Eben habe ich die Schulbücher für meine beiden Schuljungs bestellt. Mal eben 120 . Dazu kommen noch pro Kind 10 Kopierkosten und 10 für die Klassenkasse. Das muss ich noch überweisen. Also 160 für ein Schulhalbjahr. Die Schnellhefter und Zeichenblöcke, die ich noch besorgen muss, gar nicht mitgerechnet und schon gar nicht die Ausflüge und Klassenreisen. Und wir haben dieses Jahr Glück, kein Kind wird eingeschult, denn dann kommen noch mal Ranzen, Turnbeutel, Turnsachen und die komplette Erstausstattung inklusive Schultüte dazu.
Ich will nicht klagen. Wir können uns das leisten. Aber wie machen das Eltern , die Hartz-IV empfangen oder auch Familien, mit geringen Einkommen?
Im reichen Deutschland lebt inzwischen jedes sechste Kind in Armut. Vor 20 Jahren war es noch jedes 60. Arme Kinder müssen im Jahr 2008 im Monat mit 208 Euro auskommen. Das ist der sogenannte Hartz IV Regelsatz für Kinder. In den 208 Euro sind 86 Cent für Spielsachen und maximal 0,76 Euro für Schulsachen pro Monat enthalten. Rechnet man das auf ein Jahr um, so bekommen Arme Kinder Spielsachen für 10,32 Euro und für ihre Schulbildung billigt ihnen die Gesellschaft 9,12 Euro pro Jahr zu. Ein Unding, das nicht mehr gesteigert werden kann. Und was ist mit gesunder Ernährung? Ein 15 Jahre altes Kind, das sich ausgewogen und gesund ernähren möchte, muss täglich im Durchschnitt 4,68 Euro im Discounter oder 7,44 Euro im Supermarkt ausgeben, so das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Bei Kindern von Hartz-IV-Empfängern beträgt etwa der Tagessatz für Lebensmittel 2,57 Euro. Es gibt aber kaum eine Schule in Niedersachsen, in der eine warme Mahlzeit weniger als 2,50 Euro kostet. Diese Kindern können nicht am Schulessen teilnehmen. Sind ausgeschlossen. Mal wieder.
In der Waldschule hier in Buchholz wurde jetzt ein Schulverein gegründet mit dem Ziel, unbürokratisch Kinder finanziell zu helfen, wenn es um Klassenreisen, Schulausflüge etc. geht. Eltern werden dort Mitglied und aus den Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Erlösen von Schulfesten soll das finanziert werden. Natürlich eine gute Idee und ich hoffe sehr, dass viele Eltern Mitglied werden. Aber im Ergebnis bedeutet dies auch, dass wieder Eltern das finanzieren, warum eigentlich?
Wieso müssen wir Eltern das alles selber zahlen? Genauso wie der Schulbesuch, sollten auch die Lernmittel und das Schulessen kostenlos sein. Für alle. Wenigstens dies sollte das reiche Deutschland seine Kinder wert sein.
Unter dem Motto «Allen Kindern ein Chance» hat die evangelische Landeskirche Hannover eine eigene Initiative gegen Kinderarmut gestartet. Sie unterstützt lokale Projekte zur Armutsbekämpfung mit insgesamt einer Million Euro. Im Rahmen der Initiative verdoppelt die Landeskirche jeden Euro, den lokale kirchliche Projekte zur Armutsbekämpfung sammeln oder aufbringen. «Wir wollen beispielhaft handeln und zugleich ein Signal für eine notwendige politische Initiative setzen», betonte die Landesbischöfin Margot Käßmann. Mehr hierzu unter www.zukunftsgestalten.de.
