Es ist der 23. Dezember 2009, ich habe alles erledigt, was vor dem Fest noch zu erledigen war und eigentlich könnte ich mich jetzt entspannt zurücklehnen und die restliche Zeit genießen.
Die letzten Jahre habe ich das auch getan. Es genossen, mich endlich wieder auf Weihnachten freuen, es als eine wunderbares Geschenk annehmen zu können.
Und nun sitze ich hier und merke wie mich etwas immer mehr und mehr belastet. Als ich vor knapp drei Jahren beschlossen habe, als Kirchenvorsteherin in unsere Gemeinde zu arbeiten, da habe ich mich auf diese Arbeit gefreut. Ich kannte diese Gemeinde ja noch nicht so lange, aber alles was ich bisher gesehen war, empfand ich als ausgesprochen positiv, lebendig und ich habe mich gleich sehr wohlgefühlt. Natürlich war ich nicht so naiv zu glauben, hier ist alles vollkommen und gäbe keine Konflikte. Ich empfinde Konflikte auch nicht als etwas negatives, sondern meiner Meinung nach gehören sie – wie auch Krisen dazu – sich weiterzuentwickeln, neue Ding zu gestalten, eben etwas zu verändern. Wichtig ist mir nur, dass Konflikte offen, ehrlich und vor allen Dingen fair ausgetragen werden, insbesondere sie nicht an einen Menschen fest zu machen beziehungsweise sie zu personalisieren.
Auch hier war ich sicher nicht naiv und glaubte, im Kirchenvorstand gäbe es etwas anderes nicht, als einen fairer Umgang miteinander. Natürlich sind wir nicht die besseren Menschen, sondern eben Menschen. Auch die Menschen in der Bibel, die wir in vielen Dingen bewundern, hatten ihre Fehler und Schwächen. Weder der Prophet Elias, noch David können da ausgeschlossen werden. Aber irgendwie hatte ich doch gehofft, dass es bei uns im Kirchenvorstand wenigstens ein ganz klein bisschen anders ist. Doch dies habe ich leider nur gehofft.
Vielleicht liegt es auch daran, dass es sehr unterschiedlich ist, wie wir mit Konflikten umgehen. Es gibt Menschen, die reagieren sehr schnell auf Konflikte, wollen sie austragen. Dazu gehöre sicherlich ich. Anderen nehmen Konflikte am liebsten gar nicht war, kehren sie möglichst untern den Teppich. Unsere jeweilige Reaktion hängt sicher auch davon ab, wie wir mit der Situation und die am Konflikt beteiligten Personen einschätzen und davon, welche Bedeutung ein Konflikt für uns hat und wie viel Kraft wir in die Lösung investieren wollen oder können.
Viele sind auch der Meinung, dass man sich in der Kirche doch nicht streitet! Richtig ist, dass in der Kirche das Zulassen von Konflikten und das Umgehen mit ihnen besonders schwierig zu sein scheint, so dass die Beteiligten sich bemühen, sie zuzudecken. Wenn sie sich nicht mehr zudecken lassen, werden sie oft personalisiert. Die Lösung von Konflikten besteht dann darin, dass jemand sein Amt niederlegt oder die Stelle wechselt also die Konfliktsituation verlässt. Die, die zurückbleiben, erhoffen sich von dem personellen Wechsel, dass wieder Frieden einkehrt. Doch häufig zeigt sich, dass nach einer Weile die alten Konflikte wieder hochkommen obwohl doch die Person, die man mit dem Konflikt identifiziert hatte, längst nicht mehr da ist.
Ich fürchte, dass wir in unserer Gemeinde oder besser in unserem Kirchenvorstand genau an diesem Punkt stehen und das belastet mich sehr.
23.12.2009