Archive for the ‘Gedichte’ Category

Mosaik

Dienstag, Juli 15th, 2008

Steine rieseln durch meine Hand
viele kleine Stein
leuchtend bunte
dunkle unscheinbare
unendlich viele
Sie spiegeln wieder
jede Begegnung
jedes Gefühl
jede Stimmung
jede Verletzung
aber auch jede Umarmung
wir sammeln sie wie kostbare Schätze
in unseren Herzen
aus ihnen bauen wir ein Mosaik
Bilder Motive
geboren aus Erinnerungen unserer Kindheit
verfremdet durch die Wirklichkeit
fangen ein unsere Träume und Wünsche
spiegeln unser Leben wieder
in jeder Facette
bis zum letzten Tag unseres Lebens
puzzeln wir wie besessen
bis jeder Stein
so kostbar
verbraucht
jeder Stein der zu uns gehört
bis es vollendet ist
und wir ins Licht gehen
                                                                       17.02.2006

Ganz klein und unscheinbar
und doch so wichtig
voller Energie Kraft und Liebe
er lag ganz offen
und doch so versteckt
viele Jahre tief in meinen Herzen
verschlossen verborgen und verheimlicht
vor allen anderen
und vor mir selbst
genau dieser Mosaikstein
hat mir noch gefehlt
und nun passen die anderen
vieles puzzel ich neu
und es entsteht ein Bild
endlich stimmig
mit mir
meinen Gefühlen
Wünschen und Begehren
endlich angekommen
auf einem Weg
von dem ich nicht wusste
dass ich ihn gibt
von dem ich nicht wusste
dass ich ihn gehe
dabei ist er so wunderschön
dass ich ihn nie mehr missen möchte
ich bin angekommen
in meinem Herzen
ganz tief
und genieße es
                                                                         26.10.2007

Sommer und Winter

Dienstag, Juli 15th, 2008

Sommertraum

Ein Sommer voller Träume

Ein Sommer voller Träume
Kindheitserinnerungen spiegeln sich
ich hatte fast vergessen
wie ein Weizenfeld riecht
wie warmer Regen auf Asphalt
verdampft
ein Millionenheer von Zirpen
Glück, einfach nur Glück
und es ist kein Traum
                                                                             Sommer 2005

Rodeln

Wieder Kind
Der Schnee knirscht
und ab geht die Post
Hülfe Hülfe
Achtung Achtung
eiskalt bläst es in mein Gesicht
ein kleiner Hüpfer
beinahe eine Landung im Schnee
doch wir kommen zum Stehen
rote Wangen lachen mir ins Gesicht
nochmal nochmal
und ich weiß auf einen Mal
wie so ein kleiner Kerl
mich wieder zum Kind werden läßt
                                                                                                  15.03.2006

 

Wir durften einmal kurz mit ihren Augen ein Blick in ihr Leben werfen

Freitag, Juli 11th, 2008

 Ein Abend voller Gedichte mit Dorothee Sölle

 Der Name Dorothee Sölle sagte mir mit Ausnahme des Stichwortes „Gott ist Tod“ im Zusammenhang mit Ausschwitz nicht so sehr viel. Angezogen zu den beiden Abenden „Auf den Flügeln der Poesie“ hatte mich ehrlich gesagt auch mehr der Hinweis auf ihre Gedichte. Seit einigen Jahren üben Gedichte auf mich ein große Fazination aus. Den Zugang zu Gedichten erhielt ich erst nach dem Tod meines Sohnes. Sie waren zunächst das einzige, was ich ertrug zu lesen, und irgendwann fing ich selber an zu schreiben und seitdem lassen mich Gedichte nicht mehr los.

Durch ihre Gedichte erfuhren wir viel mehr von Leben Dorothee Sölles, als duzende Vorträge hätten es vermocht. Wir durften einmal kurz mit ihren Augen ein Blick in ihr Leben werfen.

An den Abenden teilten wir uns in zwei Gruppen auf und lasen zunächst die Gedichte jeder für sich und dann wurden sie von einem Teilnehmer laut gelesen. Schon hier beeindruckte mich, wie sich die Gedichte veränderten, je nach dem, wer sie vorlas und nochmal durch das Vorlesen am Ende das Abends. Schwerpunkte der Abende waren Kindheit/Erinnerungen, politisches Bewußtsein, Frauen und Gebete/Biblische Texte. Im Anschluss an eine Teepause, die viel Gelegenheit zum persönlichen Austausch gab, wurden zu den Gedichten der persönliche zeitliche Hintergrund zum Leben von Dorothee Sölle beleuchtet und zusammen mit ihren Gedichten in einen Lebensbaum eingetragen, so dass zum Schluß auch optisch der Lebensweg von Dorothee Sölle für alle erfahrbar war.

Der erste Abend, in dem es in unsere Gruppe um ihre Kindheit/Erinnerungen ging, war geprägt von den persönlichen Eindrücken der Teilnehmer, die aufgrund der Gedichte entstanden. Die Offenheit unter den Teilnehmern, war sehr beeindruckend. Einige erzählten eigene Erlebnisse aus dem dritten Reich und in mir wurden – durch die Gedichte – die Erlebisse meines Vater aus dieser Zeit wieder wach, von denen er uns so oft erzählt hatte.

Faszinierend für mich war insbesondere, wie auf der einen Seite Gedicht, die zunächst kaum verständlich, durch die verschiedenen Beiträge der Teilnehmer klarer wurden und auf der anderen Seite, Gedichte, die scheinbar relativ klar waren, doch voller Widersprüche zu sein schienen. Die Gedichte wurde fast lebendig durch die Diskussion mit den anderen. Jeder trug einen kleinen Mosaikstein dazu bei und so wurde am Ende daraus ein Mosaik mit wundervollen Bildern.

Mein Lieblingsgedicht war „Begegnung zweier Frauen“: Es machte mir Spaß zu sehen, wie selbstkritisch Dorothee Sölle in diesem Gedicht sich darstellte und das noch mit einem so wunderbaren Humor.

Es waren zwei sehr beeindruckende Abende und ich hoffe, wir müssen nicht allzu lange auf die Fortsetzung der „Gedichte zu Gottesfragen“ warten.

Eine begebenheit zwischen zwei Frauen

Keine ohren hatte die aufmerksame
kein lächeln die freundliche übrig
anfang mai vergaß die zuverlässige dinge
und die pünktliche kam eine stunde zu spät

Ich fing an die veränderungen zu notieren
ich häufte meinen kleinen ärger zusammen
als wär ich eine maschine die aufleuchtet
wenn etwas nicht stimmt

Bis karen ehe ich noch zum reden kam
von den mundwinkeln ausgehend lächelte
und in ihrer wissenschaftlichen art bemerkte
vorbehaltlich der testergebnisse
sei es nicht auszuschließen
dass sie um weihnachten herum
sie sei sich da ziemlich sicher
weil sie sich in der u-bahn mehrfach übergeben musste
ein kind bekäme
da habe ich mich sehr geschämt
weil ich es nicht gesehen hatte
und meiner vergesslichkeit wegen
als wär ich im tüchtigen leben ein mann geworden

Aber je mehr ich mich schämte
desto mehr freute ich mich
karen bekam ein jungesmädchengesicht
und ich ein paar großmutterfalten

Ursprünglich geschrieben 17.03.2006
Veröffentlicht im Paulusbrief