Habt Ihr auch Möbel, die einen Namen haben?

Nein? Wir schon: Es gibt einen Onkel-Willi-Schrank, einen Tante-Marga-Stuhl und einen Tante-Lisa Schrank. Es sind Erbstücke mit denen wir Erinnerungen verbinden.

Der Onkel-Willi-Schrank ist eine Art Sekretär, der bei uns im Flur an der Wand hängt. Dort drauf landet die aktuelle Post und alles, was man so loswerden will, wenn man nach Hause kommt. In ihm bewahren wir Briefumschläge und vieles andere auf. Onkel Willi war der Stiefpapa von Kai, den auch ich noch ein paar Jahre kennen gelernt habe.

In dem Tante-Marga-Stuhl habe ich immer Mittagsruhe gehalten, wenn ich in den Ferien als Kind Tante Marga besucht habe. Wenn man sich zurücklehnt, dann geht das Fußteil hoch und man kann richtig liegen. Super bequem.

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Ich war damals 6 Jahre alt, als ich das erste Mal zu Tante Marga und Onkel Arnold zu Besuch kam. Ich kannte sie kaum, aber dem Versprechen, sie nehmen mich jeden Vormittag mit zum Schwimmen, konnte ich nicht widerstehen. Und daraus wurde eine ganz intensive und lange Freundschaft. Als ich 15 war haben wir beide einen Urlaub auf Baltrum verbracht und mit Kai und Pascal verbrachten wir einen Urlaub auf Wangerooge. Sie ist meine Lieblingstante, das heißt richtiger meine Lieblingsgroßtante. Ihr Mann war der Bruder des Vaters meiner Mutter. Als sie ihre Wohnung auflöste, fragte sie mich, ob ich von ihren Möbeln etwas haben wolle. Sie lachte, als ich fragte, ob der Stuhl noch da sei und das Buffet. Beides steht jetzt bei uns. Das Büffet leider nur im Keller für unser Partygeschirr.

Als ich noch ganz klein war, so 4 Jahre schätze ich, da bin ich häufiger über Nacht mal bei meiner Omi gewesen, genau gesagt, bei der Mutter von der Patentante meines Bruders, der Tante Lisa. Oft stand die Omi an ihrem Küchenschrank und schmierte mir ein Brot. Dieser Schrank bestand aus zwei Teilen, unten geschlossene Türen und oben ein Aufsatz mit einem Glasschrank. Der Schrank war weiß gestrichen und ich erinnere mich noch an die Gardienen, die in den Türen hingen. Ich konnte damals noch nicht auf die Küchenplatte gucken. 10 Jahre später halft ich Tante Lisa den Schrank abzubeizen. Das tat man damals mit einer stinkenden und beißenden Lösung, die die Farbe auflöste und mit einem Spachtel abgestrichen wurde. Danach wurden die Reste noch mit Schmirgelpapier entfernt. Eine mühsame Arbeit. Mehre Tage verbrachten wir damit. Tante Lisa sagte dann zu mir:“Wenn ich nicht mehr bin, dann bekommst Du den Schrank!“. Natürlich konnte ich mir das mit 14 kaum vorstellen. Leider brach dann der Kontakt ab und erst kurz vor ihrem Tod trafen wir uns wieder. Völlig überrascht war ich über die Nachricht, dass sie an einer Lungenentzündung gestorben sei. Wochen später bekam ich von einem Kollegen einen Brief, in dem er mir erklärte Frau Lisa Holst hätte mir den alten Küchenschrank vermacht, der nach Ansicht der Alleinerbin keinerlei Verkaufswert habe. Ich war total überrascht. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet, dass Tante Lisa ihr Versprechen tatsächlich eingehalten hatte. Kai und ich mieten uns einen Wagen und wir fuhren hin, um den Schrank abzuholen. Zunächst stand er bei uns in der Bonusstraße leider nur im Keller. Als wir aber hier nach Buchholz zogen, stellte ich ihn im Flur auf, bis ich die Idee hatte, ihn doch in unser großes Esszimmer als Spieleschrank zu stellen. Ich wusch ihn ab, schmiergelte ihn nochmals und beizte ihn Buchenfarben, um die Farbe etwas aufzufrischen.

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Und nun steht er bei uns im Esszimmer, voll über voll mit Kinderspielen. Manchmal sitze ich in Tante Margas Sessel, schaue mir den Schrank an und freue mich total. Ich habe das Gefühl Tante Lisa und Omi Guhra (wie wir sie nannten) sind dann bei mir und freuen sich genauso.

“Taxi nach Paris” und meine Erinnerung an meine Lieblingslehrin Frau Thèry

Gestern habe ich zu Weihnachten die neue CD von Michy Reincke geschenkt bekommen. Dort ist auch das Lied drauf „Taxi nach Paris“ von 1984. Sofort sah ich meine ehemalige Gemeinschaftskundeleistungskurs Lehrerin Frau Thery vor mir, wie sie damals laut singend in unseren Kurs kam. Vergnügt erzählte sie uns, dass dieser Felix de Luxe ein ehemaliger Schüler von ihr sei. Etwas Stolz lag in ihrer Stimme. Wenn ich das richtig nach gerechnet habe, bin ich zumindest ein Jahr noch mit ihm auf der Schule gewesen. Es war das Matthias Claudius Gymnasium (MCG) in Hamburg Mariental. Ein humanistisches Jungengymnasium, bis zwei Jahre bevor ich auf die Schule kam. Ich war der dritte Mädchenjahrgang. Unterrichtet wurden wir vorwiegend von ältere Lehrern, die uns Mädchen oft genug zu verstehen gaben, dass wir eigentlich auf dieser Schule nichts zu suchen hätten. Sprüche wie: „Seit Mädchen auf der Schule seien, können man von den Jungs kaum noch etwas fordern…“ oder „ Seit Mädchen auf der Schule seien, wäre das Niveau deutlich gesunken.“. Natürlich bekam ich keine 1 in Sport, weil Mädchen schließlich nicht die gleiche Leistung bringen. Wenn ich heute an einige dieser Lehrer denke, die damals noch aus einer ganz anderen Zeit stammten, dann kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Rückblickend denke ich, die Zeit auf dieser Schule bis zur Oberstufe habe ich einfach nur ertragen.

Doch dann ging für mich irgendwie die Sonne auf. Tja und diese Sonne war Frau Thery. Nicht nur dass sie zu den vielleicht Handvoll Lehrerinnen gehörte - oder vielleicht waren es in den wenigen Jahren auch schon ein paar mehr gewesen – nein, Unterricht brachte auf einen Mal Spaß. Allein schon, weil wir das Gefühl hatten, auch sie hat Spaß daran, uns etwas bei zu bringen. Zugegeben wir waren auch ein etwas besonderer Kurs: Alle sehr politisch interessiert und vor allen Dingen waren alle Parteien bzw. Richtungen vertreten. Zwei Grüne Mädchen, ein Sozi, zwei ganz Linke und zwei Konservative, die manchmal auch einen Schlag nach rechts hatten und ich vertrat damals ja noch tapfer die Liberalen. Ich habe mal meine Abibuch herausgeholt, das gab es einen Artikel „Eine Stunde GMK-Unterricht im Leben der Gisela T.“. Darin heißt es:

„Der GMK-LK des 4. Semesters freut sich, entgegen aller Erfahrungen, auf die folgenden zwei Stunden. Um die Zeit bis zur Ankunft von Frau T. zu überbrücken, singt der eine Teil die Internationale und der andere das Horst-Wessel-Lied. ….“.

Wir diskutierten dass die Wände wackelten, aber es hat alle Spaß gemacht und war im Wesentlichen sehr fair, oft aber Kabarett reif:
Nachdem die USA 1986 Libyen bombardierten, um den staatlich geförderten Terrorismus zu bekämpfen, diskutierten wir zu dem aktuellen Thema. Ein Mitschüler erklärte darauf hin:
„Reagans Anti-Terrorismus-Politik hieße auf deutsche Verhältnisse übertragen, eine Baader-Meinhof-Wohnung mit einem Tornado auszuheben.“

Ich erinnere mich an eine Stunde, da fiel Frau Thery auf, dass jeder das trug, was er sei: Die roten hatten rote T-Shirts an, die Grünen eben grüne Pullover, ich hatte irgendwas blau-gelbes an und die Konservativen trugen schwarz bzw. braun. Da lachte ich plötzlich und fragte Frau Thery, ich hätte gar nicht gewusst, dass sie zu den Königstreuen gehöre. Sie lachte ebenfalls laut und schüttelte heftig den Kopf, als sie an sich herunter sah: Sie hatte einen schwarz, weiß-roten Pullover an. Natürlich war sie alles andere als Königstreu, wohl eher grün-rot angehaucht.

Einmal ist sie mit uns in die Caféteria von Horten gegangen. Warum weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall habe ich laut es laut vorgelesen, als ich sah, dass sie für diese Stunde in das Klassenbuch „Gruppendynamik“ eingetragen hatte. Fortan wurde Frau Thery von uns genervt, wann wir denn endlich mal wieder Gruppendynamik machen.

Eines Tages kam sie mit einem nagelneuen schicken Aktenkoffer in den Unterricht. Irgendwie passte der so gar nicht zu ihr. Sie war aber sehr stolz auf ihren neuen Koffer und verteidigte ihn auf unsere Anfeindungen sehr. Als sie in der Pause kurz nach unten ging, um etwas zu holen, griff einer von uns sich den Koffer und verstellte kurzerhand die Zahlenkombination. Bis zum Ende der Stunde mussten wir waren. Endlich versuchte sie ihren Koffer zu öffnen…Wir konnten dann heraus handeln, wir geben ihr die neue Nummer und bekommen aber dafür keine Hausaufgaben auf. Unter Protest stimmte sie zu.

Bei Frau Thery durften Mädchen im Unterricht stricken, Jungen nicht. Was natürlich zunächst eine große Diskussion auslöste, dass dies nicht nur ungerecht sondern auch gegen Artikel 3 des Grundgesetzes verstoße. Sie blieb aber hart mit der Begründung, Jungen könnten sich nur auf das Stricken konzentrieren, Mädchen auf beides. Kurz vor Weihnachten strickte ich einen kleinen roten Strumpf. Sie guckte mich plötzlich völlig verdattert an und fragte:“Muss mir das jetzt etwas sagen?“. Ich verstand zunächst nicht worauf sie anspielte, da ich schließlich einen kleine Strumpf zum Verschenken an Nikolaus strickte. Bis ich begriff und zu lachen anfing. Nein, sie müsse sich keine Gedanken machen, so weit ich wüsste, sei ich nicht schwanger und hätte es im Augenblick auch nicht vor zu werden. Aber als sie einmal beiläufig von ihrem Sohn Pascal erzählte, da dachte ich:“Ja, das ist ein schöner Name, den könnte ich mir auch für meinen Sohn vorstellen.“ Und dabei blieb es auch nicht.

Rückblickend denke ich, Frau Therys Stunden waren die schönsten Schulstunden, die ich hatte. Und wenn ich „Taxi nach Paris“ höre, denke ich gerne an diese Zeit.

Konflikte

Es ist der 23. Dezember 2009, ich habe alles erledigt, was vor dem Fest noch zu erledigen war und eigentlich könnte ich mich jetzt entspannt zurücklehnen und die restliche Zeit genießen.

Die letzten Jahre habe ich das auch getan. Es genossen, mich endlich wieder auf Weihnachten freuen, es als eine wunderbares Geschenk annehmen zu können.

Und nun sitze ich hier und merke wie mich etwas immer mehr und mehr belastet. Als ich vor knapp drei Jahren beschlossen habe, als Kirchenvorsteherin in unsere Gemeinde zu arbeiten, da habe ich mich auf diese Arbeit gefreut. Ich kannte diese Gemeinde ja noch nicht so lange, aber alles was ich bisher gesehen war, empfand ich als ausgesprochen positiv, lebendig und ich habe mich gleich sehr wohlgefühlt. Natürlich war ich nicht so naiv zu glauben, hier ist alles vollkommen und gäbe keine Konflikte. Ich empfinde Konflikte auch nicht als etwas negatives, sondern meiner Meinung nach gehören sie - wie auch Krisen dazu - sich weiterzuentwickeln, neue Ding zu gestalten, eben etwas zu verändern. Wichtig ist mir nur, dass Konflikte offen, ehrlich und vor allen Dingen fair ausgetragen werden, insbesondere sie nicht an einen Menschen fest zu machen beziehungsweise sie zu personalisieren.
Auch hier war ich sicher nicht naiv und glaubte, im Kirchenvorstand gäbe es etwas anderes nicht, als einen fairer Umgang miteinander. Natürlich sind wir nicht die besseren Menschen, sondern eben Menschen. Auch die Menschen in der Bibel, die wir in vielen Dingen bewundern, hatten ihre Fehler und Schwächen. Weder der Prophet Elias, noch David können da ausgeschlossen werden. Aber irgendwie hatte ich doch gehofft, dass es bei uns im Kirchenvorstand wenigstens ein ganz klein bisschen anders ist. Doch dies habe ich leider nur gehofft.

Vielleicht liegt es auch daran, dass es sehr unterschiedlich ist, wie wir mit Konflikten umgehen. Es gibt Menschen, die reagieren sehr schnell auf Konflikte, wollen sie „austragen“. Dazu gehöre sicherlich ich. Anderen nehmen Konflikte am liebsten gar nicht war, kehren sie möglichst untern den Teppich. Unsere jeweilige Reaktion hängt sicher auch davon ab, wie wir mit der Situation und die am Konflikt beteiligten Personen einschätzen und davon, welche Bedeutung ein Konflikt für uns hat und wie viel Kraft wir in die Lösung investieren wollen oder können.

Viele sind auch der Meinung, dass man sich in der Kirche doch nicht streitet! Richtig ist, dass in der Kirche das Zulassen von Konflikten und das Umgehen mit ihnen besonders schwierig zu sein scheint, so dass die Beteiligten sich bemühen, sie zuzudecken. Wenn sie sich nicht mehr zudecken lassen, werden sie oft personalisiert. Die Lösung von Konflikten besteht dann darin, dass jemand sein Amt niederlegt oder die Stelle wechselt – also die Konfliktsituation verlässt. Die, die zurückbleiben, erhoffen sich von dem personellen Wechsel, dass „wieder Frieden einkehrt“. Doch häufig zeigt sich, dass nach einer Weile die „alten Konflikte wieder hochkommen“ – obwohl doch die Person, die man mit dem Konflikt identifiziert hatte, längst nicht mehr da ist.

Ich fürchte, dass wir in unserer Gemeinde oder besser in unserem Kirchenvorstand genau an diesem Punkt stehen und das belastet mich sehr.

23.12.2009

Das Friedenslicht von Bethlehem

Am vierten Advent bin ich wieder einmal in unseren Abendgottesdienst Zwischenhalt gegangen. Er stand unter dem Thema „Spuren des Lichts“. Als ich in die Kirche kam, da sah ich schon die kleine Laterne auf dem Altar stehen und freute mich. Ich wusste sofort, das ist bestimmt das Friedenslicht aus Bethlehem. Vor dem Altar war ein Tisch aufgebaut mit vielen kleinen Windlichtern.

Wie an fast jedem Zwischenhaltgottesdienst war die Kirche voll. Die 150 gedruckten Liederzettel waren schnell verteilt. Wir, Pascal und sein Freund Lauren, waren glücklicherweise rechtszeitig gekommen und hatten einen schönen Platz.

Während des Gottesdienstes wurde die Geschichte von dem Zündholz und der Kerze erzählt:

Die Angst der Kerze

Eines Tages kam ein Zündholz zur Kerze und sagte: “Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.”
“O nein!” erschrak da die Kerze. “Nur das nicht. Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt! Niemand mehr wird meine Schönheit bewundern!” Und sie begann zu weinen.
Das Zündholz fragte: “Aber willst du denn dein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne je gelebt zu haben?”
“Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften”, schluchzte die Kerze unsicher und voller Angst.
“Das ist schon wahr.” entgegnete das Zündholz. “Aber das ist doch auch das Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen, Licht zu sein. Was ich tun kann, ist wenig. Zünde ich dich aber nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, das Feuer zu entfachen. Du bist die Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles, was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weitertragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben.” Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: “Ich bitte dich, zünde mich an.”

Danach durfte man nach vorne kommen und sich ein Windlicht mit dem Licht aus Bethlehem holen.

Zwischenhalt

Seit dem Jahr 1986 wird von einem österreichischen Kind in der Geburtsgrotte Jesu entzündet. Von Bethlehem aus reist das Licht mit dem Flugzeug nach Wien. Dort wird es am dritten Adventswochenende in alle Orte Österreichs und in die meisten europäischen Länder gesandt.Ein Licht aus Bethlehem soll als Botschafter des Friedens durch die Länder reisen und die Geburt Jesu verkünden. Das Licht ist das weihnachtliche Symbol schlechthin. Mit dem Entzünden und Weitergeben des Friedenslichtes soll an die weihnachtliche Botschaft und an den Auftrag, den Frieden unter den Menschen zu verwirklichen, erinnert werden. Das Friedenslicht ist kein magisches Zeichen, das den Frieden herbeizaubern kann. Es soll die Menschen vielmehr an die Verpflichtung erinnern, sich für den Frieden einzusetzen. Das Friedenslicht ist ein Zeichen der Hoffnung. Es hat sich in wenigen Jahren von einer kleinen Flamme zu einem Lichtermeer ausgeweitet und leuchtet mit seiner Botschaft Millionen von Menschen.

Pascal und Lauren gingen zu Fuß nach Hause mit ihren Windlichtern. Da ich Kollektendienst hatte, fuhr ich mit meinem Licht erst einmal ins Gemeindehaus zum Zählen. Vor der Tür stand Ulrich, sein Licht war schon ausgegangen. Von meinen zwei Lichtern hatte ich wenigstens eines bis dahin gerettet und zündete die anderen beiden im Gemeindehaus wieder an. Zurück fuhr ich ganz vorsichtig mit dem Auto, besorgt, dass die Lichter umkippen und ausgehen könnten. Doch ich brachte die wertvolle Fracht sicher nach Hause. Pascal begrüßte mich sofort mit den Worten:“Brennt deines noch?“. Ihre beiden Lichter hatte der Wind ausgeblasen. Wie gut, dass ich schon so eine Grabkerze für Tobias gekauft hatte, die zündete ich an und stellte sie ins Fenster.

Licht aus Bethlehem

Zeit vier Tagen brennt das Licht nun bei uns in dieser Kerze… Total schön. Kai erzählte, dass er jeden morgen gleich ganz vorsichtig guckt, ob es noch brennt. Jede unsere Kerzen an Weihnachten wurde mit diesem Licht angezündet. Eigentlich ist es ja nur ein ganz normales Licht, aber irgendwie ein schöner Gedanke, dass es an Jesus‘ Geburtsstätte entzündet wurde und so um die Welt ging. Es wird in vielen Kirchen und Familien über die Weihnachtstag brennen.

Als ich Heiligabend – zum ersten Mal alleine mit Pascal – zu Tobias auf den Friedhof gefahren bin, nahmen wir es natürlich mit.

Tobias Grab Weihnachten 2008

Für mich ist es schön zu wissen, dass am Heiligabend auf dem Grab ein Licht brennt und nun sogar das Bethlehemlicht, so wie bei uns zu Hause. Ein total schöner Gedanke.

„Hinter dem Vorhang“.

Gestern war der besondere Gottesdienst Zwischenhalt zum Thema „Hinter dem Vorhang“. Am Nachmittag war ich dann doch schon recht aufgeregt, auch wenn die Fragen vorher in einem sehr netten Gespräch mit dem Pastor abgesprochen waren. Aber es ist lange her, dass ich so öffentlich Tobias Geschichte erzählte habe und über meine Trauer berichtete.
Ich war etwas früher da und Michael und die anderen aus dem Team begrüßten mich ganz herzlich. Der Gottesdienst begann wie immer mit einem Lied der Band.

Zwischenhaltband

Gestern: „Über den Horizont“ von Udo Lindenberg mit der Zeile

Hinterm Horizont geht´s weiter
ein neuer Tag
hinterm Horizont ,immer weiter
zusammen sind wir stark

Dann gab es eine Begrüßung und Einführung ins Thema. Und das erste gemeinsame Lied wurde gesungen: „Meine Zeit steht in Deinen Händen

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gibt mir ein festes Herz, mach es fest in dir.
Sorgen quälen und werden mir zu groß.
Mutlos frag ich: Was wird morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
Vater, du wirst bei mir sein.
Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb
nehmen mich gefangen, jagen mich.
Herr, ich rufe: Komm und mach mich frei!
Führe du mich Schritt für Schritt.
Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn.
Hilflos seh ich, wie die Zeit verrinnt.
Stunden, Tage, Jahre gehen hin,
und ich frag, wo sie geblieben sind.
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gibt mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Danach war ich dann schon dran. Interviewt hat mich mein Lieblingspastor Michael Wabbel. Wir standen vorne zusammen an so einem Bistrotisch. Ich versuche jetzt mal das Interview so aus meinem Gedächtnis widerzugeben:

Michael: Vielen Dank Pirko, dass heute Abend hier her gekommen bist. Bitte erzählen, was vor 11 Jahren Euch geschehen ist.
Pirko: Vor 11 Jahren war ich 30, hatte zwei Jahre zuvor mein Studium und Ausbildung beendet und wir beschlossen, dass es schön wäre, wenn wir jetzt ein Kind bekämen. Ich wurde auch sofort schwanger und war so überglücklich. Ende der 23 Schwangerschaftswoche bekam ich dann allerdings einen Infekt mit Streptokokken, wie sich später herausstellte. Dieser führte zu Vorzeitigen Wehen. Ich bin dann noch vom Mariahilf ganz spektakulär mit Blaulicht ins Krankenhaus Altona gebracht worden. Sie hofften noch, sie würden die Wehen zum Stillstand bekommen, leider nicht. Es kam zur Geburt und unter der Geburt starb mein Sohn Tobias. Er wurde also still geboren. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich hätte nie gedacht, dass mich etwas mal so umhauen würde, mir so den Boden unter den Füssen entziehen. Ich habe wochenlang nur geweint. Ich bin mit Tränen morgens aufgewacht und abends ins Bett gegangen.

Michael: Was hat dich nach all dem Geschehen bewogen, an die Öffentlichkeit zu gehen?
Pirko: Tod ist ein Tabuthema, aber ein noch größeres Tabu ist der Tod von Kindern, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Diesen Eltern wird oft nicht erlaubt von ihren Kinder zu sprechen. Es fällt den anderen schwer die Trauer zu verstehen, denn sie haben das Kind ja nicht gekannt. Es erwartet, dass sie schnell darüber hinwegkommen. Damals wurde von mir erwartet, dass ich das einfach wegstecke und funktioniere, ich müsse einfach wieder schwanger werden und dann sei alles in Ordnung.

Michael: Du bist sehr engagiert… Wie äußert sich heute dein Engagement?
Pirko: Relativ kurz nach den Tod von Tobias habe ich mich bei den Verwaisten Eltern engagiert, deren Website aufgebaut, für Interviews zur Verfügung gestanden, also Öffentlichkeitsarbeit gemacht, und im Vorstand mitgearbeitet. Das mache ich heute nicht mehr. Aber ich berate betroffene Eltern in rechtlicher Hinsicht zu Themen wie Mutterschutz und Namensrecht, weil es da immer wieder Schwierigkeiten gibt und ich begleite betroffene Mütter – meistens per Mailkontakt oder auch in einem Forum für Betroffene. Eine ganze Zeit, bis zur Geburt meines jüngsten Sohnes habe ich einmal die Woche mit betroffenen Müttern gechattet.

Es kommt auch vor, dass ich betroffene Mütter persönlich – per Telefon oder auch in direkten Gesprächen begleite. Eins hat mich besonders berührt: Vor zwei Jahren habe ich eine Mutter begleitet, deren Sohn die Diagnose bekam, maximal zwei Jahre alt zu werden. Er ist dann vier Monate später mit neun Monaten gestorben. Sie habe ich vor und nach dem Tod ihres Sohnes begleitet und zu ihr habe ich heute noch Kontakt, denn sie ist wieder schwanger.

Michael: Was hat damals geholfen, das Geschehene zu bewältigen?
Pirko: Das wichtigste war eine Selbsthilfegruppe der Verwaisten Eltern und ein Trauerseminar, das ich zusammen mit meinem Mann besucht habe. Dort hatte ich erstmals die Möglichkeit, mich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Ich habe dort erfahren, dass andere genauso wie ich trauern. Das es ein ganz normaler Trauerverlauf war, was mein Umfeld mir deutlich anders zu verstehen gab. Ich erfuhr, dass ich über mein totes Baby ganz genauso trauern darf, wie andere Eltern über jedes andere Kind. Das tat mir unglaublich gut.

Gerade die erste Zeit hat es mir auch gut getan zu schreiben. All meine Gefühle, meinen Schmerz und meine ganze Trauer aufzuschreiben. Erst habe ich nur Texte geschrieben und später dann auch Gedichte. Gerade wenn es mir schlecht ging, war das ein unglaubliches Ventil für mich.

Michael: Pirko Lehmitz hat übrigens eine sehr beeindruckende Website gemacht, auf der man vielen dieser Texte auch lesen kann. Sie ist leicht zu merken stillgeboren.de. Es lohnt sich, da mal raufzuschauen. Du hast auch Texte und Gedichte verfasst und Dich bereit erklärt uns heute auch ein Gedicht vorzulesen.

Pirko: Ich habe etwas überlegt, welche meiner Gedichte ich vorlesen könnte – ich habe so viele geschrieben - und dann habe ich mich entschieden, ich werde zwei lesen. Eines, was relativ kurz nach dem Tod von Tobias entstanden ist und ein zweites, das ich zwei Jahre später geschrieben habe

Plötzlich wurde es Nacht
mitten an einem schönen Sommertag
das Licht erlosch
Dunkelheit und Kälte
wo eben noch Glück und Leben
in mir
um mich herum
nur Lähmung und Schweigen
ohne Dich wage ich keinen Schritt
um nicht noch tiefer
in der Dunkelheit zu versinken
bitte führe mich aus der Finsternis
zurück ins Leben
zeige mir den Weg
damit die Sonne wieder aufgeht
ich wieder wage zu leben
ganz neu

Tränen des Herzens
sie waschen es aus
machen es rein
für die Gefühle
die wir aufheben wollen
die uns wärmen
die uns Licht geben
rein und klar

Herausgespült wird
die Wut
die Schuld
und die Angst

die Tränen schaffen Platz
für die Dankbarkeit
für die Erinnerung
und für die Liebe

Liebe in unseren Herzen

Michael: Vielen Dank Pirko.
Pirko: Darf ich noch etwas in diesem Zusammenhang ankündigen?
Michael: Ja, gerne.
Pirko: Am 14 Dezember ist der Weltgedenktag für verstorbene Kinder. An jedem zweiten Sonntag im Dezember. Dieser Tag wird auf der ganzen Welt begangen. Um 19 Uhr zündeten die Eltern für ihre verstorbenen Kinder eine Kerze an und stellen sie ins Fenster. Wenn die Lichter in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten entzündet, so dass eine Lichterwelle rund um die Welt geht. Auch ich werde das am 14. Dezember mit meinen Jungs machen.

Ich erhielt Applaus und setzte mich.

Michael kündigte das nächste Lied an – ich wusste es schon und hatte im Vorgespräch vorsichtig gefragt, ob es nach dem Interviews käme: Tears in Heaven.

Das nächste Lied ist von Eric Clapton, dessen fünfjähriger Sohn auf sehr tragische Weise ums Leben gekommen ist. Er fiel aus dem Fenster des 35 Stockes eines Hauses in Manhattan. Er hat seine Trauer in diesem Lied verarbeitet. Er stellte sich vor, wenn er ihn im Himmel wiedersehe. Eine Zeile heißt:

Ich muss stark sein und weitermachen.
Denn ich weiß,
ich gehöre (noch) nicht in den Himmel
Jenseits der Türe, da ist Frieden,
und ich weiß ganz sicher,
dass es im Himmel keine Tränen gibt
Dann spielte die Band Tears in Heaven. Total schön.

Dann gab es die „Mitmachaktion“…in dem Gottesdienst wird immer etwas vorne aufgebaut und man muss dann nach vorne gehen und kann sich dort was abholen. Wir hatten am Eingang eine kleine Träne mit Anhänger bekommen. Die sollten wir nach vorne bringen. Im Taufständer war eine Glasschüssel, die wurde von unten beleuchtet. In der dunklen Kirche leuchtet die total schön. Da sollten wir unsere Träne hineintun und uns in mehreren großen Kreisen da herum stellen. Obwohl die Kirche voll war, war es ganz ruhig dabei.

Altar mit der Tränenschüssel

Als alle Tränen gesammelt waren, erklang ein Ton von einer Klangschale. Reimer sprach denn die Worte: „Und Gott wird alle Tränen abwischen“. Wieder erklang die Klangschale. Dies wiederholte sich dreimal. dann wurden wir aufgefordert, uns eine Träne aus der Schale zu holen und die Träne eines anderen mitzunehmen. Ich hoffe, es werden wieder Bilder ins Internet gestellt. Das sah total schön aus. Normalerweise wird in diesen Gottesdiensten fotografiert, auch die Interviews, doch diesmal nicht, weil sie aufgrund des Themas das nicht angebracht fanden. Aber die Tränen sind im Anschluss fotografiert worden.

Tränen

Weltgedenktag für verstorbene Kinder am 14.12.2008

Candlelight
Jedes Jahr sterben allein in Deutschland 20.000 Kinder und junge Erwachsene, weltweit sind es um ein Vielfaches mehr. Und überall bleiben trauernde Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde zurück. Täglich wird in den einzelnen Familien dieser Kinder gedacht. Doch einmal im Jahr wollen weltweit Betroffene nicht nur ihrer eigenen Töchter, Söhne, Schwestern, Brüder, Enkel und Enkelinnen gedenken.

Jedes Jahr am 2. Sonntag im Advent stellen seit vielen Jahren Betroffene rund um die ganze Welt um 19.00 Uhr brennende Kerzen in die Fenster. Während die Kerzen in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten entzündet, so dass eine Lichterwelle 24 Stunden die ganze Welt umringt.

Jedes Licht im Fenster steht für das Wissen, dass diese Kinder das Leben erhellt haben und dass sie nie vergessen werden. Das Licht steht auch für die Hoffnung, dass die Trauer das Leben der Angehörigen nicht für immer dunkel bleiben lässt. Das Licht schlägt Brücken von einem betroffenen Menschen zum anderen, von einer Familie zur anderen, von einem Haus zum anderen, von einer Stadt zur anderen, von einem Land zum anderen. Es versichert Betroffene der Solidarität untereinander. Es wärmt ein wenig das kalt gewordenen Leben und wird sich ausbreiten, wie es ein erster Sonnenstrahl am Morgen tut.(Aus:Tätigkeitsbericht 2003 Bundesverband Verwaiste Eltern)

Als wir vor ein paar Monaten nach Buchholz gezogen sind, habe ich dennoch mir ein Herz gefaßt und beim Pastor angerufen, ob ich in seinem Gottesdienst am 11.12.05 auf den Weltgedenktag hinweisen dürfte. Er war erst etwas unsicher, sagte es mir aber zu. Da ich gleich beim Gemeindebrief mitmachte, war es auch nicht schwer dort einen entsprechenden Artikel zu plazieren. Die Pastorin, die dort mitmacht, meldete mir sehr postive Rückmeldungen auf meinen Artikel und erklärte auch gleich, sie übernehme den Gottsdienst am 11.12.05 worüber ich mich freute. Heute also saß ich mit ihr zusammem im Gottesdienst. Da es eine neue Gemeinde ist - in meiner alten hatte ich das schon zweimal gemacht - war ich aufgeregter als sonst. Als ich an der Reihe war, ging ich nach vorne und sprach folgenden Text:

“Haben Sie schon einmal beobachtet, welche Wirkung das Anzünden einer Kerze auf Sie hat? (Ich ging nach vorne zum Altar und zündete eine Kerze an) Es hat etwas ungemein beruhigendes, fast friedliches. Zur Zeit zündet jeder von uns tagtäglich eine oder auch mehrere Kerzen an. Kerzen des Adventskranzes, Kerzen der Weihnachtspyramide und am Heiligen Abend Kerzen des Weihnachtsbaumes.

Auch ich werde heute Abend wieder eine Kerze anzünden. Eine ganz besondere Kerze, die allerdings nichts mit der Adventszeit zu tun hat. Eine Kerze, die für meinen ersten Sohn Tobias brennen wird, der bei der Geburt starb. So wie viele verwaiste Eltern, denn heute ist der Weltgedenktag für verstorbene Kinder und Geschwister. Es ist sicher nicht zufällig, daß dieser Tag im Advent liegt, denn die Weihnachtszeit ist für uns verwaiste Eltern eine nicht ganz einfache Zeit: Das Fest der Familie, aber einer fehlt und wird immer fehlen. Daher ist dieser Weltgedenktag für uns so wichtig:

Jedes Jahr am 2. Sonntag im Dezember stellen Betroffene rund um die ganze Welt um 19.00 Uhr brennende Kerzen in die Fenster. Während die Kerzen in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten entzündet, so daß eine Lichterwelle 24 Stunden die ganze Welt umringt. Diese Lichterwelle zeigt den Eltern, daß sie nicht alleine sind.

Sternkinderkerze

Zusammen mit meinen anderen Söhnen werde ich daher heute Abend um 19 Uhr diese Kerze für Tobias anzünden und ins Fenster stellen. Vielleicht gibt es auch in Ihrer Familie oder Bekanntenkreis ein verstorbenes Kind, für das sie heute Abend eine Kerze anzünden.

Als der Gottesdienst zu Ende war, hörte ich hinter mir auf der Bank eine ältere Dame sagen:”Ich habe drei Kinder verloren, aber von so einem Tag habe ich noch nie gehört:” Die andere Dame drückte ihre Hände. Im Ausgang wurde ich von einer Frau aus dem Kirchenvorstand angesprochen. Sie hätte das sehr bewegt und würde gerne nächsten Samstag (dort sehen wir uns in der Kinderkirche) mit mir näher sprechen. Ich glaube, heute haben in Buchholz zumindest vier Kerzen mehr gebrannt als sonst. Und im Gedenkgottesdienst in Adendorf habe ich für die drei Kinder der älteren Dame auch drei Kerzen angezündet.

Dezember 2005

Und auch in das Leben verliebe ich mich immer wieder neu

Fühlst du Dich auch noch frisch verliebt?“, fragte mich neulich eine Freundin. Ich überlegte kurz: ja manchmal schon. Eine Woche später fand ich auf meinem Laptop einen Kasten mit Marzipanherzen und einen kleinen Liebesbrief von meinem Mann, einfach nur so. Das sind Augenblicke, wo ich wieder Herzklopfen und ein Kribbeln im Bauch habe, mich wie frisch verliebt fühle.
Ich war neugierig, ob nicht nur ich so fühle, postete in einem Forum im Internet – und hatte viel zu lesen: „Nichts mehr essen können, SEHNSÜCHTIGES Warten auf einen Brief, Küsse im Regen und deshalb Dauerschnupfen, das Gefühl, auf Wolken zu schweben, … Nein, wie frisch verliebt fühle ich mich nach fast 14 Jahren Ehe nicht mehr. Es hat sich verändert in eine Richtung des engen Zusammengehörigkeitsgefühls: tiefes Vertrauen, aufeinander Verlassenkönnen und Wohlfühlen miteinander“ (Michaela, 37).
„Ich denke, dass eine Beziehung immer mal wieder Phasen braucht, in denen man sich in seinen Partner neu verliebt. Denn der Mensch verändert sich immer wieder und somit gibt es neue Seiten zu entdecken.“ (Katharina, 25)

Ein Kind zum Verlieben. Ruben Lehmitz, das „Redaktionsbaby“

“Ja, ich bin immer mal wieder frisch verliebt. Zum einen in meinen Mann, dann finde ihn unglaublich süß, einfach nur toll. Die ersten Tage nach der Geburt einer meiner Töchter war ich stets wie betrunken vor Glück. Einfach nur verliebt in dieses frische Wesen. Und auch heute verliebe ich mich immer wieder in meine Kinder. Denke tagsüber an sie und muss schmunzeln, freue mich aufs Nachhausekommen, …Und auch in das Leben verliebe ich mich immer wieder neu. Nach einer besonders trüben Zeit scheint endlich wieder die Sonne, und alles erscheint in einem anderen Licht. Dann freue mich wie Bolle über mein Leben, genieße ich jeden Sonnenstrahl und liebe einfach alles und jeden!!!!! Viele wirre Gedanken, wahrscheinlich auch nicht wirklich etwas Brauchbares dabei. Hat aber trotzdem Spaß gemacht!“ (Heidi, 36)
Uns auch!
Mai 2007 aus dem Paulusbrief

Manchmal ist einem gar nicht Bewusst, wie wichtig einen Dinge sind

Manchmal ist einem gar nicht Bewusst, wie wichtig einen Dinge sind. So ging es mir die letzten Wochen.

Mir war schon klar, dass Tobias Geburstag mich in den Jahren immer stärker berührt, in denen er wieder auf einen Freitag fällt. Nicht so klar waren mir, wie wichtig mir in den letzten 11 Jharen bestimmte Rituale geworden waren.

Tobias hat ja am 22.August Geburstag, dass heißt oft in der Urlaubszeit oder kurz danach. Da er in Großhansdorf begraben ist, also fast 100 km von uns entfernt, fahren wir nicht so oft zum Grab. Aber wir fahren jedes Jahr auf dem Rückweg aus unserem Urlaub, den wir ja schon seit 2001 an der Ostsee verbringen, bei ihm vorbei. Im Urlaub habe ich dann immer etwas für das Grab gekauft, was ich ihm dann mitbringen, sowie einige Muscheln, und natürlich zünden wir immer einen Kerze an.
Paddingtenbär auf Tobias Grab
Dies Jahr leider nicht. Durch meinen Achillessehnenriss konnte ich nicht Auto fahren und da wir keinen 7-Sitzer mehr haben, musste ich mit der Bahnfahren. Erst als wir in Scharbeutz waren, wurde mir auf einmal klar, was das eigentlich bedeutet. Ich hatte noch nicht mal Lust, etwas dort für’s Grab zu kaufen. Ich hatte total unterschätzt, wie mir das fehlt und es ging mir nicht besonders damit.

Zu Hause angekommen, begann die „letzte“ Woche von Tobias in meinem Bauch und wie gesagt in diesem Jahr mal wieder mit den gleichen Wochentagen. Jeden Tag erinnerte ich mich an vor 11 Jahren: Seit Montag hatte ich auf einmal verstärkten Ausfluss, Mittwoch war der letzte schöne unbeschwerte Tag, Donnerstag hatte ich heftig Stress in der Kanzlei und ab Mittag fingen die Wehen an, die nicht mehr aufhörte und Freitag….

Er hat mich wieder eingeholt
der Freitag
immer wieder freitags

Ich habe eine Dauerkarte
für diesen Film
ich kenne diesen Film
jedes einzelne Bild

Ich hasse das Ende
aber ich sehe ihn jeden Freitag
den ganzen Tag
immer und immer wieder

vorher habe ich in jeden Tag gesehen
wann wird er abgesetzt?
21.11.1997

Die letzte Woche habe ich mit Kai den Film „die Queen“ gesehen. Ich wusste nicht, dass er von den Tagen nach dem Tod von Prinzessin Diana handelt, sonst hätte ich ihn mir gar nicht erst angesehen. Diana starb genau 8 Tage nach Tobias und wurde vier Tag vor ihm beerdigt. Nach Tobias Tod konnte ich es kaum ertragen Fern zu sehen, was ich kurze Zeit später für ca. ein Jahr dann auch gelassen habe. Alles was mit Dianas Tod zusammenhing habe ich sofort weggeschaltet. Ich fand es so unerträglich, dass alle immer wieder erklärten, wie schrecklich der Tod von Diana sei und wie traurig sie das mache, aber niemand trauerte um Tobias oder hatte Verständnis dafür, dass ich es tat. Dianas Beerdigung hat jeder gesehen. Über sie sprach jeder. Als ich einem Freund sagte, am Mittwoch sei die Beerdigung, erhielt ich zur Antwort:“Wer wird denn beerdigt?“!!! Und so war sie dann auch: Nur Kai und ich und unsere Mütter, die wie immer auch an diesem Tag, nicht ein Wort von Tobias sprachen, waren dabei. Klamm heimlich, als müssten wir uns dafür schämen….

Ich dachte in der letzten Woche immer, dass ich ja noch die Taufkerze für Ruben, der am Sonntag getauft wurde, basteln musste. Ich hatte sie schon viele Monate stehen, aber immer noch nicht fertig. Am Mittwochabend habe ich mich in meine Kanzlei verkrochen mit den Taufkerzen der anderen Jungs und mit meinen MP3-Player und mich an die Arbeit gemacht. Die von Gideon hatte ich damals auch selbst gemacht, die anderen beiden hatten Freunde gebastelt. Erst dachte ich, ich hätte nur einfach keine Lust, doch dann merkte ich, mir geht es schlecht dabei. Immer wieder der Gedanke, Tobias hat keine Taufkerze! Da er still geboren wurde, konnte er ja nicht mehr getauft werden. Und dann sah ich, die „Roh“-Kerze, die ich von meiner Gemeinde bekommen hatte, war in der Form und Größe wie die Geburtstagskerze von Tobias, die wir damals auf dem Trauerseminar gebastelt haben. Das war es wohl, was mich abhielt. Dann beschloss ich, die Taufkerze von Ruben genauso bunt zu machen, wie wir damals Tobias Kerze gestaltet hatten. Jeder Buchstabe in einer anderen Farbe, eine große gelbe Sonne und eine kleine Sternschnuppe, in Erinnerung an Tobias. Mir liefen fast durchgehend die Tränen, aber als sie endlich fertig war, war ich total stolz und freute mich darüber.

Rubens Taufkerze

Normalerweise hole ich Tobias Geburtstagskerze schon am Abend vorher raus und schmücke ein wenig den Tisch für seinen Geburstag. Dieses Jahr war ich abends total alle und irgendwie auch so leer. Kai machte am 22. August für uns Frühstück, die Großen waren schon in der Schule. Er hatte nicht an den Geburstag gedacht. Wir frühstückten ohne seine Kerze, ich glaube , das erste Mal. Ich weiß nicht warum, ich ließ es geschehen. Am Vormittag bekam ich Besuch, ein Ausschuss vom Kirchenvorstand tagte bei mir, und ich war abgelenkt. Dann aber ging es mir super schlecht. Ich holte die Kerze mit dem Teller heraus, setzte wie immer ein Teelicht herein und zündete sie an.

Tobias Geburstagskerze

So saß ich dann am Tisch, als mein Großer aus der Schule kam. Pascal sah die Kerze, lachte mich an und sagte:“Oh, Tobias hat heute Geburstag!“. Das tat gut, wenigstens einer, der seinen Namen aussprach…
Es war der erste Geburstag von Tobias, an dem niemand, außer mir daran gedacht hatte.

Seit Tobias ersten Geburstag, den wir damals mit vielen Freunden in unserem Garten gefeiert hatten (Für mich als Nachholung der fehlenden Trauerfeier) feiern wir jedes Jahr dieses Sommerfest. http://www.stillgeboren.de/Geschichte/Geburtstag/geburtstag.html
Manchmal aus besonderem Anlass, wie die Taufen unserer Jungs oder unseren Einzug in unser Haus. Dieses Jahr war das 10jährige Jubiläum. Da inzwischen nur noch wenige wissen, welchen Ursprung das Sommerfest hat, hatte ich mir vor zwei Jahren überlegt, am 10jährigen Jubiläum würde ich wie beim ersten mal unsere „Eisenbahn“ mit den Herzen der Sternenkinder aus unser Verwaiste Eltern Gruppe aufbauen und kurz etwas dazu schreiben.
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Da ging ich aber noch davon aus, dass Ruben ja noch im ersten Lebensjahr, also 2007 getauft wird. Doch aufgrund einer Panne mussten wir die Taufe auf dieses Jahr verschieben. Ich habe kurz überlegt, ob ich es dennoch mache, aber dann entschied ich, dass dies Rubens Tag sei und er allein die Hauptperson und so ließ ich es sein. Aber auch das fiel mir sehr schwer.

Gestern ist Ruben getauft worden. Es war ein sehr schöner Taufgottesdienst. Ich habe dort den Text mit den Engeln gelesen, der unsere Kinder beschützen soll.

Möge ein Engel hinter euch stehen,
um euch den Rücken zu stärken,
damit ihr aufrecht
und wahrhaftig leben könnt,

Möge euch ein Engel begleiten,
zu euer Rechten und zu euer Linken,
damit ihr bewahrt bleibt
vor Angriffen derer,
die es nicht gut mit euch meinen.

Möge ein Engel unter euch stehen,
um euch zu tragen,
wenn ihr keinen festen Boden
mehr unter euch spürst.

Möge ein Engel in euch sein,
um eure Tränen zu trocknen
und euer Herz
mit dem Licht der Zuversicht zu erhellen.

Möge ein Engel über euch sein,
um euch zu behüten
vor den alltäglichen Gefahren,
damit kein Unheil euer Leben bedroht.

Mögen euch alle Engel des Himmels
mit ihrem Segen erfüllen und umhüllen
an allen Tagen eueres Lebens
und in jeglicher Nacht.

Ich fand dabei den Gedanken total schön, dass wir Sternenkindereltern ganz besondere „Engel“ für unsere Folgekinder haben und das hat mich ein wenig versöhnt. Am Abend vor der Taufe hat es bei uns aus Eimer gegossen und als wir zur Kirche gingen riss es auf und wir hatten bis zum Abend das schönste Wetter. Genauso wie ich mich am Mittwochabend beim Kerzenbasteln ausgeweint hatte, hatte sich auch der Himmel ausgeweint.

Allen Kindern ein Chance

Eben habe ich die Schulbücher für meine  beiden Schuljungs bestellt. Mal eben 120  €. Dazu kommen noch pro Kind 10 € Kopierkosten und 10 € für die Klassenkasse. Das muss ich noch überweisen. Also 160 € für ein Schulhalbjahr. Die Schnellhefter und Zeichenblöcke, die ich noch besorgen muss, gar nicht mitgerechnet und schon gar nicht die Ausflüge und Klassenreisen. Und wir haben dieses Jahr Glück, kein Kind wird eingeschult, denn dann kommen noch mal Ranzen, Turnbeutel, Turnsachen und die komplette Erstausstattung inklusive Schultüte dazu.

Ich will nicht klagen. Wir können uns das leisten. Aber wie machen das Eltern , die Hartz-IV empfangen oder auch Familien, mit geringen Einkommen?

Im reichen Deutschland lebt inzwischen jedes sechste Kind in Armut. Vor 20 Jahren war es noch jedes 60. Arme Kinder müssen im Jahr 2008 im Monat mit 208 Euro auskommen. Das ist der sogenannte Hartz IV Regelsatz für Kinder. In den 208 Euro sind 86 Cent für Spielsachen und maximal 0,76 Euro für Schulsachen pro Monat enthalten. Rechnet man das auf ein Jahr um, so bekommen Arme Kinder Spielsachen für 10,32 Euro und für ihre Schulbildung billigt ihnen die Gesellschaft 9,12 Euro pro Jahr zu. Ein Unding, das nicht mehr gesteigert werden kann. Und was ist mit gesunder Ernährung? Ein 15 Jahre altes Kind, das sich ausgewogen und gesund ernähren möchte, muss täglich im Durchschnitt 4,68 Euro im Discounter oder 7,44 Euro im Supermarkt ausgeben, so das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Bei Kindern von Hartz-IV-Empfängern beträgt etwa der Tagessatz für Lebensmittel 2,57 Euro. Es gibt aber kaum eine Schule in Niedersachsen, in der eine warme Mahlzeit weniger als 2,50 Euro kostet. Diese Kindern  können nicht am Schulessen teilnehmen. Sind ausgeschlossen. Mal wieder.

In der Waldschule hier in Buchholz wurde jetzt ein Schulverein gegründet mit dem Ziel, unbürokratisch Kinder finanziell zu helfen, wenn es um Klassenreisen, Schulausflüge etc. geht. Eltern werden dort Mitglied und aus den Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Erlösen von Schulfesten soll das finanziert werden. Natürlich eine gute Idee und ich hoffe sehr, dass viele Eltern Mitglied werden. Aber im Ergebnis bedeutet dies auch, dass wieder Eltern das finanzieren, warum eigentlich?

Wieso müssen wir Eltern das alles selber zahlen? Genauso wie der Schulbesuch, sollten auch die Lernmittel und das Schulessen kostenlos sein. Für alle. Wenigstens dies sollte das reiche Deutschland seine Kinder wert sein.

www.zukunftsgestalten.de

Unter dem Motto «Allen Kindern ein Chance» hat die evangelische Landeskirche Hannover eine eigene Initiative gegen Kinderarmut gestartet.  Sie unterstützt lokale Projekte zur Armutsbekämpfung mit insgesamt einer Million Euro. Im Rahmen der Initiative verdoppelt die Landeskirche jeden Euro, den lokale kirchliche Projekte zur Armutsbekämpfung sammeln oder aufbringen. «Wir wollen beispielhaft handeln und zugleich ein Signal für eine notwendige politische Initiative setzen», betonte die Landesbischöfin Margot Käßmann. Mehr hierzu unter www.zukunftsgestalten.de.

Unser Kennenlerntag

Heute ist unser Kennenlerntag und ich glaube, ich verbringe ihn das erste Mal seit 23 Jahren allein, weil Kai in Indien auf Dienstreise ist.

Eigentlich ist es ja auch gar nicht heute der Tag, an dem wir uns kennen gelernt haben. Zwei Tage zuvor haben wir uns das erste Mal gesehen. Ich wollte an dem Abend mit einem Klassenkamerad auf den Hamburger Dom gehen. Wir waren bereist verabredet, doch dann meinte er, er hätte ganz den Arbeitskreis Kommunalpolitik vergessen. Aber ich könnte ja mitkommen. Zuerst dachte ich, ich spinne,  was soll ich denn da? Aber Jürgen grinste nur und erklärte, das sei immer super lustig, ich soll mal mitkommen, was ich dann auch tat. Wenn ich mich richtig erinnere wurde an dem Abend über Kommunalpolitik nicht gesprochen. Wir gingen in die Wohnung des damaligen Kreisvorsitzenden der JU und dort wurde gemeiert, so hieß das doch (grübel)? Ein Art Würfelspiel. Kai, der tatsächlich Gin mit Tonic trank  - es roch nach Spülwasser- riskierte  ab und an ein Blick zu mir. Ich guckte mir seine Wohnzimmer an, ein großer Schreibtisch, eine Couch, Sessel Tisch und viele, viele Borde mit Büchern. Es war merkwürdig, ein Gedanken durchzuckte mich völlig unvermittelt. Hier wirst du viel Zeit verbringen und dich wohlfühlen.
Da Jürgen zwei Tage später Geburstag hatte und ich immer noch kein Geschenkt für ihn wusste, fragte ich Kai, ob er mir da nicht helfen könne. Klar, das sei überhaupt kein Problem, er wüsste was. Kai holte einen Zettel und schrieb etwas darauf. Guckte immer wieder zu mir hoch und schrieb und schrieb. Ich dachte, was schreibt der denn nur, dass muss doch mehr sein, als ein Tipp für ein Geschenk. Dann nahm er den Zettel, zerknüllte ihn und fing wieder von vorne an. Dann faltet er ihn und gab ihn mir. Ich nahm ihn so und steckte ihn ein.
Zu Hause holte ich ganz neugierig den Zettel heraus, faltete ihn gspannt wie ein Flitzebogen auseinander und las: „The dark site of the moon, von Pink Floyd“. Mehr nicht. „Klasse!“, dachte ich. Nahm den Zettel zerknüllte ihn und warf ihn in die Ecke. So ein Idiot!

Am Geburtstag von Jürgen, also heute, sahen wir uns dann wieder. Als ich kam, spielte Kai am Comodore C 64 Tennis. Ich stellte mich dahinter. Kai schaute kurz hoch, sah mich und ich bekam ein Lächeln. Dann spielte er weiter gegen seinen Bruder. Ein paar Minuten wartete ich, dann war mir das  zu blöd und ich ging in die Küche. Was man von Männer ja nicht immer erwarten kann, aber er hatte mein Gehen bemerkt und sofort aufgehört zu spielen, um mir zu folgen. Da hatte er aber noch gerade mal die Kurve gekriegt. Etwas später am Abend haben wir uns das erste Mal geküsst.
Später hat Kai mir gebeichtet, dass er tatsächlich auf den ersten Zettel geschrieben habe, er möchte mich gerne wiedersehen. Dann sei er jedoch zu feige gewesen und habe den Zettel lieber zerknüllt.

Blick auf dem Jungfernstieg vom  Ballindam 

Ich glaube, es war keine drei Wochen später, da standen wir auf dem  Ballindamm an der Binnenalster, es war ein wunderbare laue Sommernacht, und Kai hat mich das erste Mal gefragt, ob ich ihn heiraten möchte. Ich war total verwirrt und wich natürlich erst mal seiner Frage aus. Er erklärte, er sei sich bei mir so sicher und möchte mich unbedingt heiraten. Ich, gerade mal 18, noch nicht mal Abitur und kenne diesen Mann erst ein paar Wochen. Nein, das ginge gar nicht. Ein halbes Jahr später haben wir uns zum Entsetzen aller, verlobt. Sechs Jahre später haben wir geheiratet.

Früher haben wir unseren Kennenlerntag immer richtig gefeiert. Die ersten Jahre habe ich für uns etwas schönes gekocht, etwas ganz besonderes. Essen zu gehen, das konnten wir uns nicht leisten. Später sind wir dann natürlich auch Essen gegangen. Das letzte Mal war 1997. Ich war mit Tobias schwanger in der 19. Woche und an dem Tag war die letzte große Ultraschalluntersuchung. Ich war so glücklich und genoss den Tag. Wir waren in Neustadt an der Ostsee. Es war ein total schöner Tag.

Die nächsten zwei Jahre war uns dann auch nicht zum Feiern zu mute und schon gar diesen Tag. Irgendwann haben wir auch das wieder gekonnt, wenn auch ganz zaghaft. Bei einer schönen Flasche Wein saßen wir zusammen. Wenn ich mir jetzt etwas wünschen dürfte, so würde ich mir wünschen, den nächsten Kennenlerntag in Hamburg zu verbringen. Nachmittags bummeln zu gehen, am Alsterfleet etwas Essen, danach einen Dammertörn mit einem Alsterschiff, um dann am Ballindamm Dir zu sagen, dass ich dumme Nuss auch damals gleich hätte ja sagen können.

Ach, natürlich bin ich heute nicht alleine. Nein, denn unsere vier kleinen Männer schlafen oben, hoffentlich!