Als meine Freundin hörte, dass ich in Jenfeld aufgewachsen bin, schickte sie mir das Lied Jenfeldmädchen von Jochen Diestelmeyer. Ein total schönes Lied, was sofort eine Menge Erinnerungen in mir hervorrief.
Mit sechs Jahren sind wir von der Rothenbaumchaussee in Harvestehude einer der teuren und angesehenen Stadtteile von Hamburg nach Jenfeld in einem Reihenhaus gezogen. Jenfeld dagegen war schon damals der Stadtteil von Hamburg mit den meisten Sozialhilfeempfängern (so hießen sie damals. Als Kind wird einem dieser Unterschied so gar nicht bewusst. Für mich war es total schön, ein großes Haus mit einem eigenem Zimmer, Garten und vor allen Dingen viele Kinder und direkt neben dem Haus viel Natur zum Spielen. Neben unserem Haus floss ein kleiner Bach, in dem wir viel gespielt haben. Rückblickend hat mich Jenfeld sicher auch geprägt.
Das Video zeigt als erstes einen Ausschnitt aus Jenfeld und zwar genau den, wo ich aufgewachsen bin. Lustig. Vorne die Grundschule, in die ich von der 1 bis 4 gegangen bin. Der Unterricht bestand damals natürlich nur aus Frontalunterricht und ich erinnere mich, dass ich mich oft gelangweilt habe. Eines Tages musste ich ein Mädchen aus meiner Klasse ins Arztzimmer begleitet, nachdem sie mal wieder mit blauen Flecken in die Schule gekommen war. Ich habe das erst gar nicht richtig begriffen, erst viel später. Meine Klassenlehrerin hat offenbar in der Zwischenzeit das Jugendamt verständigt.
Im Video sieht man dann so Plattenbauten und mitten drin ein Hochhaus. Von diesem Hochhaus hat sich die Mutter einer anderen Mitschülerin aus dem Hochhaus gestürzt und Suizid begangen. Ich glaube die Mutter war alleinerziehend. Die Mitschülerin haben wir danach nie wieder gesehen.
Rechts oben sieht man die drei Reihen mit Häusern. Das ist die Reihenhaussiedlung in der ich aufgewachsen bin. Für Jenfeld schon fast behütet. Wenn in den Wintermonaten, als es schon dunkel war, die Kinder bei uns klingelten, hieß es immer: Kommen Pirko und Sandra raus? Sandra war unsere Schäferhündin. Wenn Sandra nicht durfte, dann durften die Kinder abends auch nicht mehr raus.
Ganz rechts kann man so eine Fläche erkennen, das ist der Bauspielplatz auf dem wir viel gebaut haben. Das war damals in den 70er ein ganz neues Projekt für den Brennpunktstadtteil Jenfeld, aber so nannte man das damals natürlich noch nicht. Am Nachmittag waren dort Sozialpädagogen, die die Kinder betreuten. Wir sind nur am Anfang dort gewesen. Irgendwann war uns das zu gewalttätig.
Dann blendet das Video um und zeigt das Einkaufzentrum, das damals neu entstanden ist und bei dessen Einweihung ich Blockflöte gespielt habe. Lustig so was vergisst man wohl nicht. Dahinter sieht man einen kleinen Turm, das ist die Kirche, in der ich konfirmiert wurde und in der Kai und ich geheiratet haben.
Rückblickend war es eine schöne Kindheit, aber ich bin froh, dass meine Kinder dort jetzt nicht aufwachsen müssen.