Am vierten Advent bin ich wieder einmal in unseren Abendgottesdienst Zwischenhalt gegangen. Er stand unter dem Thema Spuren des Lichts. Als ich in die Kirche kam, da sah ich schon die kleine Laterne auf dem Altar stehen und freute mich. Ich wusste sofort, das ist bestimmt das Friedenslicht aus Bethlehem. Vor dem Altar war ein Tisch aufgebaut mit vielen kleinen Windlichtern.
Wie an fast jedem Zwischenhaltgottesdienst war die Kirche voll. Die 150 gedruckten Liederzettel waren schnell verteilt. Wir, Pascal und sein Freund Lauren, waren glücklicherweise rechtszeitig gekommen und hatten einen schönen Platz.
Während des Gottesdienstes wurde die Geschichte von dem Zündholz und der Kerze erzählt:
Die Angst der Kerze
Eines Tages kam ein Zündholz zur Kerze und sagte: „Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.“
„O nein!“ erschrak da die Kerze. „Nur das nicht. Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt! Niemand mehr wird meine Schönheit bewundern!“ Und sie begann zu weinen.
Das Zündholz fragte: „Aber willst du denn dein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne je gelebt zu haben?“
„Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften“, schluchzte die Kerze unsicher und voller Angst.
„Das ist schon wahr.“ entgegnete das Zündholz. „Aber das ist doch auch das Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen, Licht zu sein. Was ich tun kann, ist wenig. Zünde ich dich aber nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, das Feuer zu entfachen. Du bist die Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles, was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weitertragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben.“ Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: „Ich bitte dich, zünde mich an.“
Danach durfte man nach vorne kommen und sich ein Windlicht mit dem Licht aus Bethlehem holen.
Seit dem Jahr 1986 wird von einem österreichischen Kind in der Geburtsgrotte Jesu entzündet. Von Bethlehem aus reist das Licht mit dem Flugzeug nach Wien. Dort wird es am dritten Adventswochenende in alle Orte Österreichs und in die meisten europäischen Länder gesandt.Ein Licht aus Bethlehem soll als Botschafter des Friedens durch die Länder reisen und die Geburt Jesu verkünden. Das Licht ist das weihnachtliche Symbol schlechthin. Mit dem Entzünden und Weitergeben des Friedenslichtes soll an die weihnachtliche Botschaft und an den Auftrag, den Frieden unter den Menschen zu verwirklichen, erinnert werden. Das Friedenslicht ist kein magisches Zeichen, das den Frieden herbeizaubern kann. Es soll die Menschen vielmehr an die Verpflichtung erinnern, sich für den Frieden einzusetzen. Das Friedenslicht ist ein Zeichen der Hoffnung. Es hat sich in wenigen Jahren von einer kleinen Flamme zu einem Lichtermeer ausgeweitet und leuchtet mit seiner Botschaft Millionen von Menschen.
Pascal und Lauren gingen zu Fuß nach Hause mit ihren Windlichtern. Da ich Kollektendienst hatte, fuhr ich mit meinem Licht erst einmal ins Gemeindehaus zum Zählen. Vor der Tür stand Ulrich, sein Licht war schon ausgegangen. Von meinen zwei Lichtern hatte ich wenigstens eines bis dahin gerettet und zündete die anderen beiden im Gemeindehaus wieder an. Zurück fuhr ich ganz vorsichtig mit dem Auto, besorgt, dass die Lichter umkippen und ausgehen könnten. Doch ich brachte die wertvolle Fracht sicher nach Hause. Pascal begrüßte mich sofort mit den Worten:Brennt deines noch?. Ihre beiden Lichter hatte der Wind ausgeblasen. Wie gut, dass ich schon so eine Grabkerze für Tobias gekauft hatte, die zündete ich an und stellte sie ins Fenster.
Zeit vier Tagen brennt das Licht nun bei uns in dieser Kerze Total schön. Kai erzählte, dass er jeden morgen gleich ganz vorsichtig guckt, ob es noch brennt. Jede unsere Kerzen an Weihnachten wurde mit diesem Licht angezündet. Eigentlich ist es ja nur ein ganz normales Licht, aber irgendwie ein schöner Gedanke, dass es an Jesus Geburtsstätte entzündet wurde und so um die Welt ging. Es wird in vielen Kirchen und Familien über die Weihnachtstag brennen.
Als ich Heiligabend zum ersten Mal alleine mit Pascal zu Tobias auf den Friedhof gefahren bin, nahmen wir es natürlich mit.
Für mich ist es schön zu wissen, dass am Heiligabend auf dem Grab ein Licht brennt und nun sogar das Bethlehemlicht, so wie bei uns zu Hause. Ein total schöner Gedanke.


