Gestern waren wir mit unseren Jungs in Bergen-Belsen und haben dort die Gedenkstätte des KZ besucht. Vor 70 Jahren wurden die KZ befreit. Anfang des Jahres habe ich viele Dokumentationen und Interviews mit den letzten Zeitzeugen gesehen, die mich sehr bewegt haben. Dabei stellte ich fest, dass ich noch nie eine solche Gedenkstätte besucht habe. Als ich auf dem Weg nach Celle an Bergen-Belsen vorbeifuhr, dachte ich, hier möchte ich mal hin.
Alle Jungs wollten mit und waren sehr interessiert. Mit Ruben sind wir allerdings nicht in die Ausstellung gegangen, weil die Fotos und auch die Filme zu heftig waren und er das ganze sicher noch nicht hätte verstanden.
Leider ist vom Lager außer den vielen Massengräbern nichts erhalten. Es gibt nur Reste der ehemaligen Baracke 9 des Häftlingslagers. Jugendliche des CVJM haben auf die Steine Namen geschrieben. Es sind Namen von Juden aus Ungarn, die zum Austausch bestimmt waren, daher findet man Namen sowohl von Frauen als auch von Männern. Auf der einen Seite der Steine steht das Geburtsdatum und auf der anderen Seite evtl. das Sterbedatum. Die verseuchten Baracken wurden nach und nach bis Mitte Mai 1945 geräumt und verbrannt.
Die Massengräber beeindruckten mich sehr. Hier waren zigtausend Menschen im April 1945 bestattet worden.
In der Ausstellung gab es darüber einen Film der Britischen Armee. Diese Bilder haben meine großen Jungs und auch mich am meisten beeindruckt. Es wurde gezeigt, wie die völlig ausgemergelten Leichen erst von einzelnen zu den Gräbern geschleppt wurden. Als die Engländer merkten, dass dies so nicht zu bewältigenden ist, setzten sie Bulldozer ein, die die Leichenberge in die Gräber schob. Fürchterlich. Diese Bilder vergisst man nie.
Beeindruckend fand ich auch die Szene, wo die deutsche Bevölkerung in das Lager geführt wurde, um sich diesen Schrecken anzusehen, und dies tatsächlich die Briten beschimpften. Wie kann man bei einem solchen Anblick seinen Mund aufmachen?
In der Ausstellung kommen viele ehemalige Häftlinge zu Wort. Am meisten hat mich Yvonne Koch beeindruckt. Ich sah zwei gestrickte Kinderhandschuhe in einem Schaukasten und blieb stehen. Dort erzählte in einem Filme Yvonne Koch von ihrem Schicksaal. Als 10 Jährige wurde sie von der Tschechoslowakei als Jüdin nach Bergen Belsen deportiert, alleine ohne Eltern. Diese hatten sie in einem katholischen Mädchenkloster verstecken wollen, wo sie allerdings entdeckt wurde. Nur auf sich gestellt, lebte sie im Lager. Sie verstand nicht, warum sie da war und hoffte jeden Tag, dass ihre Eltern sie aus der Hölle befreien kommen. Nur von einer russischen Mitgefangenen erlebte sie etwas Mitgefühl. Sie gab ihr etwas zu essen und strickte aus Fäden einer Pferdedecke diese Handschuhe für sie. Für Yvonne waren sie ein Schatz, nicht nur weil die Handschuhe sie wärmten. Bei der Befreiung lag sie bereits fast verhungert mit Typhus auf einer Pritsche bereits im Koma und wurde von einem britischen Soldaten entdeckt und sofort ins Lazarett gebracht. Im Juni 1945 sah sie dann ihre Eltern in Prag wieder.
Die Ausstellung ist sehr beeindruckend und es gibt noch so viel zu lesen und hören, so dass es sich lohnt auch noch ein weiteres Mal sie zu besuchen.







