Author Archive

Mein erstes Fußballspiel

Sonntag, Oktober 6th, 2013

Manchmal muss man 46 Jahre alt werden, um sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Am Mittwoch habe ich mein erstes Fußballspiel. So ein richtiges Punktspiel. Wie ein kleines Kind freue ich mich darauf und bin schon mächtig aufgeregt.
Heute kaum vorstellbar, aber bis 1970 gab es vom DFB ein Spielverbot für Mädchen und Frauen. Als Begründung für das Verbot hieß es in der entsprechenden Erklärung des DFB unter anderem: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“
Als das Verbot dann endlich aufgehoben wurde, gab es keine Mädchen- bzw. Frauenmannschaften. Mir blieb nichts übrig als mit den Jungs auf dem Bolzplatz zu spielen und sie zu beneiden, das sie richtig im Verein spielen durften.
Auch in der Schule in der 7. Klasse versuchten die Lehrer mich auszuschließen und wollten nicht, dass ich mit den Jungs rausgehen und dort im Sportunterricht Fußballspiele. Zum Glück unterstützten mich meine Klassenkameraden und so durfte ich.
Irgendwann beschloss ich dann, eben Basketball zu spielen und trat dem Basketball Club Johanneum bei. In Harburg spielte ich dann einige Jahre bei Grün-Weiß bis ich die Diagnose Arthrose in den Daumen erhielt und so musste ich vor 4 Jahren aufhören.
Als ich dann die Anzeige las „Ü-30 Damen suchen Mitspielerinnen zum Kicken“ da dachte ich, dann jetzt Fußball.
Na, dann werde ich wohl am Mittwoch meinen Anstand verlieren…

Mein erstes Fußballpunktspiel
Etwas aufgeregt war ich natürlich pünktlich am Platz. Julian, unser Trainer, und Birgit fummelten am Lichtkasten herum und versuchten diesen mit einem Schlüssel zu öffnen, um das Flutlicht einschalten zu können. “Klasse”, dachte ich, “da wird doch wohl nicht mein erstes Spiel ausfallen, weil das Flutlicht nicht angemacht werden kann?”. Doch dann kam Hilfe und es ward Licht.
In der Kabine wurde ich dann mit Trikot, Hose und Stutzen versorgt. Mici, unsere Mannschaftskapitänin, gab mir dann noch eine andere, etwas größere schwarze kurze Hose mit den Worte:” Es sei denn Du möchtest die Hotpants anziehen?”. Emma konnte es sich nicht verkneifen und erwiderte:” Du Mici, Pirko kann auch Hotpants anziehen!”. He was für ein Kompliment und das von Emma, wo ich doch von ihr beim letzten Training ein “blöde Kuh” geerntet hatte und das nur, weil ich meinte, sie wäre die richtige Ersatztorhüterin, denn dann könnte sie schließlich soviel mit der Hand spielen wie sie wolle. Im letzten Spiel hatte sie als Linksaußen zweimal Hand gespielt.
Etwas amüsiert habe ich mich dann, aber nur weil ich das halt schon kannte, dass Mici mir erklärte, wenn sie hinten Ansagen macht, diese sich oft etwas schroff anhören würden, für ein “Bitte” und “würdest du” eben keine Zeit sei und ich das nicht persönlich nehmen dürfte. Viele Jahre habe ich Basketball gespielt und das oft auf einer vergleichbaren Position wie Mici. Wenn ich dann sah, dass eine Spielerin zum Schuss ansetze kam bei mir auch nur noch ein “Drauuuuuf” heraus.
Dann ging es endlich raus zum Warmmachen. Tja und da dachte ich, als ich keuchte, wie gut, dass ich sicher nicht von Anfang an spiele…Falsch gedacht…Ich spielte von Anfang an. Hinten rechts in der Verteidigung. Nun war ich doch aufgeregt. Aber gleich nach dem Anpfiff war es tatsächlich vorbei.
Als plötzlich eine gegnerische Spielerin allein in der Mitte auf das Tor zu lief, sprinte ich hin und schaffte es gerade noch mit dem Oberschenkel ihren Schuss abzuwehren. So hatte ich gleich mein erstes Andenken an das Spiel. Es zeichnete sich das Sechseck des Balles auf meiner Haut ab und bliebt dort fast drei Tage zu sehen, bis es sich verzog und dafür drum herum sich alles in leichtes grün verwandelte. Damit konnte ich zu Hause meine Männer, insbesondere Elias, stark beeindrucken.
Diese Tor habe ich vielleicht verhindern können, leider ein Tor nicht. Da hätte ich den Ball beherzt ins Torausschießen müssen, leider kam ich nur zu einem Schüsschen…Das ist sicher noch ausbaufähig.
Ein Kompliment sprechen ich mir mal durch den gegnerischen Trainer zu, der meine von mir gedeckten Spielerin anschrie, sie solle doch nicht so an mir kleben. Also ich fand eher, dass ich an ihr klebe, aber das ist natürlich Ansichtssache. Gewöhnen muss ich mich allerdings daran, dass beim Fußball offenbar auch gegnerische Trainer fremde Spielerin anfauchen, so schnauzte er Mici an, nachdem diese sich darüber beschwerte, dass eine Spielerin von ihm von hinten in die Beine gegrätscht sei und so Frauke von den Füssen geholt hatte: ”He Blondin, halt mal die Backen!”. Tja aber unser Blondi schoss ein Granatenfreischusstor…
Im Ergebnis schossen die anderen leider deutlich mehr Tore, so dass wir 1:5 verloren. Aber es hat mir riesig Spaß gemacht und ich wurde von allen super unterstützt. Das mit dem Gewinnen kommt dann halt im nächsten Spiel.

Gewonnen!!!
He, das hat mir niemand gesagt, dass ich auf Miniröcke verzichten muss, wenn ich Fußball spiele! Klar, der eine oder andere blaue Fleck bleibt nicht aus, das war mir schon bewusst und auch, dass es mehr sein würden, als beim Basketball, aber so was? Auf mein Andenken vom letzten Spiel – Ihr erinnert Euch, mein schönes Abzeichen auf dem Oberschenkel? – habe ich heute gleich ein Neues bekommen. Einen handtellergroßen Flecke, der sich neben dem alten in allen möglichen Farben zeigt. Nein, kurzer Rock geht damit gar nicht! Wie gut, dass ich bei diesen Temperaturen auch keinen anziehen möchte…

Fussball20131019zu

Aber das Wichtigste: Wir haben gewonnen!!! O:1 gegen Union. Dabei hätten wir eigentliche deutlich höher gewinnen müssen. So viele Chancen hatten wir, nur der Ball wollte einfach nicht reingehen. Das lag sicher in erste Linie daran, dass die mit Abstand beste Spielerin von Union die Torhüterin war. Doch unser Sturmduo Dodo und Caro unterstützt von Vivi gaben nicht auf.
Apropos Torhüterin…auch unsere hat richtig gut gehalten. Jetzt überlege ich gerade, ob das taktisch klug war, das zu schreiben? Dies bedeutet ja, dass es auch was zu halten gab, was wir in der Abwehr ja eigentlich hätten verhindern sollten. Aber Mici, Emma und ich haben das ganz gut hinbekommen und selbst als Mici zum Schluss mit vorne war, haben Emma und ich – mit guter Unterstützung von Ela, ein Tor verhindert.
Leider waren wir nur zu siebt und mussten damit durchspielen – ich spüren jetzt schon jeden Knochen und Muskel, morgen werde ich vor Muskelkater wahrscheinlich kein Bein vor das andere bekommen – dennoch hat es wieder richtig Spaß gemacht. Auf das nächste Spiel gegen den HSV freue ich mich schon, obwohl wir vermutlich eine riesige Packung bekommen werden.
Wer also mal zum Zugucken kommen möchte, sollte das vielleicht lieber am 10.11.2013 gegen Altona 93 um 16 Uhr machen.
Oje…jetzt habe ich schon wieder Julian, unseren Trainer, nicht erwähnt. Nicht dass er mich am Mittwoch nicht aufstellt 🙁 …nach meinem letzten Artikel hatte er so was durchblicken lassen ;-). Tja…konnte ich auch nicht, weil er während des Spiels immer auf der jeweiligen anderen Seite gecoacht hat. Viel zu weit weg von mir. Emma, die links hinten gespielt hat, hätte sich Bände schreiben können. Aber dafür, dass wir so viele Chancen ungenutzt gelassen haben, war er in der Pause sehr entspannt und meinte nur, gegen so einen Gegner gebe es kein 0:0, er wolle endlich ein Tor sehen und lieber das Risiko eingehen zu verlieren. Also sollten wir in der zweiten Halbzeit offensiver und schnell spielen. Seine Taktik ging denn auch auf, als er Mici nach vorne holte und diese das erlösende Tor schoss.
…Puh! Gerade mal noch die Kurve bekommen!” 🙂

Feierabendmahl unter dem Regenbogen

Montag, Mai 6th, 2013

Am Freitagabend habe ich dann zusammen mit Anne und Angelika und noch einigen hundert anderen einen besonderen Feierabendmahlgottesdienst gefeiert: Feierabendmahl unter dem Regenbogen auf dem Hansaplatz in St. Georg, wo überdurchschnittlich viele Homosexuelle leben. Ein schwules Paar, saß oben auf seinen Balkon und ließ eine Regenbogenflagge herunterhängen. P1050807
Abendmahlgottesdienste sind für mich immer etwas ganz besonderes. Besonders schön finde ich es immer, wenn er an Tischen gefeiert wird und man für den anderen das Brot bricht und es weitergibt genauso wie den Wein.
P1050812
Wir waren schon um 17 Uhr da zum gemeinsamen Essen und Trinken vor dem Gottesdienst. Die Tische waren einladend gedeckt und wir wurden gleich von einer jungen Frau begrüßt, die für unseren Tisch „verantwortlich“ war. Wir beide stellten gleich fest, dass wir aus dem gleichen Vorort von Hamburg kamen und sie erklärte, sie sei katholisch und wüsste nicht ganz so genau, wie das bei uns mit dem Abendmahl laufe. Zu uns setzte sich dann noch ein älteres Ehepaar aus Süddeutschland.

Dann feierten wir tatsächlich drei Stunden Gottesdienst. Mit viel Musik von der Bühne, vielen schönen Liedern zum Singen und mit berührenden und zum Nachdenken anregende Redebeiträge. Eine wirklich gelungene Predigt, die für die am Eröffnungsgottesdienst entschädigte. Ich habe geweint und gelacht. Sehr berührt haben mich die persönlichen Statements.
Jeder bekam von seinem Tischnachbarn ein Armband in Regenbogenfarben umgebunden. Meines trage ich natürlich noch und Anne und Angelika ihres sicher auch.
Den besonderen Reiz machte es auch aus, dass es keine besondere Veranstaltung für Homo-, Trans- und Intersexuelle war, sondern alle wie selbstverständlich zusammenfeierten.
Auch hier findet ihr einen „offiziellen Bericht“ sowie noch einige Bilder. http://www.kirchentag.de/aktuell-201…abendmahl.html

Abitreffen nach 26 Jahren

Montag, September 17th, 2012

Am Samstag hatten wir Abitreffen, nach 26 Jahren (zum 25. Jubiläum hatten wir es nicht geschafft). Es war total schön. Wir waren immerhin 18 ehemalige Schüler (von 48 Abiturienten – begonnen hatten wir in der 5. Klasse mit 105 (35 pro Klasse) Schüler und Schülerinnen) und zwei ehemalige Tutoren. Es waren alle gut wieder zu erkennen, keiner hatte sich so verändert. Wir haben viel erzählt und viel gelacht. Das alte Abibuch und auch mein Fotoalbum mit Bildern von unserem Surfprojekt an der Schlei, Tutantag, Tutantenausflug und natürlich Skireise in Melchsee, machten die Runde. Zwei Ehemalige, die damals kein Paar waren, hatte inzwischen geheiratet. Das Traumpaar Nr.1 aus dem Abibuch ebenfalls und hat dieses Jahr den 21. Hochzeitstag gefeiert!
Meine Lieblingslehrerin (http://pirko.familie-lehmitz.info/2010/12/25/taxi-nach-paris-und-meine-erinnerung-an-meine-lieblingslehrin-frau-thery/) war leider nicht da. Außer unserem Tutor und meinem ehemaliger Leichtathletik Lehrer, waren inzwischen alle Pensioniert. Besonders gefreut haben ich mich über meinen ehemaligen Deutschlehrer, der mich im mündlichen Abi prüfte und von dem meine meisterzählte Lieblingsanekdote handelte. Denn erstmalig konnte ich sie ihm selber erzählen. Er grinste nur.
Ich bin um 23:30 Uhr gegangen und war nicht die letzte.
Und hier mal wieder ein Erinnerungs-Lied: Wonderfull Word von Sam Cook (nicht zu verwechseln mit dem Lied von Louis Armstrong „what a wonderfull world“.


Sam Cook – What a Wonderful World – MyVideo

Wir hörten es eigentlich immer während der Abizeit. Irgendjemand hatte eine Kassette (ja, so was hatten wir damals) zusammen kopiert, auf der nur diese Lied lief immer und immer wieder.
1986 – unser Abijahrgang – wurde das Lied mit großem Erfolg wiederveröffentlicht und konnte in Deutschland für einen Monat Platz drei der Charts belegen. Im Text geht es darum, dass ein junger Mann erklärt, dass er keine Ahnung von Geschichte, Biologie usw. habe, aber dass er die Angesungene liebe.
Tja, das passte auf mich und einige andere… ich war frisch verliebt…

Kennt Ihr Stolpersteine?

Montag, Mai 28th, 2012

stolperstein.JPG Gehört hatte ich schon von dem Projekt und einiges im Fernsehen gesehen, aber als ich zur Uni über die Rothenbaumchaussee in Hamburg ging, stolperte ich tatsächlich über solche Steine und blieb erst einmal ganz fasziniert stehen. Ich las die Namen und die kurzen Beschreibungen. Im Internet http://www.stolpersteine-hamburg.de recherchierte ich dann weiter und fand zum Teil eine kurze Geschichte dazu. Seit dem gehe ich mit offenen Augen durch die Straßen und entdecke immer wieder solche Stolpersteine, die ich dann fotografiere, sofern ich eine Kamera dabei habe.

Über die Stolpersteine in der Rothenbaumchaussee bin ich dann auf die in der Johnsallee 68 gekommen, dort gibt es natürlich auch welche. Johnsallee 68 war die »Ehe¬malige Calmannsche Frauenklinik«. Nach der erzwungenen Schließung des Israelitischen Krankenhauses in St. Pauli 1939 diente das Klinikgebäude bis 1942 als Krankenhaus für die noch nicht deportierten Juden. Zu meinen Studienzeiten wurde es wurde es zuletzt von der Universität als Seminargebäude genutzt. Es wurde von uns „das kleine Rechtshaus“ genannt. Ich hatte dort glaube ich Steuerrecht und Konzernrecht gehört. Als ich dort in der Vorlesung saß, fragte ich mich, wie die Uni zu so einer großen tollen Villa calmanische.JPG stolpersteincalmann.JPGgekommen ist, die sich zwar nicht in einem super Zustand befand, die aber ahnen ließ, welche Pracht dahinter stand. Wenn ich nun daran denke, was sich dort wohl bis 1942 dort abgespielt hat. 2007/2008 erfolgten Umbau zu einem hochwertigen Mehrfamilienhaus. An die Calmannsche Frauenklinik erinnert heute nur noch eine Gedenktafel und die Stolpersteine davor.

Ein der Stolpersteine gedenkt an Dr. Hans Rosenbaum geb. 21.6.1901, am 15.7.1942 nach Theresienstadt, von dort am 16.5.1944 nach Auschwitz deportiert. Seine letzte Adresse war das Jüdische Krankenhaus in der Johnsallee 68. Seine ausführliche Geschickte kann man unter http://www.stolpersteine-hamburg.de/?&MAIN_ID=7&r_name=&r_strasse=johnsallee&r_bezirk=&r_stteil=&recherche=recherche&r_sort=Nachname_AUF&submitter=suchen&BIO_ID=27 nachlesen.

Vor der Rechtsanwaltskammer in Celle stolpersteincelle.jpg
In Buchholz gibt es natürlich keine Stolpersteine, aber in Celle direkt vor der Rechtsanwaltskammer fand ich welche, also ich dort zum Seminar war. Natürlich habe ich sie auch gleich fotografiert. Das Schicksaal von Anna Hesse kann man hier nachlesen.

So dicht wäre die Sicherheit gewesen
Als ich im November 2011 mit Kai in Konstanz zum Betriebsfest seiner Firma war, da gingen wir am Samstag in Konstanz spazieren und ich wollte gerne nach Kreuzlingen in die Schweiz. Auf den Weg dorthin stolperte ich mal wieder kurz vor der Grenze über einen Stolperstein. Sehr beeindruckt hat mich das Schicksaal von Markus Heim, weil direkt neben der Deutsch-Schweizer-Grenze (keine 50 m) wohnte. Markus Heim durfte aber nicht nach Kreuzlingen übersiedeln, wo er vor den Nazi sicher gewesen wäre, sondern floh schließlich über Frankreich in die Schweiz. stein_heim_markus.jpg />

Mal sehen, wo ich die nächsten Stolpersteine finde.

Finazamt: Eine Rechtsanwältin, die wegen eines Kindes nicht vollberufstätig ist, übe dies als reine Liebhaberei aus.

Mittwoch, März 28th, 2012

finanzamt.jpg Pixelio.de

Wenn ich darf, würde ich hier gern einmal Luft ablassen, weil ich mich über eine unverschämte Entscheidung des Finanzgerichts Münster geärgert habe, das doch tatsächlich meint, eine Rechtsanwältin, die wegen eines Kindes nicht vollberufstätig ist und daher mehrere Jahre hintereinander Verluste produziert hat, übe dies als reine Liebhaberei aus.
Der Entscheidung hatte folgenden Hintergrund: Eine Rechtsanwältin, die einen kleinen Sohn zu betreuen hatte, arbeitete in ihrer Kanzlei in ihrem Wohnhaus. Über rund zehn Jahre erzielte sie mit der Kanzlei Verluste, während ihr Mann hohe Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit und auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielte. Das störte offenbar einen Finanzbeamten.
Das Finanzamt erkannte die von der Rechtsanwältin geltend gemachten Einkünfte (Verluste) aus selbständiger Arbeit nicht an. Dies begründete es damit, der Rechtsanwältin habe bei ihrer freiberuflichen Tätigkeit die Gewinnerzielungsabsicht gefehlt. Hierzu führt es aus: “Vielmehr entfällt auch bei einer Anwaltskanzlei ein für die Gewinnerzielungsabsicht sprechender Anscheinsbeweis bereits dann, wenn die ernsthafte Möglichkeit besteht, dass im konkreten Einzelfall nicht das Streben nach einem Totalgewinn, sondern persönliche Beweggründe des Steuerpflichtigen für die Fortführung des verlustbringenden Unternehmens bestimmend waren“, Finanzgericht Münster.

Super, ich hatte gar nicht gewusst, dass ich einige Jahre meine Arbeit aus reinem Spaß gemacht habe, weil ich offenbar anderen Zeitvertreib nicht hatte. Da hört man immer, wir möchten, dass auch Akademikerinnen Kinder bekommen und wenn sie dann versuchen, über die Zeit, in der sie keine ausreichende Kinderbetreuung zur Verfügung gestellt bekommen, wenigstens im Beruf aktiv bleiben wollen, da werden ihnen Knüppel zwischen die Beine geworfen…

Wenn man sich in meinem Beruf für Kinder entscheidet, bleibt einem oft nichts anderes übrig, als sich selbstständig zu machen. Krippen- sowie Ganztagskindergartenplätze mit entsprechenden Öffnungszeiten sind so gut wie nicht verfügbar. Eine Halbtagsanstellung ist in diesem Bereich nicht erwünscht und wird einem nicht ermöglicht, musste ich selbst erfahren und stehe damit nicht allein.
Da man unter diesen Voraussetzungen auch nicht als Selbständige voll arbeiten kann und natürlich sich erst einmal Mandate noch aufbauen muss, ist es selbstverständlich, Verlust zu produziert, selbst wenn man nur das äußerste investiert: Berufshaftpflicht, Kammerbeitrag, eine juristische Zeitschrift, ein bis zwei aktuelle Kommentare, PC, Drucker und Büro im eigenem Haus. Um mehr ging es in dem entschiedenen Fall auch nicht. Das Ziel ist natürlich, weil man als Akademikerin oder Fachkraft es sich nicht erlauben kann, länger aus dem Beruf zu gehen, im Beruf zu bleiben und sich etwas aufzubauen, wenn man wieder voll einsatzfähig ist. Die andere Alternative ist natürlich, das aufzugeben und sich, wenn die Kinder aus dem Haus sind arbeitslos zu melden. Dann muss einem das Jobcenter teure Aufbauschulungen oder Umschulungen bezahlen, sofern sie das machen, oder man geht in einen ungelernten Beruf. Beides erscheint mir wenig erstrebenswert.

Jenfeldmädchen

Samstag, März 24th, 2012

Als meine Freundin hörte, dass ich in Jenfeld aufgewachsen bin, schickte sie mir das Lied „Jenfeldmädchen“ von Jochen Diestelmeyer. Ein total schönes Lied, was sofort eine Menge Erinnerungen in mir hervorrief.

Mit sechs Jahren sind wir von der Rothenbaumchaussee in Harvestehude – einer der teuren und angesehenen Stadtteile von Hamburg nach Jenfeld in einem Reihenhaus gezogen. Jenfeld dagegen war schon damals der Stadtteil von Hamburg mit den meisten Sozialhilfeempfängern (so hießen sie damals. Als Kind wird einem dieser Unterschied so gar nicht bewusst. Für mich war es total schön, ein großes Haus mit einem eigenem Zimmer, Garten und vor allen Dingen viele Kinder und direkt neben dem Haus viel Natur zum Spielen. Neben unserem Haus floss ein kleiner Bach, in dem wir viel gespielt haben. Rückblickend hat mich Jenfeld sicher auch geprägt.

Das Video zeigt als erstes einen Ausschnitt aus Jenfeld und zwar genau den, wo ich aufgewachsen bin. Lustig. Vorne die Grundschule, in die ich von der 1 bis 4 gegangen bin. Der Unterricht bestand damals natürlich nur aus Frontalunterricht und ich erinnere mich, dass ich mich oft gelangweilt habe. Eines Tages musste ich ein Mädchen aus meiner Klasse ins Arztzimmer begleitet, nachdem sie mal wieder mit blauen Flecken in die Schule gekommen war. Ich habe das erst gar nicht richtig begriffen, erst viel später. Meine Klassenlehrerin hat offenbar in der Zwischenzeit das Jugendamt verständigt.

Im Video sieht man dann so Plattenbauten und mitten drin ein Hochhaus. Von diesem Hochhaus hat sich die Mutter einer anderen Mitschülerin aus dem Hochhaus gestürzt und Suizid begangen. Ich glaube die Mutter war alleinerziehend. Die Mitschülerin haben wir danach nie wieder gesehen.

Rechts oben sieht man die drei Reihen mit Häusern. Das ist die Reihenhaussiedlung in der ich aufgewachsen bin. Für Jenfeld schon fast behütet. Wenn in den Wintermonaten, als es schon dunkel war, die Kinder bei uns klingelten, hieß es immer: „Kommen Pirko und Sandra raus?“ Sandra war unsere Schäferhündin. Wenn Sandra nicht durfte, dann durften die Kinder abends auch nicht mehr raus.

Ganz rechts kann man so eine Fläche erkennen, das ist der Bauspielplatz auf dem wir viel gebaut haben. Das war damals in den 70er ein ganz neues Projekt für den „Brennpunktstadtteil Jenfeld“, aber so nannte man das damals natürlich noch nicht. Am Nachmittag waren dort Sozialpädagogen, die die Kinder betreuten. Wir sind nur am Anfang dort gewesen. Irgendwann war uns das zu gewalttätig.

Dann blendet das Video um und zeigt das Einkaufzentrum, das damals neu entstanden ist und bei dessen Einweihung ich Blockflöte gespielt habe. Lustig so was vergisst man wohl nicht. Dahinter sieht man einen kleinen Turm, das ist die Kirche, in der ich konfirmiert wurde und in der Kai und ich geheiratet haben.

Rückblickend war es eine schöne Kindheit, aber ich bin froh, dass meine Kinder dort jetzt nicht aufwachsen müssen.

Habt Ihr auch Möbel, die einen Namen haben?

Samstag, Februar 19th, 2011

Nein? Wir schon: Es gibt einen Onkel-Willi-Schrank, einen Tante-Marga-Stuhl und einen Tante-Lisa Schrank. Es sind Erbstücke mit denen wir Erinnerungen verbinden.

Der Onkel-Willi-Schrank ist eine Art Sekretär, der bei uns im Flur an der Wand hängt. Dort drauf landet die aktuelle Post und alles, was man so loswerden will, wenn man nach Hause kommt. In ihm bewahren wir Briefumschläge und vieles andere auf. Onkel Willi war der Stiefpapa von Kai, den auch ich noch ein paar Jahre kennen gelernt habe.

In dem Tante-Marga-Stuhl habe ich immer Mittagsruhe gehalten, wenn ich in den Ferien als Kind Tante Marga besucht habe. Wenn man sich zurücklehnt, dann geht das Fußteil hoch und man kann richtig liegen. Super bequem.

eliasruben201002.jpg

Ich war damals 6 Jahre alt, als ich das erste Mal zu Tante Marga und Onkel Arnold zu Besuch kam. Ich kannte sie kaum, aber dem Versprechen, sie nehmen mich jeden Vormittag mit zum Schwimmen, konnte ich nicht widerstehen. Und daraus wurde eine ganz intensive und lange Freundschaft. Als ich 15 war haben wir beide einen Urlaub auf Baltrum verbracht und mit Kai und Pascal verbrachten wir einen Urlaub auf Wangerooge. Sie ist meine Lieblingstante, das heißt richtiger meine Lieblingsgroßtante. Ihr Mann war der Bruder des Vaters meiner Mutter. Als sie ihre Wohnung auflöste, fragte sie mich, ob ich von ihren Möbeln etwas haben wolle. Sie lachte, als ich fragte, ob der Stuhl noch da sei und das Buffet. Beides steht jetzt bei uns. Das Büffet leider nur im Keller für unser Partygeschirr.

Als ich noch ganz klein war, so 4 Jahre schätze ich, da bin ich häufiger über Nacht mal bei meiner Omi gewesen, genau gesagt, bei der Mutter von der Patentante meines Bruders, der Tante Lisa. Oft stand die Omi an ihrem Küchenschrank und schmierte mir ein Brot. Dieser Schrank bestand aus zwei Teilen, unten geschlossene Türen und oben ein Aufsatz mit einem Glasschrank. Der Schrank war weiß gestrichen und ich erinnere mich noch an die Gardienen, die in den Türen hingen. Ich konnte damals noch nicht auf die Küchenplatte gucken. 10 Jahre später halft ich Tante Lisa den Schrank abzubeizen. Das tat man damals mit einer stinkenden und beißenden Lösung, die die Farbe auflöste und mit einem Spachtel abgestrichen wurde. Danach wurden die Reste noch mit Schmirgelpapier entfernt. Eine mühsame Arbeit. Mehre Tage verbrachten wir damit. Tante Lisa sagte dann zu mir:“Wenn ich nicht mehr bin, dann bekommst Du den Schrank!“. Natürlich konnte ich mir das mit 14 kaum vorstellen. Leider brach dann der Kontakt ab und erst kurz vor ihrem Tod trafen wir uns wieder. Völlig überrascht war ich über die Nachricht, dass sie an einer Lungenentzündung gestorben sei. Wochen später bekam ich von einem Kollegen einen Brief, in dem er mir erklärte Frau Lisa Holst hätte mir den alten Küchenschrank vermacht, der nach Ansicht der Alleinerbin keinerlei Verkaufswert habe. Ich war total überrascht. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet, dass Tante Lisa ihr Versprechen tatsächlich eingehalten hatte. Kai und ich mieten uns einen Wagen und wir fuhren hin, um den Schrank abzuholen. Zunächst stand er bei uns in der Bonusstraße leider nur im Keller. Als wir aber hier nach Buchholz zogen, stellte ich ihn im Flur auf, bis ich die Idee hatte, ihn doch in unser großes Esszimmer als Spieleschrank zu stellen. Ich wusch ihn ab, schmiergelte ihn nochmals und beizte ihn Buchenfarben, um die Farbe etwas aufzufrischen.

wohnzimmer2011.JPG

Und nun steht er bei uns im Esszimmer, voll über voll mit Kinderspielen. Manchmal sitze ich in Tante Margas Sessel, schaue mir den Schrank an und freue mich total. Ich habe das Gefühl Tante Lisa und Omi Guhra (wie wir sie nannten) sind dann bei mir und freuen sich genauso.

„Taxi nach Paris“ und meine Erinnerung an meine Lieblingslehrin Frau Thèry

Samstag, Dezember 25th, 2010

Gestern habe ich zu Weihnachten die neue CD von Michy Reincke geschenkt bekommen. Dort ist auch das Lied drauf „Taxi nach Paris“ von 1984. Sofort sah ich meine ehemalige Gemeinschaftskundeleistungskurs Lehrerin Frau Thery vor mir, wie sie damals laut singend in unseren Kurs kam. Vergnügt erzählte sie uns, dass dieser Felix de Luxe ein ehemaliger Schüler von ihr sei. Etwas Stolz lag in ihrer Stimme. Wenn ich das richtig nach gerechnet habe, bin ich zumindest ein Jahr noch mit ihm auf der Schule gewesen. Es war das Matthias Claudius Gymnasium (MCG) in Hamburg Mariental. Ein humanistisches Jungengymnasium, bis zwei Jahre bevor ich auf die Schule kam. Ich war der dritte Mädchenjahrgang. Unterrichtet wurden wir vorwiegend von ältere Lehrern, die uns Mädchen oft genug zu verstehen gaben, dass wir eigentlich auf dieser Schule nichts zu suchen hätten. Sprüche wie: „Seit Mädchen auf der Schule seien, können man von den Jungs kaum noch etwas fordern…“ oder „ Seit Mädchen auf der Schule seien, wäre das Niveau deutlich gesunken.“. Natürlich bekam ich keine 1 in Sport, weil Mädchen schließlich nicht die gleiche Leistung bringen. Wenn ich heute an einige dieser Lehrer denke, die damals noch aus einer ganz anderen Zeit stammten, dann kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Rückblickend denke ich, die Zeit auf dieser Schule bis zur Oberstufe habe ich einfach nur ertragen.

Doch dann ging für mich irgendwie die Sonne auf. Tja und diese Sonne war Frau Thery. Nicht nur dass sie zu den vielleicht Handvoll Lehrerinnen gehörte – oder vielleicht waren es in den wenigen Jahren auch schon ein paar mehr gewesen – nein, Unterricht brachte auf einen Mal Spaß. Allein schon, weil wir das Gefühl hatten, auch sie hat Spaß daran, uns etwas bei zu bringen. Zugegeben wir waren auch ein etwas besonderer Kurs: Alle sehr politisch interessiert und vor allen Dingen waren alle Parteien bzw. Richtungen vertreten. Zwei Grüne Mädchen, ein Sozi, zwei ganz Linke und zwei Konservative, die manchmal auch einen Schlag nach rechts hatten und ich vertrat damals ja noch tapfer die Liberalen. Ich habe mal meine Abibuch herausgeholt, das gab es einen Artikel „Eine Stunde GMK-Unterricht im Leben der Gisela T.“. Darin heißt es:

„Der GMK-LK des 4. Semesters freut sich, entgegen aller Erfahrungen, auf die folgenden zwei Stunden. Um die Zeit bis zur Ankunft von Frau T. zu überbrücken, singt der eine Teil die Internationale und der andere das Horst-Wessel-Lied. ….“.

Wir diskutierten dass die Wände wackelten, aber es hat alle Spaß gemacht und war im Wesentlichen sehr fair, oft aber Kabarett reif:
Nachdem die USA 1986 Libyen bombardierten, um den staatlich geförderten Terrorismus zu bekämpfen, diskutierten wir zu dem aktuellen Thema. Ein Mitschüler erklärte darauf hin:
„Reagans Anti-Terrorismus-Politik hieße auf deutsche Verhältnisse übertragen, eine Baader-Meinhof-Wohnung mit einem Tornado auszuheben.“

Ich erinnere mich an eine Stunde, da fiel Frau Thery auf, dass jeder das trug, was er sei: Die roten hatten rote T-Shirts an, die Grünen eben grüne Pullover, ich hatte irgendwas blau-gelbes an und die Konservativen trugen schwarz bzw. braun. Da lachte ich plötzlich und fragte Frau Thery, ich hätte gar nicht gewusst, dass sie zu den Königstreuen gehöre. Sie lachte ebenfalls laut und schüttelte heftig den Kopf, als sie an sich herunter sah: Sie hatte einen schwarz, weiß-roten Pullover an. Natürlich war sie alles andere als Königstreu, wohl eher grün-rot angehaucht.

Einmal ist sie mit uns in die Caféteria von Horten gegangen. Warum weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall habe ich laut es laut vorgelesen, als ich sah, dass sie für diese Stunde in das Klassenbuch „Gruppendynamik“ eingetragen hatte. Fortan wurde Frau Thery von uns genervt, wann wir denn endlich mal wieder Gruppendynamik machen.

Eines Tages kam sie mit einem nagelneuen schicken Aktenkoffer in den Unterricht. Irgendwie passte der so gar nicht zu ihr. Sie war aber sehr stolz auf ihren neuen Koffer und verteidigte ihn auf unsere Anfeindungen sehr. Als sie in der Pause kurz nach unten ging, um etwas zu holen, griff einer von uns sich den Koffer und verstellte kurzerhand die Zahlenkombination. Bis zum Ende der Stunde mussten wir waren. Endlich versuchte sie ihren Koffer zu öffnen…Wir konnten dann heraus handeln, wir geben ihr die neue Nummer und bekommen aber dafür keine Hausaufgaben auf. Unter Protest stimmte sie zu.

Bei Frau Thery durften Mädchen im Unterricht stricken, Jungen nicht. Was natürlich zunächst eine große Diskussion auslöste, dass dies nicht nur ungerecht sondern auch gegen Artikel 3 des Grundgesetzes verstoße. Sie blieb aber hart mit der Begründung, Jungen könnten sich nur auf das Stricken konzentrieren, Mädchen auf beides. Kurz vor Weihnachten strickte ich einen kleinen roten Strumpf. Sie guckte mich plötzlich völlig verdattert an und fragte:“Muss mir das jetzt etwas sagen?“. Ich verstand zunächst nicht worauf sie anspielte, da ich schließlich einen kleine Strumpf zum Verschenken an Nikolaus strickte. Bis ich begriff und zu lachen anfing. Nein, sie müsse sich keine Gedanken machen, so weit ich wüsste, sei ich nicht schwanger und hätte es im Augenblick auch nicht vor zu werden. Aber als sie einmal beiläufig von ihrem Sohn Pascal erzählte, da dachte ich:“Ja, das ist ein schöner Name, den könnte ich mir auch für meinen Sohn vorstellen.“ Und dabei blieb es auch nicht.

Rückblickend denke ich, Frau Therys Stunden waren die schönsten Schulstunden, die ich hatte. Und wenn ich „Taxi nach Paris“ höre, denke ich gerne an diese Zeit.

Konflikte

Samstag, Oktober 30th, 2010

Es ist der 23. Dezember 2009, ich habe alles erledigt, was vor dem Fest noch zu erledigen war und eigentlich könnte ich mich jetzt entspannt zurücklehnen und die restliche Zeit genießen.

Die letzten Jahre habe ich das auch getan. Es genossen, mich endlich wieder auf Weihnachten freuen, es als eine wunderbares Geschenk annehmen zu können.

Und nun sitze ich hier und merke wie mich etwas immer mehr und mehr belastet. Als ich vor knapp drei Jahren beschlossen habe, als Kirchenvorsteherin in unsere Gemeinde zu arbeiten, da habe ich mich auf diese Arbeit gefreut. Ich kannte diese Gemeinde ja noch nicht so lange, aber alles was ich bisher gesehen war, empfand ich als ausgesprochen positiv, lebendig und ich habe mich gleich sehr wohlgefühlt. Natürlich war ich nicht so naiv zu glauben, hier ist alles vollkommen und gäbe keine Konflikte. Ich empfinde Konflikte auch nicht als etwas negatives, sondern meiner Meinung nach gehören sie – wie auch Krisen dazu – sich weiterzuentwickeln, neue Ding zu gestalten, eben etwas zu verändern. Wichtig ist mir nur, dass Konflikte offen, ehrlich und vor allen Dingen fair ausgetragen werden, insbesondere sie nicht an einen Menschen fest zu machen beziehungsweise sie zu personalisieren.
Auch hier war ich sicher nicht naiv und glaubte, im Kirchenvorstand gäbe es etwas anderes nicht, als einen fairer Umgang miteinander. Natürlich sind wir nicht die besseren Menschen, sondern eben Menschen. Auch die Menschen in der Bibel, die wir in vielen Dingen bewundern, hatten ihre Fehler und Schwächen. Weder der Prophet Elias, noch David können da ausgeschlossen werden. Aber irgendwie hatte ich doch gehofft, dass es bei uns im Kirchenvorstand wenigstens ein ganz klein bisschen anders ist. Doch dies habe ich leider nur gehofft.

Vielleicht liegt es auch daran, dass es sehr unterschiedlich ist, wie wir mit Konflikten umgehen. Es gibt Menschen, die reagieren sehr schnell auf Konflikte, wollen sie „austragen“. Dazu gehöre sicherlich ich. Anderen nehmen Konflikte am liebsten gar nicht war, kehren sie möglichst untern den Teppich. Unsere jeweilige Reaktion hängt sicher auch davon ab, wie wir mit der Situation und die am Konflikt beteiligten Personen einschätzen und davon, welche Bedeutung ein Konflikt für uns hat und wie viel Kraft wir in die Lösung investieren wollen oder können.

Viele sind auch der Meinung, dass man sich in der Kirche doch nicht streitet! Richtig ist, dass in der Kirche das Zulassen von Konflikten und das Umgehen mit ihnen besonders schwierig zu sein scheint, so dass die Beteiligten sich bemühen, sie zuzudecken. Wenn sie sich nicht mehr zudecken lassen, werden sie oft personalisiert. Die Lösung von Konflikten besteht dann darin, dass jemand sein Amt niederlegt oder die Stelle wechselt – also die Konfliktsituation verlässt. Die, die zurückbleiben, erhoffen sich von dem personellen Wechsel, dass „wieder Frieden einkehrt“. Doch häufig zeigt sich, dass nach einer Weile die „alten Konflikte wieder hochkommen“ – obwohl doch die Person, die man mit dem Konflikt identifiziert hatte, längst nicht mehr da ist.

Ich fürchte, dass wir in unserer Gemeinde oder besser in unserem Kirchenvorstand genau an diesem Punkt stehen und das belastet mich sehr.

23.12.2009

Das Friedenslicht von Bethlehem

Donnerstag, Dezember 25th, 2008

Am vierten Advent bin ich wieder einmal in unseren Abendgottesdienst Zwischenhalt gegangen. Er stand unter dem Thema „Spuren des Lichts“. Als ich in die Kirche kam, da sah ich schon die kleine Laterne auf dem Altar stehen und freute mich. Ich wusste sofort, das ist bestimmt das Friedenslicht aus Bethlehem. Vor dem Altar war ein Tisch aufgebaut mit vielen kleinen Windlichtern.

Wie an fast jedem Zwischenhaltgottesdienst war die Kirche voll. Die 150 gedruckten Liederzettel waren schnell verteilt. Wir, Pascal und sein Freund Lauren, waren glücklicherweise rechtszeitig gekommen und hatten einen schönen Platz.

Während des Gottesdienstes wurde die Geschichte von dem Zündholz und der Kerze erzählt:

Die Angst der Kerze

Eines Tages kam ein Zündholz zur Kerze und sagte: „Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.“
„O nein!“ erschrak da die Kerze. „Nur das nicht. Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt! Niemand mehr wird meine Schönheit bewundern!“ Und sie begann zu weinen.
Das Zündholz fragte: „Aber willst du denn dein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne je gelebt zu haben?“
„Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften“, schluchzte die Kerze unsicher und voller Angst.
„Das ist schon wahr.“ entgegnete das Zündholz. „Aber das ist doch auch das Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen, Licht zu sein. Was ich tun kann, ist wenig. Zünde ich dich aber nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, das Feuer zu entfachen. Du bist die Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles, was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weitertragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben.“ Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: „Ich bitte dich, zünde mich an.“

Danach durfte man nach vorne kommen und sich ein Windlicht mit dem Licht aus Bethlehem holen.

Zwischenhalt

Seit dem Jahr 1986 wird von einem österreichischen Kind in der Geburtsgrotte Jesu entzündet. Von Bethlehem aus reist das Licht mit dem Flugzeug nach Wien. Dort wird es am dritten Adventswochenende in alle Orte Österreichs und in die meisten europäischen Länder gesandt.Ein Licht aus Bethlehem soll als Botschafter des Friedens durch die Länder reisen und die Geburt Jesu verkünden. Das Licht ist das weihnachtliche Symbol schlechthin. Mit dem Entzünden und Weitergeben des Friedenslichtes soll an die weihnachtliche Botschaft und an den Auftrag, den Frieden unter den Menschen zu verwirklichen, erinnert werden. Das Friedenslicht ist kein magisches Zeichen, das den Frieden herbeizaubern kann. Es soll die Menschen vielmehr an die Verpflichtung erinnern, sich für den Frieden einzusetzen. Das Friedenslicht ist ein Zeichen der Hoffnung. Es hat sich in wenigen Jahren von einer kleinen Flamme zu einem Lichtermeer ausgeweitet und leuchtet mit seiner Botschaft Millionen von Menschen.

Pascal und Lauren gingen zu Fuß nach Hause mit ihren Windlichtern. Da ich Kollektendienst hatte, fuhr ich mit meinem Licht erst einmal ins Gemeindehaus zum Zählen. Vor der Tür stand Ulrich, sein Licht war schon ausgegangen. Von meinen zwei Lichtern hatte ich wenigstens eines bis dahin gerettet und zündete die anderen beiden im Gemeindehaus wieder an. Zurück fuhr ich ganz vorsichtig mit dem Auto, besorgt, dass die Lichter umkippen und ausgehen könnten. Doch ich brachte die wertvolle Fracht sicher nach Hause. Pascal begrüßte mich sofort mit den Worten:“Brennt deines noch?“. Ihre beiden Lichter hatte der Wind ausgeblasen. Wie gut, dass ich schon so eine Grabkerze für Tobias gekauft hatte, die zündete ich an und stellte sie ins Fenster.

Licht aus Bethlehem

Zeit vier Tagen brennt das Licht nun bei uns in dieser Kerze… Total schön. Kai erzählte, dass er jeden morgen gleich ganz vorsichtig guckt, ob es noch brennt. Jede unsere Kerzen an Weihnachten wurde mit diesem Licht angezündet. Eigentlich ist es ja nur ein ganz normales Licht, aber irgendwie ein schöner Gedanke, dass es an Jesus‘ Geburtsstätte entzündet wurde und so um die Welt ging. Es wird in vielen Kirchen und Familien über die Weihnachtstag brennen.

Als ich Heiligabend – zum ersten Mal alleine mit Pascal – zu Tobias auf den Friedhof gefahren bin, nahmen wir es natürlich mit.

Tobias Grab Weihnachten 2008

Für mich ist es schön zu wissen, dass am Heiligabend auf dem Grab ein Licht brennt und nun sogar das Bethlehemlicht, so wie bei uns zu Hause. Ein total schöner Gedanke.