Archive for Juli, 2008

Allen Kindern ein Chance

Sonntag, Juli 27th, 2008

Eben habe ich die Schulbücher für meine  beiden Schuljungs bestellt. Mal eben 120  €. Dazu kommen noch pro Kind 10 € Kopierkosten und 10 € für die Klassenkasse. Das muss ich noch überweisen. Also 160 € für ein Schulhalbjahr. Die Schnellhefter und Zeichenblöcke, die ich noch besorgen muss, gar nicht mitgerechnet und schon gar nicht die Ausflüge und Klassenreisen. Und wir haben dieses Jahr Glück, kein Kind wird eingeschult, denn dann kommen noch mal Ranzen, Turnbeutel, Turnsachen und die komplette Erstausstattung inklusive Schultüte dazu.

Ich will nicht klagen. Wir können uns das leisten. Aber wie machen das Eltern , die Hartz-IV empfangen oder auch Familien, mit geringen Einkommen?

Im reichen Deutschland lebt inzwischen jedes sechste Kind in Armut. Vor 20 Jahren war es noch jedes 60. Arme Kinder müssen im Jahr 2008 im Monat mit 208 Euro auskommen. Das ist der sogenannte Hartz IV Regelsatz für Kinder. In den 208 Euro sind 86 Cent für Spielsachen und maximal 0,76 Euro für Schulsachen pro Monat enthalten. Rechnet man das auf ein Jahr um, so bekommen Arme Kinder Spielsachen für 10,32 Euro und für ihre Schulbildung billigt ihnen die Gesellschaft 9,12 Euro pro Jahr zu. Ein Unding, das nicht mehr gesteigert werden kann. Und was ist mit gesunder Ernährung? Ein 15 Jahre altes Kind, das sich ausgewogen und gesund ernähren möchte, muss täglich im Durchschnitt 4,68 Euro im Discounter oder 7,44 Euro im Supermarkt ausgeben, so das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Bei Kindern von Hartz-IV-Empfängern beträgt etwa der Tagessatz für Lebensmittel 2,57 Euro. Es gibt aber kaum eine Schule in Niedersachsen, in der eine warme Mahlzeit weniger als 2,50 Euro kostet. Diese Kindern  können nicht am Schulessen teilnehmen. Sind ausgeschlossen. Mal wieder.

In der Waldschule hier in Buchholz wurde jetzt ein Schulverein gegründet mit dem Ziel, unbürokratisch Kinder finanziell zu helfen, wenn es um Klassenreisen, Schulausflüge etc. geht. Eltern werden dort Mitglied und aus den Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Erlösen von Schulfesten soll das finanziert werden. Natürlich eine gute Idee und ich hoffe sehr, dass viele Eltern Mitglied werden. Aber im Ergebnis bedeutet dies auch, dass wieder Eltern das finanzieren, warum eigentlich?

Wieso müssen wir Eltern das alles selber zahlen? Genauso wie der Schulbesuch, sollten auch die Lernmittel und das Schulessen kostenlos sein. Für alle. Wenigstens dies sollte das reiche Deutschland seine Kinder wert sein.

www.zukunftsgestalten.de

Unter dem Motto «Allen Kindern ein Chance» hat die evangelische Landeskirche Hannover eine eigene Initiative gegen Kinderarmut gestartet.  Sie unterstützt lokale Projekte zur Armutsbekämpfung mit insgesamt einer Million Euro. Im Rahmen der Initiative verdoppelt die Landeskirche jeden Euro, den lokale kirchliche Projekte zur Armutsbekämpfung sammeln oder aufbringen. «Wir wollen beispielhaft handeln und zugleich ein Signal für eine notwendige politische Initiative setzen», betonte die Landesbischöfin Margot Käßmann. Mehr hierzu unter www.zukunftsgestalten.de.

Unser Kennenlerntag

Freitag, Juli 25th, 2008

Heute ist unser Kennenlerntag und ich glaube, ich verbringe ihn das erste Mal seit 23 Jahren allein, weil Kai in Indien auf Dienstreise ist.

Eigentlich ist es ja auch gar nicht heute der Tag, an dem wir uns kennen gelernt haben. Zwei Tage zuvor haben wir uns das erste Mal gesehen. Ich wollte an dem Abend mit einem Klassenkamerad auf den Hamburger Dom gehen. Wir waren bereist verabredet, doch dann meinte er, er hätte ganz den Arbeitskreis Kommunalpolitik vergessen. Aber ich könnte ja mitkommen. Zuerst dachte ich, ich spinne,  was soll ich denn da? Aber Jürgen grinste nur und erklärte, das sei immer super lustig, ich soll mal mitkommen, was ich dann auch tat. Wenn ich mich richtig erinnere wurde an dem Abend über Kommunalpolitik nicht gesprochen. Wir gingen in die Wohnung des damaligen Kreisvorsitzenden der JU und dort wurde gemeiert, so hieß das doch (grübel)? Ein Art Würfelspiel. Kai, der tatsächlich Gin mit Tonic trank  – es roch nach Spülwasser- riskierte  ab und an ein Blick zu mir. Ich guckte mir seine Wohnzimmer an, ein großer Schreibtisch, eine Couch, Sessel Tisch und viele, viele Borde mit Büchern. Es war merkwürdig, ein Gedanken durchzuckte mich völlig unvermittelt. Hier wirst du viel Zeit verbringen und dich wohlfühlen.
Da Jürgen zwei Tage später Geburstag hatte und ich immer noch kein Geschenkt für ihn wusste, fragte ich Kai, ob er mir da nicht helfen könne. Klar, das sei überhaupt kein Problem, er wüsste was. Kai holte einen Zettel und schrieb etwas darauf. Guckte immer wieder zu mir hoch und schrieb und schrieb. Ich dachte, was schreibt der denn nur, dass muss doch mehr sein, als ein Tipp für ein Geschenk. Dann nahm er den Zettel, zerknüllte ihn und fing wieder von vorne an. Dann faltet er ihn und gab ihn mir. Ich nahm ihn so und steckte ihn ein.
Zu Hause holte ich ganz neugierig den Zettel heraus, faltete ihn gspannt wie ein Flitzebogen auseinander und las: „The dark site of the moon, von Pink Floyd“. Mehr nicht. „Klasse!“, dachte ich. Nahm den Zettel zerknüllte ihn und warf ihn in die Ecke. So ein Idiot!

Am Geburtstag von Jürgen, also heute, sahen wir uns dann wieder. Als ich kam, spielte Kai am Comodore C 64 Tennis. Ich stellte mich dahinter. Kai schaute kurz hoch, sah mich und ich bekam ein Lächeln. Dann spielte er weiter gegen seinen Bruder. Ein paar Minuten wartete ich, dann war mir das  zu blöd und ich ging in die Küche. Was man von Männer ja nicht immer erwarten kann, aber er hatte mein Gehen bemerkt und sofort aufgehört zu spielen, um mir zu folgen. Da hatte er aber noch gerade mal die Kurve gekriegt. Etwas später am Abend haben wir uns das erste Mal geküsst.
Später hat Kai mir gebeichtet, dass er tatsächlich auf den ersten Zettel geschrieben habe, er möchte mich gerne wiedersehen. Dann sei er jedoch zu feige gewesen und habe den Zettel lieber zerknüllt.

Blick auf dem Jungfernstieg vom  Ballindam 

Ich glaube, es war keine drei Wochen später, da standen wir auf dem  Ballindamm an der Binnenalster, es war ein wunderbare laue Sommernacht, und Kai hat mich das erste Mal gefragt, ob ich ihn heiraten möchte. Ich war total verwirrt und wich natürlich erst mal seiner Frage aus. Er erklärte, er sei sich bei mir so sicher und möchte mich unbedingt heiraten. Ich, gerade mal 18, noch nicht mal Abitur und kenne diesen Mann erst ein paar Wochen. Nein, das ginge gar nicht. Ein halbes Jahr später haben wir uns zum Entsetzen aller, verlobt. Sechs Jahre später haben wir geheiratet.

Früher haben wir unseren Kennenlerntag immer richtig gefeiert. Die ersten Jahre habe ich für uns etwas schönes gekocht, etwas ganz besonderes. Essen zu gehen, das konnten wir uns nicht leisten. Später sind wir dann natürlich auch Essen gegangen. Das letzte Mal war 1997. Ich war mit Tobias schwanger in der 19. Woche und an dem Tag war die letzte große Ultraschalluntersuchung. Ich war so glücklich und genoss den Tag. Wir waren in Neustadt an der Ostsee. Es war ein total schöner Tag.

Die nächsten zwei Jahre war uns dann auch nicht zum Feiern zu mute und schon gar diesen Tag. Irgendwann haben wir auch das wieder gekonnt, wenn auch ganz zaghaft. Bei einer schönen Flasche Wein saßen wir zusammen. Wenn ich mir jetzt etwas wünschen dürfte, so würde ich mir wünschen, den nächsten Kennenlerntag in Hamburg zu verbringen. Nachmittags bummeln zu gehen, am Alsterfleet etwas Essen, danach einen Dammertörn mit einem Alsterschiff, um dann am Ballindamm Dir zu sagen, dass ich dumme Nuss auch damals gleich hätte ja sagen können.

Ach, natürlich bin ich heute nicht alleine. Nein, denn unsere vier kleinen Männer schlafen oben, hoffentlich!

Gottesdienste müssen Spaß machen

Sonntag, Juli 20th, 2008

Gottesdienst in St.Paulus

Ja, Gottesdienste machen mir Spaß, ganz besonders hier in St. Paulus. Macht es nicht Spaß eine ganze Stunde Gott nah zu sein, Lieder zu singen und Geschichten zu hören?

Mal im Ernst: Gottesdienste hier in St. Paulus machen mir Spaß, aber nicht Spaß in Form von: Es ist lustig, es gibt viel zu lachen, ich kann mich unterhalten lassen. Natürlich, auch in Gottesdiensten kann es Momente geben, in denen gelacht wird, aber das ist es nicht, was ich meine. Gottesdienste machen mir Spaß, wenn ich mich ganz auf sie einlassen kann, wenn ich eine Stunde ganz dabei bin und wenn ich etwas mit nach Hause nehme. Ein Gottesdienst bedeutet für mich, gute Musik zu erleben, zu singen, auch wenn ich nicht wirklich gut singen kann, einer Band oder der Kantorei zu zuhören oder wenn David Schollmeyer Orgel spielt. Gottesdienst bedeutet für mich, ganz einzutauchen in eine Geschichte, die mein Herz berührt, von einer Predigt eingefangen zu werden, die etwas in mir öffnet. Gemeinsam ein Gebet zu sprechen und dabei zu fühlen, ich bin nicht alleine mit meinem Glauben. Gottesdienst bedeutet für mich auch, das Abendmahl zu feiern und dabei zu spüren, Gott  ist bei uns.
Ich genieße sehr die verschiedenen Gottesdienste hier in St. Paulus: den ursprünglichen Gottesdienst am Sonntag um 10 Uhr, geführt von einer Liturgie, die wie ein Ritual mir Halt gibt, den Zwischenhaltgottesdienst, der jedesmal etwas ganz Neues offenbart und auch den Feierabendgottesdienst, der einlädt zum Mitmachen.
Jeder Gottesdienst ist etwas ganz besonderes, etwas was mir ganz besonders gut tut.

April 2007
veröffentlicht im Paulusbrief

Eine Geschichte zum Raten

Freitag, Juli 18th, 2008

Zachäus

Bei der Kinderkirche
Als Pascal noch in den Kindergarten ging, habe ich das Spiel schon gespielt. Immer freitags war Kinderkirche und auf dem Nachhauseweg erzählte  mir Pascal die Geschichte, die sie gehört hatten. Ich riet dann immer, um welche Geschichte es sich gehandelt hat. Zu Hause nahmen wir die Kinderbibel und ich las sie ihm noch mal vor. Es machte uns beiden einen riesigen Spaß. Auch heute noch machen wir das. Zugegeben, da Pascal inzwischen in die dritte Klasse geht, ist es nicht mehr so schwierig, aber Spaß macht es noch immer. Vielleicht haben Sie ja auch Lust einmal mit zu raten. Mit dem Anreiz, er könne die Geschichte auf meinem Laptop schreiben, war er gleich ganz begeistert und schrieb los:

Pascal am Laptop

„Ich geh wie jedesmal in die Kinderkirche und mein Freund ging zum ersten mal mit.

Holger hat uns ein Geschichte vorgelesen.
Sie handelte von einem Stadtwächter, der hat zu viel Geld abgenommen, als er eigentlich durfte.
Deswegen mag niemand den Stadtwächter. Und als Jesus in die Stadt gekommen war,
ließen die Menschen den Stadtwächter natürlich nicht zu Jesus durch. Deshalb ist er auf einen Baum geklettert. Dort hat Jesus ihn entdeckt. Er hat zu ihm gesagt: „Ich möchte bei dir Abendessen.“
Da hat sich der Stadtwächter gefreut und er hat bei sich aufgeräumt. Als Jesus bei ihm angekommen war, hatte er alles erzählt was er so gemacht und die anderen auch gemacht haben. Beim Erzählen ist ihm was aufgefallen. Nämlich, dass er ungerecht war und deswegen hat er das Geld  zurückgegeben und eine Entschädigung auch.

Pascal Lehmitz“

Na, haben Sie erraten, um welchen Herren es sich hier handelt? War doch gar nicht so schwer.

Das Bild verrät den Namen Lukas 19, 1-10


Ursprünglich geschrieben  Januar 2008
veröffentlicht im Paulusbrief

Zeit der Stille

Donnerstag, Juli 17th, 2008

Waren Sie schon einmal in unsere Kirche?

Nein, nicht im Gottesdienst, sondern einfach so mitten beim Einkaufen in der für  Sie geöffneten Kirche?

Ich mache das regelmäßig. Meistens freitags, wenn ich Einkaufen gehe. Neulich habe ich das nicht nur mit meinem jüngsten Sohn, der dies in der Karre oft verschläft, sondern auch mit meinem Sohn Pascal ( 6 ½) gemacht. Unsere Kinder gehen gerne in Kirchen, weil wir dies in fast jeder Stadt machen, die wir besuchen. Obwohl sie sehr lebhaft sind, werden sie dort immer ganz ruhig und haben inzwischen auch verstanden, dass man dort nicht durch kurze kleine Schreie die Akustik prüft.
Pascal ging sofort nach vorne, wo ein kleiner Tisch aufgebaut war, liebevoll geschmückt, mit einer Schüssel mit Sand,  in der eine Kerze brannte, daneben die Bibel und andere Bücher, die zum Lesen einluden und sagte: „Mama, ich möchte eine Kerze für Tobias anzünden, aber wo kommt denn das Geld für die Kerze rein?“. Aber schon hatte er den kleinen Kasten entdeckt und sofort zündete er an der brennenden Kerze seine Kerze für seinen Bruder Tobias an.

Pascal beim Anzünden einer Kerze

Auch wenn ich alleine bin, zünde ich eine Kerze für Tobias, unseren ersten Sohn, der bei der Geburt starb, an, bete und setze mich dann in die Bank. Dann genieße ich die Ruhe, diese wunderbare Stille und nehme mir einfach mal Zeit zum Nichtstun. Natürlich könnte ich das auch bei uns zu Hause bei einer Tasse Tee machen – wenn es tatsächlich mal ruhig wäre -, aber das ist nicht das Gleiche. Hier in der Kirche läutet kein Telefon, guckt mich keine Wäsche an, die in der Keller getragen werden will, kein Spielzeug unter dem Tisch lugt hervor, das aufgehoben werden will,…
Hier kann ich einfach nur sitzen und bekomme ein wunderbares Geschenk:

Zeit der Stille

Vielen Dank an die Ehrenamtlichen, die unsere Kirche für uns öffnen.

Ürsprünglich geschrieben 2006
veröffentlicht im Paulusbrief

Waldfriedhof, ein Ort der Besinnung und Erinnerung

Donnerstag, Juli 17th, 2008

Waldfriedhof in Buchholz

Vor Vor ein paar Wochen habe ich einen Spaziergang über den Waldfriedhof gemacht. Ein wunderschöner ruhiger Ort. Lange blieb ich vor den Kindergräber stehen. So viele liebevoll gestaltete und gepflegte Gräber.
Es ist schon verwunderlich: auf der einen Seite geht die Entwicklung immer mehr zu einer anonymen Bestattung. Keine Trauerfeier und kein Grab, das zu pflegen ist. Aber auf der anderen Seite kämpfen Eltern von still geborenen Babys, die das Mindestgewicht von 500 g nicht erreicht haben, um eine Bestattung und ein eigenes Grab, weil sie die anonyme Sammelbestattung, die oft von den Krankenhäusern vorgenommen wird, nicht möchten. Ihnen ist wichtig einen eigenen Platz für ihre Trauer zu haben, einen Ort, den sie auch gestalten dürfen.
Da ich trauernde Eltern, die ein Baby verloren haben, begleite, bin ich schon häufig mit Eltern zum Grab ihrer Kinder gegangen. Es ist immer eine sehr beeindruckende Begegnung. Die Eltern gehen ganz natürlich und selbstverständlich damit um. Sie freuen sich, daß sich jemand für ihr Kind interessiert, ihnen zuhört und sie stolz das Grab zeigen können.
Warum wollen so viele eine anonymen Bestattung? Warum scheuen so viele einen Besuch auf den Friedhof?
Vielleicht weil es nicht mehr üblich ist, mit der Familie auf den Friedhof zu gehen, um das Grab der Großeltern zu pflegen, Blumen dorthin zu bringen und eine Kerze anzuzünden? Diese Traditionen scheinen offenbar verloren gegangen zu sein und somit das Wissen, wie wichtig solche Orte der Erinnerung sein können.
Ich erinnere mich gerne daran, wie mein Vater mit uns zum Friedhof gefahren ist, um dort das Grab seiner Eltern und seines Bruders zu pflegen. Er erzählte uns dabei immer viele interessante Geschichten von ihnen. So erfuhren wir viel über unsere Großeltern und unseren Onkel, die wir nie kennen gelernt hatten. So lebten sie ein Stück weiter. Genau zu diesem Grab, wo inzwischen mein Vater und unser erster Sohn beerdigt ist, fahren auch wir regelmäßig mit unseren Jungs. Sie fahren gerne dorthin und wissen genau wo das Grab ist. Er wird erst einmal Unkraut gejätet, dann eine Blume gepflanzt und fast immer auch etwas gebasteltes dort aufgestellt. Auch ich erzähle ihnen inzwischen Geschichten, die ich selbst von meinem Vater gehört habe, Geschichten von ihrem Großvater und sie fragen auch ganz viel über ihren Bruder Tobias.
Vielleicht werden sie eines Tages diese Tradition mit ihren Kindern fortsetzen und ihnen auch die Geschichten ihrer Urgroßeltern erzählen.

 Ursprünglich geschrieben Juli 2006

Mosaik

Dienstag, Juli 15th, 2008

Steine rieseln durch meine Hand
viele kleine Stein
leuchtend bunte
dunkle unscheinbare
unendlich viele
Sie spiegeln wieder
jede Begegnung
jedes Gefühl
jede Stimmung
jede Verletzung
aber auch jede Umarmung
wir sammeln sie wie kostbare Schätze
in unseren Herzen
aus ihnen bauen wir ein Mosaik
Bilder Motive
geboren aus Erinnerungen unserer Kindheit
verfremdet durch die Wirklichkeit
fangen ein unsere Träume und Wünsche
spiegeln unser Leben wieder
in jeder Facette
bis zum letzten Tag unseres Lebens
puzzeln wir wie besessen
bis jeder Stein
so kostbar
verbraucht
jeder Stein der zu uns gehört
bis es vollendet ist
und wir ins Licht gehen
                                                                       17.02.2006

Ganz klein und unscheinbar
und doch so wichtig
voller Energie Kraft und Liebe
er lag ganz offen
und doch so versteckt
viele Jahre tief in meinen Herzen
verschlossen verborgen und verheimlicht
vor allen anderen
und vor mir selbst
genau dieser Mosaikstein
hat mir noch gefehlt
und nun passen die anderen
vieles puzzel ich neu
und es entsteht ein Bild
endlich stimmig
mit mir
meinen Gefühlen
Wünschen und Begehren
endlich angekommen
auf einem Weg
von dem ich nicht wusste
dass ich ihn gibt
von dem ich nicht wusste
dass ich ihn gehe
dabei ist er so wunderschön
dass ich ihn nie mehr missen möchte
ich bin angekommen
in meinem Herzen
ganz tief
und genieße es
                                                                         26.10.2007

Sommer und Winter

Dienstag, Juli 15th, 2008

Sommertraum

Ein Sommer voller Träume

Ein Sommer voller Träume
Kindheitserinnerungen spiegeln sich
ich hatte fast vergessen
wie ein Weizenfeld riecht
wie warmer Regen auf Asphalt
verdampft
ein Millionenheer von Zirpen
Glück, einfach nur Glück
und es ist kein Traum
                                                                             Sommer 2005

Rodeln

Wieder Kind
Der Schnee knirscht
und ab geht die Post
Hülfe Hülfe
Achtung Achtung
eiskalt bläst es in mein Gesicht
ein kleiner Hüpfer
beinahe eine Landung im Schnee
doch wir kommen zum Stehen
rote Wangen lachen mir ins Gesicht
nochmal nochmal
und ich weiß auf einen Mal
wie so ein kleiner Kerl
mich wieder zum Kind werden läßt
                                                                                                  15.03.2006

 

Versetzung gefährdet

Montag, Juli 14th, 2008

 Versetzung gefährdet

Versetzung gefährdet ist das Thema des Gottesdienstes Zwischenhalt – denn Ferien- und Zeugniszeit stehen vor der Tür.  Kennen wir das nicht fast alle selbst oder von unseren Kindern, ob groß, ob klein  – die Erwartung von weniger guten Zensuren und den damit verbundenen Sorgen?

Mutig stellt sich Ann-Kathrin Kahle – eine „Elft-Klässlerin“, die eine Klasse wiederholt hat, den Fragen von Pastor Michael Wabbel. Beeindruckend offen erzählt sie, wie es ihr als Wiederholerin ergangen ist und zeigt, dass auch so was kein Weltzusammenbruch ist, sondern eine neue Chance eröffnet, die sie offenbar wahrgenommen hat.

Der zweiter Interviewpartner erzählt, ebenso mutig, er sei drei mal von der Schule geflogen, aber seine Eltern haben gleichwohl zu ihm gehalten und auf ihn vertraut, so dass er letztendlich doch noch eine glänzende Karriere machen konnte.

Bewusst wurde uns Zuhörern, wie wichtig es für Betroffene ist, bei allem Zeugnis-Missmut doch Verständnis zu spüren, sich geborgen zu fühlen, um mit neuem Mut wieder eine Schul- oder Lebens-Runde weiterzukommen.

Wie immer spielt die Zwischenhaltband Lieder deren Musik und Texte unter die haut gehen. Besonders berührt hat mich das Lied Zeugnistag , in welchen Reinhard May erzählt, wie seine Eltern trotz seiner Unterschriftsfälschung ihn nicht allein ließen.

Ich denke, ich muß so zwölf Jahre alt gewesen sein, und wieder einmal war es Zeugnistag. Nur diesmal, dacht‘ ich, bricht das Schulhaus samt Dachgestühl ein, als meines weiß und häßlich vor mir lag. Dabei war’n meine Hoffnungen keineswegs hochgeschraubt, ich war ein fauler Hund und obendrein höchst eigenwillig, doch trotzdem hätte ich nie geglaubt, so ein totaler Versager zu sein.

So, jetzt ist es passiert, dacht‘ ich mir. jetzt ist alles aus, nicht einmal eine 4 in Religion. Oh Mann, mal diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus, sondern allenfalls zur Fremdenlegion. Ich zeigt‘ es meinen Eltern nicht und unterschrieb für sie, schön bunt, säh nicht schlecht aus, ohne zu prahl’n! Ich war vielleicht ’ne Niete in Deutsch und Biologie, dafür konnt‘ ich schon immer ganz gut mal’n!

Der Zauber kam natürlich schon am nächsten Morgen raus, die Fälschung war wohl doch nicht so geschickt. Der Rektor kam, holte mich schnaubend aus der Klasse raus, so stand ich da, allein, stumm und geknickt. Dann ließ er meine Eltern kommen, lehnte sich zurück, voll Selbstgerechtigkeit genoss er schon die Maulschellen für den Betrüger, das mißrat’ne Stuck, diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn.

Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an und sagte ruhig: „Was mich anbetrifft, so gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran, das ist tatsächlich meine Unterschrift.“ Auch meine Mutter sagte. ja, das sei ihr Namenszug, gekritzelt zwar, doch müsse man versteh’n, daß sie vorher zwei große, schwere Einkaufstaschen trug, dann sagte sie: „Komm, Junge, laß‘ uns geh’n.“

Ich hab‘ noch manches lange Jahr auf Schulbänken verlor’n und lernte widerspruchslos vor mich hin Namen, Tabellen, Theorien von hinten und von vorn, daß ich dabei nicht ganz verblödet bin! Nur eine Lektion hat sich in den Jahr’n herausgesiebt, die eine nur aus dem Haufen Ballast: Wie gut es tut, zu wissen. daß dir jemand Zuflucht gibt. Ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!

Ich weiß nicht, ob es rechtens war, daß meine Eltern mich da rausholten, und wo bleibt die Moral? Die Schlauen diskutieren. die Besserwisser streiten sich, ich weiß es nicht, es ist mir auch egal. Ich weiß nur eins, ich wünsche allen Kindern auf der Welt, und nicht zuletzt natürlich dir, mein Kind, wenn’s brenzlig wird, wenn’s schiefgeht, wenn die Welt zusammenfällt, Eltern, die aus diesem Holze sind, Eltern, die aus diesem Holz geschnitten sind!

Pastor Wabbel erzählt uns dazu passend in zeitgemäßem Wortlaut das Gleichnis vom verloren gegangenen Sohn.

Wir nehmen etwas aus diesem besonderen Gottesdienst mit – eine kleine Mischung aus Mut, Verständnis und Wärme für andere und auch für uns.

Ursprünglich geschrieben August 2006
veröffentlicht im  Paulusbrief

Sternstunden

Montag, Juli 14th, 2008

Meine persönliche Sternstunde

Heute Abend war ich mal wieder zu einem der besonderen Abendgottesdienste in unserer Gemeinde – ich hatte glaube ich schon mal hier davon berichtet. Es spielt dort immer eine Band, es gibt Interviews und eine besondere Aktion. Eigentlich hatte ich ja gar keine Zeit…Elias wird morgen 4 Jahre alt: Geschenke muss ich noch einpacken, zwei Kuchen für den Kiga backen, eine Torte für morgen zum Kindergeburtstag, den Geburtstagskerzenzug aufbauen und die Spiele für morgen noch raussuchen…Kai erinnert mich: „ Du wolltest noch zur Kirche, oder?“. Ja, genau, da wollte ich hin, auch wenn ich wenig Zeit habe, aber das brauche ich heute Abend. Dieses Mal stecke ich nicht zurück. Ziehe mich an, setze mich auf mein Fahrrad und fahre zur Kirche…

Das Thema der Predigt war „Sternstunden“. Der Pastor fragte:“Haben auch sie eine persönliche Sternstunde in ihrem Leben gehabt, einen Augenblick in dem sie ganz eins mit sich selbst waren?“. Er erzählte weiter und meine Gedanke schweiften ab. In mir kamen sofort die Bilder nach der stillen Geburt von Tobias hoch. Ja, da war ich total eins mit mir. Ich hatte ihn im Arm und bewunderte ihn. So einen hübschen, perfekten kleinen Jungen. Das ist mein Sohn, so was wunderbares. Ich traute ihn kaum anzufassen, so berührt war ich. Der war die ganze Zeit in meinen Bauch, hat mich getreten und seine Turnübungen gemacht. Ich hatte mich auf der Stelle in ihn verliebt. Ich weiß heute nicht mehr wie lange ich ihn im Arm gehabt hatte, ich hatte alles um mich herum vergessen nichts wahrgenommen. Ja, Kai muss neben mir gesessen haben, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht mehr. Ich erinnre mich nur an Tobias und mich. „Einen Augenblick, in dem ihr Herz ganz zärtlich berührt wurde…“ höre ich wieder den Pastor. Ja, genau, Tobias hat ganz zärtlich mein Herz berührt, genauso war es…Ich schweife wieder ab, bis ich ihn zum Schluss höre:“Für die letzte Adventswoche wünsche ich ihnen eine solche Sternstunde..“. Nein, ich schüttel heftig den Kopf, nein, noch so eine Sternstunde möchte ich nicht, darauf würde ich lieber verzichten. Ich bin wieder ganz da und denke nur, hoffentlich hat mich niemand beobachtet…und lächle.
Am Ausgang schüttel ich seine Hand und sage mit einem breitem Lachen:“Tschüss Michael, eine schöne dritte Adventswoche wünsche ich Dir..:“ und fahre ganz beschwingt nach Hause.

Bis auf die Torte, die noch im Ofen ist, habe ich alles geschafft…

Ursprünglich geschrieben am 16.12.2006