich über meinen ehemaligen Deutschlehrer, der mich im mündlichen Abi prüfte und von dem meine meisterzählte Lieblingsanekdote handelte. Denn erstmalig konnte ich sie ihm selber erzählen. Er grinste nur.
Ich bin um 23:30 Uhr gegangen und war nicht die letzte.
Und hier mal wieder ein Erinnerungs-Lied: Wonderfull Word von Sam Cook (nicht zu verwechseln mit dem Lied von Louis Armstrong „what a wonderfull world“.


Sam Cook – What a Wonderful World – MyVideo

Wir hörten es eigentlich immer während der Abizeit. Irgendjemand hatte eine Kassette (ja, so was hatten wir damals) zusammen kopiert, auf der nur diese Lied lief immer und immer wieder.
1986 – unser Abijahrgang – wurde das Lied mit großem Erfolg wiederveröffentlicht und konnte in Deutschland für einen Monat Platz drei der Charts belegen. Im Text geht es darum, dass ein junger Mann erklärt, dass er keine Ahnung von Geschichte, Biologie usw. habe, aber dass er die Angesungene liebe.
Tja, das passte auf mich und einige andere… ich war frisch verliebt…

Habt Ihr auch Möbel, die einen Namen haben?

Samstag, Februar 19th, 2011

Nein? Wir schon: Es gibt einen Onkel-Willi-Schrank, einen Tante-Marga-Stuhl und einen Tante-Lisa Schrank. Es sind Erbstücke mit denen wir Erinnerungen verbinden.

Der Onkel-Willi-Schrank ist eine Art Sekretär, der bei uns im Flur an der Wand hängt. Dort drauf landet die aktuelle Post und alles, was man so loswerden will, wenn man nach Hause kommt. In ihm bewahren wir Briefumschläge und vieles andere auf. Onkel Willi war der Stiefpapa von Kai, den auch ich noch ein paar Jahre kennen gelernt habe.

In dem Tante-Marga-Stuhl habe ich immer Mittagsruhe gehalten, wenn ich in den Ferien als Kind Tante Marga besucht habe. Wenn man sich zurücklehnt, dann geht das Fußteil hoch und man kann richtig liegen. Super bequem.

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Ich war damals 6 Jahre alt, als ich das erste Mal zu Tante Marga und Onkel Arnold zu Besuch kam. Ich kannte sie kaum, aber dem Versprechen, sie nehmen mich jeden Vormittag mit zum Schwimmen, konnte ich nicht widerstehen. Und daraus wurde eine ganz intensive und lange Freundschaft. Als ich 15 war haben wir beide einen Urlaub auf Baltrum verbracht und mit Kai und Pascal verbrachten wir einen Urlaub auf Wangerooge. Sie ist meine Lieblingstante, das heißt richtiger meine Lieblingsgroßtante. Ihr Mann war der Bruder des Vaters meiner Mutter. Als sie ihre Wohnung auflöste, fragte sie mich, ob ich von ihren Möbeln etwas haben wolle. Sie lachte, als ich fragte, ob der Stuhl noch da sei und das Buffet. Beides steht jetzt bei uns. Das Büffet leider nur im Keller für unser Partygeschirr.

Als ich noch ganz klein war, so 4 Jahre schätze ich, da bin ich häufiger über Nacht mal bei meiner Omi gewesen, genau gesagt, bei der Mutter von der Patentante meines Bruders, der Tante Lisa. Oft stand die Omi an ihrem Küchenschrank und schmierte mir ein Brot. Dieser Schrank bestand aus zwei Teilen, unten geschlossene Türen und oben ein Aufsatz mit einem Glasschrank. Der Schrank war weiß gestrichen und ich erinnere mich noch an die Gardienen, die in den Türen hingen. Ich konnte damals noch nicht auf die Küchenplatte gucken. 10 Jahre später halft ich Tante Lisa den Schrank abzubeizen. Das tat man damals mit einer stinkenden und beißenden Lösung, die die Farbe auflöste und mit einem Spachtel abgestrichen wurde. Danach wurden die Reste noch mit Schmirgelpapier entfernt. Eine mühsame Arbeit. Mehre Tage verbrachten wir damit. Tante Lisa sagte dann zu mir:“Wenn ich nicht mehr bin, dann bekommst Du den Schrank!“. Natürlich konnte ich mir das mit 14 kaum vorstellen. Leider brach dann der Kontakt ab und erst kurz vor ihrem Tod trafen wir uns wieder. Völlig überrascht war ich über die Nachricht, dass sie an einer Lungenentzündung gestorben sei. Wochen später bekam ich von einem Kollegen einen Brief, in dem er mir erklärte Frau Lisa Holst hätte mir den alten Küchenschrank vermacht, der nach Ansicht der Alleinerbin keinerlei Verkaufswert habe. Ich war total überrascht. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet, dass Tante Lisa ihr Versprechen tatsächlich eingehalten hatte. Kai und ich mieten uns einen Wagen und wir fuhren hin, um den Schrank abzuholen. Zunächst stand er bei uns in der Bonusstraße leider nur im Keller. Als wir aber hier nach Buchholz zogen, stellte ich ihn im Flur auf, bis ich die Idee hatte, ihn doch in unser großes Esszimmer als Spieleschrank zu stellen. Ich wusch ihn ab, schmiergelte ihn nochmals und beizte ihn Buchenfarben, um die Farbe etwas aufzufrischen.

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Und nun steht er bei uns im Esszimmer, voll über voll mit Kinderspielen. Manchmal sitze ich in Tante Margas Sessel, schaue mir den Schrank an und freue mich total. Ich habe das Gefühl Tante Lisa und Omi Guhra (wie wir sie nannten) sind dann bei mir und freuen sich genauso.

„Taxi nach Paris“ und meine Erinnerung an meine Lieblingslehrin Frau Thèry

Samstag, Dezember 25th, 2010

Gestern habe ich zu Weihnachten die neue CD von Michy Reincke geschenkt bekommen. Dort ist auch das Lied drauf „Taxi nach Paris“ von 1984. Sofort sah ich meine ehemalige Gemeinschaftskundeleistungskurs Lehrerin Frau Thery vor mir, wie sie damals laut singend in unseren Kurs kam. Vergnügt erzählte sie uns, dass dieser Felix de Luxe ein ehemaliger Schüler von ihr sei. Etwas Stolz lag in ihrer Stimme. Wenn ich das richtig nach gerechnet habe, bin ich zumindest ein Jahr noch mit ihm auf der Schule gewesen. Es war das Matthias Claudius Gymnasium (MCG) in Hamburg Mariental. Ein humanistisches Jungengymnasium, bis zwei Jahre bevor ich auf die Schule kam. Ich war der dritte Mädchenjahrgang. Unterrichtet wurden wir vorwiegend von ältere Lehrern, die uns Mädchen oft genug zu verstehen gaben, dass wir eigentlich auf dieser Schule nichts zu suchen hätten. Sprüche wie: „Seit Mädchen auf der Schule seien, können man von den Jungs kaum noch etwas fordern…“ oder „ Seit Mädchen auf der Schule seien, wäre das Niveau deutlich gesunken.“. Natürlich bekam ich keine 1 in Sport, weil Mädchen schließlich nicht die gleiche Leistung bringen. Wenn ich heute an einige dieser Lehrer denke, die damals noch aus einer ganz anderen Zeit stammten, dann kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Rückblickend denke ich, die Zeit auf dieser Schule bis zur Oberstufe habe ich einfach nur ertragen.

Doch dann ging für mich irgendwie die Sonne auf. Tja und diese Sonne war Frau Thery. Nicht nur dass sie zu den vielleicht Handvoll Lehrerinnen gehörte – oder vielleicht waren es in den wenigen Jahren auch schon ein paar mehr gewesen – nein, Unterricht brachte auf einen Mal Spaß. Allein schon, weil wir das Gefühl hatten, auch sie hat Spaß daran, uns etwas bei zu bringen. Zugegeben wir waren auch ein etwas besonderer Kurs: Alle sehr politisch interessiert und vor allen Dingen waren alle Parteien bzw. Richtungen vertreten. Zwei Grüne Mädchen, ein Sozi, zwei ganz Linke und zwei Konservative, die manchmal auch einen Schlag nach rechts hatten und ich vertrat damals ja noch tapfer die Liberalen. Ich habe mal meine Abibuch herausgeholt, das gab es einen Artikel „Eine Stunde GMK-Unterricht im Leben der Gisela T.“. Darin heißt es:

„Der GMK-LK des 4. Semesters freut sich, entgegen aller Erfahrungen, auf die folgenden zwei Stunden. Um die Zeit bis zur Ankunft von Frau T. zu überbrücken, singt der eine Teil die Internationale und der andere das Horst-Wessel-Lied. ….“.

Wir diskutierten dass die Wände wackelten, aber es hat alle Spaß gemacht und war im Wesentlichen sehr fair, oft aber Kabarett reif:
Nachdem die USA 1986 Libyen bombardierten, um den staatlich geförderten Terrorismus zu bekämpfen, diskutierten wir zu dem aktuellen Thema. Ein Mitschüler erklärte darauf hin:
„Reagans Anti-Terrorismus-Politik hieße auf deutsche Verhältnisse übertragen, eine Baader-Meinhof-Wohnung mit einem Tornado auszuheben.“

Ich erinnere mich an eine Stunde, da fiel Frau Thery auf, dass jeder das trug, was er sei: Die roten hatten rote T-Shirts an, die Grünen eben grüne Pullover, ich hatte irgendwas blau-gelbes an und die Konservativen trugen schwarz bzw. braun. Da lachte ich plötzlich und fragte Frau Thery, ich hätte gar nicht gewusst, dass sie zu den Königstreuen gehöre. Sie lachte ebenfalls laut und schüttelte heftig den Kopf, als sie an sich herunter sah: Sie hatte einen schwarz, weiß-roten Pullover an. Natürlich war sie alles andere als Königstreu, wohl eher grün-rot angehaucht.

Einmal ist sie mit uns in die Caféteria von Horten gegangen. Warum weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall habe ich laut es laut vorgelesen, als ich sah, dass sie für diese Stunde in das Klassenbuch „Gruppendynamik“ eingetragen hatte. Fortan wurde Frau Thery von uns genervt, wann wir denn endlich mal wieder Gruppendynamik machen.

Eines Tages kam sie mit einem nagelneuen schicken Aktenkoffer in den Unterricht. Irgendwie passte der so gar nicht zu ihr. Sie war aber sehr stolz auf ihren neuen Koffer und verteidigte ihn auf unsere Anfeindungen sehr. Als sie in der Pause kurz nach unten ging, um etwas zu holen, griff einer von uns sich den Koffer und verstellte kurzerhand die Zahlenkombination. Bis zum Ende der Stunde mussten wir waren. Endlich versuchte sie ihren Koffer zu öffnen…Wir konnten dann heraus handeln, wir geben ihr die neue Nummer und bekommen aber dafür keine Hausaufgaben auf. Unter Protest stimmte sie zu.

Bei Frau Thery durften Mädchen im Unterricht stricken, Jungen nicht. Was natürlich zunächst eine große Diskussion auslöste, dass dies nicht nur ungerecht sondern auch gegen Artikel 3 des Grundgesetzes verstoße. Sie blieb aber hart mit der Begründung, Jungen könnten sich nur auf das Stricken konzentrieren, Mädchen auf beides. Kurz vor Weihnachten strickte ich einen kleinen roten Strumpf. Sie guckte mich plötzlich völlig verdattert an und fragte:“Muss mir das jetzt etwas sagen?“. Ich verstand zunächst nicht worauf sie anspielte, da ich schließlich einen kleine Strumpf zum Verschenken an Nikolaus strickte. Bis ich begriff und zu lachen anfing. Nein, sie müsse sich keine Gedanken machen, so weit ich wüsste, sei ich nicht schwanger und hätte es im Augenblick auch nicht vor zu werden. Aber als sie einmal beiläufig von ihrem Sohn Pascal erzählte, da dachte ich:“Ja, das ist ein schöner Name, den könnte ich mir auch für meinen Sohn vorstellen.“ Und dabei blieb es auch nicht.

Rückblickend denke ich, Frau Therys Stunden waren die schönsten Schulstunden, die ich hatte. Und wenn ich „Taxi nach Paris“ höre, denke ich gerne an diese Zeit.

Und auch in das Leben verliebe ich mich immer wieder neu

Dienstag, Oktober 21st, 2008

Fühlst du Dich auch noch frisch verliebt?“, fragte mich neulich eine Freundin. Ich überlegte kurz: ja manchmal schon. Eine Woche später fand ich auf meinem Laptop einen Kasten mit Marzipanherzen und einen kleinen Liebesbrief von meinem Mann, einfach nur so. Das sind Augenblicke, wo ich wieder Herzklopfen und ein Kribbeln im Bauch habe, mich wie frisch verliebt fühle.
Ich war neugierig, ob nicht nur ich so fühle, postete in einem Forum im Internet – und hatte viel zu lesen: „Nichts mehr essen können, SEHNSÜCHTIGES Warten auf einen Brief, Küsse im Regen und deshalb Dauerschnupfen, das Gefühl, auf Wolken zu schweben, … Nein, wie frisch verliebt fühle ich mich nach fast 14 Jahren Ehe nicht mehr. Es hat sich verändert in eine Richtung des engen Zusammengehörigkeitsgefühls: tiefes Vertrauen, aufeinander Verlassenkönnen und Wohlfühlen miteinander“ (Michaela, 37).
„Ich denke, dass eine Beziehung immer mal wieder Phasen braucht, in denen man sich in seinen Partner neu verliebt. Denn der Mensch verändert sich immer wieder und somit gibt es neue Seiten zu entdecken.“ (Katharina, 25)

Ein Kind zum Verlieben. Ruben Lehmitz, das „Redaktionsbaby“„

“Ja, ich bin immer mal wieder frisch verliebt. Zum einen in meinen Mann, dann finde ihn unglaublich süß, einfach nur toll. Die ersten Tage nach der Geburt einer meiner Töchter war ich stets wie betrunken vor Glück. Einfach nur verliebt in dieses frische Wesen. Und auch heute verliebe ich mich immer wieder in meine Kinder. Denke tagsüber an sie und muss schmunzeln, freue mich aufs Nachhausekommen, …Und auch in das Leben verliebe ich mich immer wieder neu. Nach einer besonders trüben Zeit scheint endlich wieder die Sonne, und alles erscheint in einem anderen Licht. Dann freue mich wie Bolle über mein Leben, genieße ich jeden Sonnenstrahl und liebe einfach alles und jeden!!!!! Viele wirre Gedanken, wahrscheinlich auch nicht wirklich etwas Brauchbares dabei. Hat aber trotzdem Spaß gemacht!“ (Heidi, 36)
Uns auch!
Mai 2007 aus dem Paulusbrief

Manchmal ist einem gar nicht Bewusst, wie wichtig einen Dinge sind

Montag, August 25th, 2008

Manchmal ist einem gar nicht Bewusst, wie wichtig einen Dinge sind. So ging es mir die letzten Wochen.

Mir war schon klar, dass Tobias Geburstag mich in den Jahren immer stärker berührt, in denen er wieder auf einen Freitag fällt. Nicht so klar waren mir, wie wichtig mir in den letzten 11 Jharen bestimmte Rituale geworden waren.

Tobias hat ja am 22.August Geburstag, dass heißt oft in der Urlaubszeit oder kurz danach. Da er in Großhansdorf begraben ist, also fast 100 km von uns entfernt, fahren wir nicht so oft zum Grab. Aber wir fahren jedes Jahr auf dem Rückweg aus unserem Urlaub, den wir ja schon seit 2001 an der Ostsee verbringen, bei ihm vorbei. Im Urlaub habe ich dann immer etwas für das Grab gekauft, was ich ihm dann mitbringen, sowie einige Muscheln, und natürlich zünden wir immer einen Kerze an.
Paddingtenbär auf Tobias Grab
Dies Jahr leider nicht. Durch meinen Achillessehnenriss konnte ich nicht Auto fahren und da wir keinen 7-Sitzer mehr haben, musste ich mit der Bahnfahren. Erst als wir in Scharbeutz waren, wurde mir auf einmal klar, was das eigentlich bedeutet. Ich hatte noch nicht mal Lust, etwas dort für’s Grab zu kaufen. Ich hatte total unterschätzt, wie mir das fehlt und es ging mir nicht besonders damit.

Zu Hause angekommen, begann die „letzte“ Woche von Tobias in meinem Bauch und wie gesagt in diesem Jahr mal wieder mit den gleichen Wochentagen. Jeden Tag erinnerte ich mich an vor 11 Jahren: Seit Montag hatte ich auf einmal verstärkten Ausfluss, Mittwoch war der letzte schöne unbeschwerte Tag, Donnerstag hatte ich heftig Stress in der Kanzlei und ab Mittag fingen die Wehen an, die nicht mehr aufhörte und Freitag….

Er hat mich wieder eingeholt
der Freitag
immer wieder freitags

Ich habe eine Dauerkarte
für diesen Film
ich kenne diesen Film
jedes einzelne Bild

Ich hasse das Ende
aber ich sehe ihn jeden Freitag
den ganzen Tag
immer und immer wieder

vorher habe ich in jeden Tag gesehen
wann wird er abgesetzt?
21.11.1997

Die letzte Woche habe ich mit Kai den Film „die Queen“ gesehen. Ich wusste nicht, dass er von den Tagen nach dem Tod von Prinzessin Diana handelt, sonst hätte ich ihn mir gar nicht erst angesehen. Diana starb genau 8 Tage nach Tobias und wurde vier Tag vor ihm beerdigt. Nach Tobias Tod konnte ich es kaum ertragen Fern zu sehen, was ich kurze Zeit später für ca. ein Jahr dann auch gelassen habe. Alles was mit Dianas Tod zusammenhing habe ich sofort weggeschaltet. Ich fand es so unerträglich, dass alle immer wieder erklärten, wie schrecklich der Tod von Diana sei und wie traurig sie das mache, aber niemand trauerte um Tobias oder hatte Verständnis dafür, dass ich es tat. Dianas Beerdigung hat jeder gesehen. Über sie sprach jeder. Als ich einem Freund sagte, am Mittwoch sei die Beerdigung, erhielt ich zur Antwort:“Wer wird denn beerdigt?“!!! Und so war sie dann auch: Nur Kai und ich und unsere Mütter, die wie immer auch an diesem Tag, nicht ein Wort von Tobias sprachen, waren dabei. Klamm heimlich, als müssten wir uns dafür schämen….

Ich dachte in der letzten Woche immer, dass ich ja noch die Taufkerze für Ruben, der am Sonntag getauft wurde, basteln musste. Ich hatte sie schon viele Monate stehen, aber immer noch nicht fertig. Am Mittwochabend habe ich mich in meine Kanzlei verkrochen mit den Taufkerzen der anderen Jungs und mit meinen MP3-Player und mich an die Arbeit gemacht. Die von Gideon hatte ich damals auch selbst gemacht, die anderen beiden hatten Freunde gebastelt. Erst dachte ich, ich hätte nur einfach keine Lust, doch dann merkte ich, mir geht es schlecht dabei. Immer wieder der Gedanke, Tobias hat keine Taufkerze! Da er still geboren wurde, konnte er ja nicht mehr getauft werden. Und dann sah ich, die „Roh“-Kerze, die ich von meiner Gemeinde bekommen hatte, war in der Form und Größe wie die Geburtstagskerze von Tobias, die wir damals auf dem Trauerseminar gebastelt haben. Das war es wohl, was mich abhielt. Dann beschloss ich, die Taufkerze von Ruben genauso bunt zu machen, wie wir damals Tobias Kerze gestaltet hatten. Jeder Buchstabe in einer anderen Farbe, eine große gelbe Sonne und eine kleine Sternschnuppe, in Erinnerung an Tobias. Mir liefen fast durchgehend die Tränen, aber als sie endlich fertig war, war ich total stolz und freute mich darüber.

Rubens Taufkerze

Normalerweise hole ich Tobias Geburtstagskerze schon am Abend vorher raus und schmücke ein wenig den Tisch für seinen Geburstag. Dieses Jahr war ich abends total alle und irgendwie auch so leer. Kai machte am 22. August für uns Frühstück, die Großen waren schon in der Schule. Er hatte nicht an den Geburstag gedacht. Wir frühstückten ohne seine Kerze, ich glaube , das erste Mal. Ich weiß nicht warum, ich ließ es geschehen. Am Vormittag bekam ich Besuch, ein Ausschuss vom Kirchenvorstand tagte bei mir, und ich war abgelenkt. Dann aber ging es mir super schlecht. Ich holte die Kerze mit dem Teller heraus, setzte wie immer ein Teelicht herein und zündete sie an.

Tobias Geburstagskerze

So saß ich dann am Tisch, als mein Großer aus der Schule kam. Pascal sah die Kerze, lachte mich an und sagte:“Oh, Tobias hat heute Geburstag!“. Das tat gut, wenigstens einer, der seinen Namen aussprach…
Es war der erste Geburstag von Tobias, an dem niemand, außer mir daran gedacht hatte.

Seit Tobias ersten Geburstag, den wir damals mit vielen Freunden in unserem Garten gefeiert hatten (Für mich als Nachholung der fehlenden Trauerfeier) feiern wir jedes Jahr dieses Sommerfest. http://www.stillgeboren.de/Geschichte/Geburtstag/geburtstag.html
Manchmal aus besonderem Anlass, wie die Taufen unserer Jungs oder unseren Einzug in unser Haus. Dieses Jahr war das 10jährige Jubiläum. Da inzwischen nur noch wenige wissen, welchen Ursprung das Sommerfest hat, hatte ich mir vor zwei Jahren überlegt, am 10jährigen Jubiläum würde ich wie beim ersten mal unsere „Eisenbahn“ mit den Herzen der Sternenkinder aus unser Verwaiste Eltern Gruppe aufbauen und kurz etwas dazu schreiben.
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Da ging ich aber noch davon aus, dass Ruben ja noch im ersten Lebensjahr, also 2007 getauft wird. Doch aufgrund einer Panne mussten wir die Taufe auf dieses Jahr verschieben. Ich habe kurz überlegt, ob ich es dennoch mache, aber dann entschied ich, dass dies Rubens Tag sei und er allein die Hauptperson und so ließ ich es sein. Aber auch das fiel mir sehr schwer.

Gestern ist Ruben getauft worden. Es war ein sehr schöner Taufgottesdienst. Ich habe dort den Text mit den Engeln gelesen, der unsere Kinder beschützen soll.

Möge ein Engel hinter euch stehen,
um euch den Rücken zu stärken,
damit ihr aufrecht
und wahrhaftig leben könnt,

Möge euch ein Engel begleiten,
zu euer Rechten und zu euer Linken,
damit ihr bewahrt bleibt
vor Angriffen derer,
die es nicht gut mit euch meinen.

Möge ein Engel unter euch stehen,
um euch zu tragen,
wenn ihr keinen festen Boden
mehr unter euch spürst.

Möge ein Engel in euch sein,
um eure Tränen zu trocknen
und euer Herz
mit dem Licht der Zuversicht zu erhellen.

Möge ein Engel über euch sein,
um euch zu behüten
vor den alltäglichen Gefahren,
damit kein Unheil euer Leben bedroht.

Mögen euch alle Engel des Himmels
mit ihrem Segen erfüllen und umhüllen
an allen Tagen eueres Lebens
und in jeglicher Nacht.

Ich fand dabei den Gedanken total schön, dass wir Sternenkindereltern ganz besondere „Engel“ für unsere Folgekinder haben und das hat mich ein wenig versöhnt. Am Abend vor der Taufe hat es bei uns aus Eimer gegossen und als wir zur Kirche gingen riss es auf und wir hatten bis zum Abend das schönste Wetter. Genauso wie ich mich am Mittwochabend beim Kerzenbasteln ausgeweint hatte, hatte sich auch der Himmel ausgeweint.

Unser Kennenlerntag

Freitag, Juli 25th, 2008

Heute ist unser Kennenlerntag und ich glaube, ich verbringe ihn das erste Mal seit 23 Jahren allein, weil Kai in Indien auf Dienstreise ist.

Eigentlich ist es ja auch gar nicht heute der Tag, an dem wir uns kennen gelernt haben. Zwei Tage zuvor haben wir uns das erste Mal gesehen. Ich wollte an dem Abend mit einem Klassenkamerad auf den Hamburger Dom gehen. Wir waren bereist verabredet, doch dann meinte er, er hätte ganz den Arbeitskreis Kommunalpolitik vergessen. Aber ich könnte ja mitkommen. Zuerst dachte ich, ich spinne,  was soll ich denn da? Aber Jürgen grinste nur und erklärte, das sei immer super lustig, ich soll mal mitkommen, was ich dann auch tat. Wenn ich mich richtig erinnere wurde an dem Abend über Kommunalpolitik nicht gesprochen. Wir gingen in die Wohnung des damaligen Kreisvorsitzenden der JU und dort wurde gemeiert, so hieß das doch (grübel)? Ein Art Würfelspiel. Kai, der tatsächlich Gin mit Tonic trank  – es roch nach Spülwasser- riskierte  ab und an ein Blick zu mir. Ich guckte mir seine Wohnzimmer an, ein großer Schreibtisch, eine Couch, Sessel Tisch und viele, viele Borde mit Büchern. Es war merkwürdig, ein Gedanken durchzuckte mich völlig unvermittelt. Hier wirst du viel Zeit verbringen und dich wohlfühlen.
Da Jürgen zwei Tage später Geburstag hatte und ich immer noch kein Geschenkt für ihn wusste, fragte ich Kai, ob er mir da nicht helfen könne. Klar, das sei überhaupt kein Problem, er wüsste was. Kai holte einen Zettel und schrieb etwas darauf. Guckte immer wieder zu mir hoch und schrieb und schrieb. Ich dachte, was schreibt der denn nur, dass muss doch mehr sein, als ein Tipp für ein Geschenk. Dann nahm er den Zettel, zerknüllte ihn und fing wieder von vorne an. Dann faltet er ihn und gab ihn mir. Ich nahm ihn so und steckte ihn ein.
Zu Hause holte ich ganz neugierig den Zettel heraus, faltete ihn gspannt wie ein Flitzebogen auseinander und las: „The dark site of the moon, von Pink Floyd“. Mehr nicht. „Klasse!“, dachte ich. Nahm den Zettel zerknüllte ihn und warf ihn in die Ecke. So ein Idiot!

Am Geburtstag von Jürgen, also heute, sahen wir uns dann wieder. Als ich kam, spielte Kai am Comodore C 64 Tennis. Ich stellte mich dahinter. Kai schaute kurz hoch, sah mich und ich bekam ein Lächeln. Dann spielte er weiter gegen seinen Bruder. Ein paar Minuten wartete ich, dann war mir das  zu blöd und ich ging in die Küche. Was man von Männer ja nicht immer erwarten kann, aber er hatte mein Gehen bemerkt und sofort aufgehört zu spielen, um mir zu folgen. Da hatte er aber noch gerade mal die Kurve gekriegt. Etwas später am Abend haben wir uns das erste Mal geküsst.
Später hat Kai mir gebeichtet, dass er tatsächlich auf den ersten Zettel geschrieben habe, er möchte mich gerne wiedersehen. Dann sei er jedoch zu feige gewesen und habe den Zettel lieber zerknüllt.

Blick auf dem Jungfernstieg vom  Ballindam 

Ich glaube, es war keine drei Wochen später, da standen wir auf dem  Ballindamm an der Binnenalster, es war ein wunderbare laue Sommernacht, und Kai hat mich das erste Mal gefragt, ob ich ihn heiraten möchte. Ich war total verwirrt und wich natürlich erst mal seiner Frage aus. Er erklärte, er sei sich bei mir so sicher und möchte mich unbedingt heiraten. Ich, gerade mal 18, noch nicht mal Abitur und kenne diesen Mann erst ein paar Wochen. Nein, das ginge gar nicht. Ein halbes Jahr später haben wir uns zum Entsetzen aller, verlobt. Sechs Jahre später haben wir geheiratet.

Früher haben wir unseren Kennenlerntag immer richtig gefeiert. Die ersten Jahre habe ich für uns etwas schönes gekocht, etwas ganz besonderes. Essen zu gehen, das konnten wir uns nicht leisten. Später sind wir dann natürlich auch Essen gegangen. Das letzte Mal war 1997. Ich war mit Tobias schwanger in der 19. Woche und an dem Tag war die letzte große Ultraschalluntersuchung. Ich war so glücklich und genoss den Tag. Wir waren in Neustadt an der Ostsee. Es war ein total schöner Tag.

Die nächsten zwei Jahre war uns dann auch nicht zum Feiern zu mute und schon gar diesen Tag. Irgendwann haben wir auch das wieder gekonnt, wenn auch ganz zaghaft. Bei einer schönen Flasche Wein saßen wir zusammen. Wenn ich mir jetzt etwas wünschen dürfte, so würde ich mir wünschen, den nächsten Kennenlerntag in Hamburg zu verbringen. Nachmittags bummeln zu gehen, am Alsterfleet etwas Essen, danach einen Dammertörn mit einem Alsterschiff, um dann am Ballindamm Dir zu sagen, dass ich dumme Nuss auch damals gleich hätte ja sagen können.

Ach, natürlich bin ich heute nicht alleine. Nein, denn unsere vier kleinen Männer schlafen oben, hoffentlich!