“Pirko, Du kannst Dir nicht vorstellen, was mir letzte Woche auf dem Konzert von Olly Murs passiert ist, es war ganz schrecklich!”, sagte mir meine Freundin Janina (34). “Und was war so schrecklich?”, fragte ich. Sie erklärte: “Ich bin ja bei solchen Konzerten immer zeitig dort. Da standen die ganzen Teenies, so zwischen 12 und 14 Jahre alt am Eingang und unterhielten sich über Hausaufgaben, Lehrer, Zahnspangen und Ausgehzeiten! Gut, das war schon klar, dass dort viele Jüngere (mit ihren Eltern) ins Konzert gehen, aber dann kam doch tatsächlich so ein Mädchen auf mich zu und fragte mich : > Entschuldigen SIE (!!!), können SIE bitte sagen, dass SIE meine MUTTER sind, damit ich länger auf dem Konzert bleiben kann?“ Ich hätte der am liebsten einen geknallt!< Das war zugegeben hart und sie ahnte: Sie ist alt! Aber woran erkennt man, dass man alt wird? Bis zu einem gewissen Alter nimmt jeder es wahr, wir fiebern gerade drauf zu: Endlich alt genug, um in den Kindergarten oder die Schule gehen zu dürfen, dann in die Disco. Endlich 16 und ich darf Wein trinken, endlich 18 um Führerschein zu machen, zu wählen und sein eigenen Lebens zu führen. Tja und dann wird es uninteressant. Irgendwann bleibt man stehen, nimmt nicht mehr wahr, dass man älter wird. Warum auch? Das erste Mal, dass ich fühlte, ich werde älter, war, als ich nicht mehr die Top Ten der Charts kannte. Okay, jetzt ist es soweit, dachte ich. Lehrer sind auch ein gutes Beispiel: Lehrer sind immer älter als man selbst, zumindest als Schüler. So muss es sein. Dann war ich auf einem Geburtstag einer Freundin, einige ihrer Freunde waren Lehrer. Oh, Lehrer sind plötzlich genauso alt wie ich. Das war schon ein komisches Gefühl, bis mein zweitältester Sohn eingeschult wurde …seine Klassenlehrerin war jünger als ich und dann einige Jahre später dachte ich, dass ein langjähriger Lehrer ein Referendar wäre. Gut…ich werde alt! Vor drei Jahren war ich mal wieder an der Uni, hörte mir eine Vorlesung an. Boa, was sich da an der Uni inzwischen getan hatte: Professoren mit Powerpoint-Präsentation und nicht mehr mit unleserlichen Schmierereien auf einem Overheadprojektor. Ich war ganz begeistert. Doch der Rest war schnell vertraut, als wenn ich gerade erst von der Uni war…bis eine Studentin sich zu mir rüber beugte und fragte: ”Entschuldigen SIE, können Sie mir einen Stift leihen?”. Sie hatte mich doch tatsächlich gesiezt! Das tat schon weh…an der Uni gesiezt zu werden. Doch dann kam es noch schlimmer: Ich war mit meiner Basketballmannschaft zusammen...nach dem Training auf ein Bierchen. Sie bestand aus Spielerinnen zwischen 18 und 39 Jahre. Ich war inzwischen die Älteste. Eine Mitspielerin erzählte, dass sie nächste Woche Führerscheinprüfung habe. Da holte die andere ganz stolz ihren Führerschein raus, zu meinem Erstaunen, eine kleine Scheckkarte. Hätte ich doch bloß meinen Mund gehalten: ”Wie!? Sieht so jetzt ein Führerschein aus? Gibt doch mal her! Wie lustig!”. Die beiden guckten mich mit großen Augen an. Dann erklärte unser Trainer, um einiges jünger als ich, ganz souverän:” Ein richtiger Führerschein sieht so aus!” und holte seinen rosa Führerschein heraus, der etwa halb so groß war wie eine Postkarte. Ich konnte nicht anders und lachte ihn aus: ”Arik, weißt du überhaupt, woher das Wort Lappen kommt?” Ich holte meinen großen, grauen Führerschein von 1985 raus.

Man achte darauf, dass oben noch „Fräulein“ steht!
“Wie das ist Dein Führerschein? Zeig doch mal!”. Mit diesen Worten wurde er mir von meinen Mitspielerin aus der Hand genommen. Es ließ sich nicht mehr ändern. Natürlich ein Gelächter über das uralte Bild von mir, was aber noch nicht das Schlimmste war. Als er bei der 18jährigen wieder angelangt war, schaute sie ihn sich genauer an: ”So lange hast Du schon Deinen Führerschein? Da war ich ja noch nicht einmal geboren!”. Damit beendete ich die inzwischen peinliche Situation und steckte meinen Lappen schnell wieder ein.
Da wusste ich, okay, ich bin alt!