Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Pirkos Blog für Juli, 2008.
14.7.2008 von Pirko.
Am Sonntag war ich mal wieder in einer unsere Abendgottesdienste. Von einigen habe ich schon einmal berichtet. Sie sind immer etwas ganz besonderes. Er steht immer unter einem Thema,dieses Mal „gekreuzte Wege“. Es spielt eine Band, es werden Interviews geführt, man muss etwas machen und es gibt neben der Predigt auch immer eine Geschichte zum Nachdenken. Dieser Gottesdienst löst ganz oft, viele Gedanken in mir aus und deshalb möchte ich Euch heute davon erzählen:
Es wurde die folgende Geschichte erzählt:
„Meine Last ist zu schwer
Ein Mann war mit seinem Los unzufrieden und fand seine Lebenslast zu schwer.Er ging zu Gott und beklagte sich darüber, dass sein Kreuz nicht zu bewältigen sei
Gott schenkte ihm einen Traum:
Der Mann kam in einen Raum, wo verschiedene Kreuze herumlagen. Eine Stimme befahl ihm, er möchte sich das Kreuz aussuchen, das seiner Meinung nach für ihn passend und erträglich wäre.
Der Mann ging suchend und prüfend umher. Er versuchte ein Kreuz nach dem anderen. Einige waren zu schwer, andere zu kantig und unbequem, ein goldenes leuchtete zwar, war aber untragbar. Er hob dieses und probierte jenes Kreuz. Keines wollte ihm passen.
Schließlich untersuchte er noch einmal alle Kreuze und fand eines, das ihm passend und von allen das erträglichste schien. Er nahm es und ging damit zu Gott. Da erkannte er, dass es genau sein Lebenskreuz war, das er bisher so unzufrieden abgelehnt hatte. -Als er wieder erwacht war, nahm er dankbar seine Lebenslast auf sich und klagte nie mehr darüber, dass sein Kreuz zu schwer für ihn sei. „

Als die Band danach spielte, kam mir sofort die Erinnerung hoch. Nach Tobias Tod habe ich oft gedacht,warum muss ich das ertragen bzw. das kann ich nicht länger ertragen, das stehe ich nicht durch. Es gab auch immer wieder Punkte, da wollte ich auch einfach nicht mehr. Drei Jahre später als ich im Vorstand der Verwaisten Eltern saß und wir uns zum besseren kennen lernen, erzählten was uns verband, da dachte ich nur: Nein, ich möchte mit niemanden hier tauschen:
Die Mutter, deren vier Monate alter Säugling an einer Lungenentzündung starb, weil ihre Mutter, die Oma, trotz Hinweises nicht ins Krankenhaus gefahren war. Hätte ich das jemals meiner Mutter verzeihen können? Hätte ich überhaupt je wieder mit ihr gesprochen? Aber genau das „Nicht-verzeihen-können“ hätte mich auf der anderen Seite selber aufgefressen.
Oder hätte ich mit meinen Schuldgefühlen weiterleben können, wenn mein vier jährigen Sohn an einem Badesee mit dem ich dort war, ertrunken wäre? Nein, ich glaube, das hätte ich nie geschafft.
Oder wie muss sich eine Mutter fühlen, deren fast erwachsener Sohn sich selber tötet? Als Mutter feststellen zu müssen, ihm nicht helfen, keine Geborgenheit geben zu können. Für mich fast das Grauenhafteste, was eine Mutter ertragen muss.
Keines der anderen Schicksale hätte ich ertragen können, mit niemanden hätte ich tauschen mögen…doch mit meinem hatte ich mich inzwischen arrangiert.
Diese Gedanken gingen mir wieder durch den Kopf und ich war froh, dass ich nur dieses Kreuz zu tragen hatte.
Ursprünglich geschrieben März 2008
Geschrieben in Zwischenhalt | Drucken | Keine Kommentare »
11.7.2008 von Pirko.
Wenn ich an Urlaub denke sind genau dies auch bei mir die Stichworte, die mir sofort durch den Kopf gehen. Seit wir Kinder haben, fahren wir an die Ostsee. Als erstes muss ich immer an den Strand zum Meer. Für mich beginnt der Urlaub, wenn ich am Strand meine Schuhe ausziehe, durch den Sand laufe und mit dem Füßen im Wasser stehe. Ich atme die salzige Luft, höre das Meer rauschen und ein kleines Glücksgefühl durchströmt meinen Körper.
Im Urlaub gibt es für mich kaum etwas schöneres als am Strand spazieren zu gehen. Das Wetter ist dabei fast egal. Hauptsache es ist warm genug, dass ich barfuß gehen kann. Ich will den Sand und das Wasser spüren. Der Horizont begrenzt den Blick nicht, er kann frei auf dem Wasser schweifen, so wie auch die Gedanke frei kommen und gehen, ohne Begrenzung, Regeln und Zwang. Das rhythmische Geräusch des Wellen tut gut, es beruhigt und gibt mir Vertrauen. Ich versinke da manchmal total in meinen Gedanken. Stundenlang kann ich am Stand entlanggehen. Unsere Bischöfin Margot Käßmann erzählte, sie bete oft beim Joggen. Dazu reicht, fürchte ich, meine Puste nicht, aber bei einem Strandspaziergang mache ich das auch oft.
Ursprünglich geschrieben 3.06.2008
Veröffentlicht im Paulusbrief
Geschrieben in Allgemein | Drucken | Keine Kommentare »
11.7.2008 von Pirko.
Ein Abend voller Gedichte mit Dorothee Sölle
Der Name Dorothee Sölle sagte mir mit Ausnahme des Stichwortes „Gott ist Tod” im Zusammenhang mit Ausschwitz nicht so sehr viel. Angezogen zu den beiden Abenden „Auf den Flügeln der Poesie” hatte mich ehrlich gesagt auch mehr der Hinweis auf ihre Gedichte. Seit einigen Jahren üben Gedichte auf mich ein große Fazination aus. Den Zugang zu Gedichten erhielt ich erst nach dem Tod meines Sohnes. Sie waren zunächst das einzige, was ich ertrug zu lesen, und irgendwann fing ich selber an zu schreiben und seitdem lassen mich Gedichte nicht mehr los.
Durch ihre Gedichte erfuhren wir viel mehr von Leben Dorothee Sölles, als duzende Vorträge hätten es vermocht. Wir durften einmal kurz mit ihren Augen ein Blick in ihr Leben werfen.
An den Abenden teilten wir uns in zwei Gruppen auf und lasen zunächst die Gedichte jeder für sich und dann wurden sie von einem Teilnehmer laut gelesen. Schon hier beeindruckte mich, wie sich die Gedichte veränderten, je nach dem, wer sie vorlas und nochmal durch das Vorlesen am Ende das Abends. Schwerpunkte der Abende waren Kindheit/Erinnerungen, politisches Bewußtsein, Frauen und Gebete/Biblische Texte. Im Anschluss an eine Teepause, die viel Gelegenheit zum persönlichen Austausch gab, wurden zu den Gedichten der persönliche zeitliche Hintergrund zum Leben von Dorothee Sölle beleuchtet und zusammen mit ihren Gedichten in einen Lebensbaum eingetragen, so dass zum Schluß auch optisch der Lebensweg von Dorothee Sölle für alle erfahrbar war.
Der erste Abend, in dem es in unsere Gruppe um ihre Kindheit/Erinnerungen ging, war geprägt von den persönlichen Eindrücken der Teilnehmer, die aufgrund der Gedichte entstanden. Die Offenheit unter den Teilnehmern, war sehr beeindruckend. Einige erzählten eigene Erlebnisse aus dem dritten Reich und in mir wurden - durch die Gedichte - die Erlebisse meines Vater aus dieser Zeit wieder wach, von denen er uns so oft erzählt hatte.
Faszinierend für mich war insbesondere, wie auf der einen Seite Gedicht, die zunächst kaum verständlich, durch die verschiedenen Beiträge der Teilnehmer klarer wurden und auf der anderen Seite, Gedichte, die scheinbar relativ klar waren, doch voller Widersprüche zu sein schienen. Die Gedichte wurde fast lebendig durch die Diskussion mit den anderen. Jeder trug einen kleinen Mosaikstein dazu bei und so wurde am Ende daraus ein Mosaik mit wundervollen Bildern.
Mein Lieblingsgedicht war „Begegnung zweier Frauen”: Es machte mir Spaß zu sehen, wie selbstkritisch Dorothee Sölle in diesem Gedicht sich darstellte und das noch mit einem so wunderbaren Humor.
Es waren zwei sehr beeindruckende Abende und ich hoffe, wir müssen nicht allzu lange auf die Fortsetzung der „Gedichte zu Gottesfragen” warten.
Eine begebenheit zwischen zwei Frauen
Keine ohren hatte die aufmerksame
kein lächeln die freundliche übrig
anfang mai vergaß die zuverlässige dinge
und die pünktliche kam eine stunde zu spät
Ich fing an die veränderungen zu notieren
ich häufte meinen kleinen ärger zusammen
als wär ich eine maschine die aufleuchtet
wenn etwas nicht stimmt
Bis karen ehe ich noch zum reden kam
von den mundwinkeln ausgehend lächelte
und in ihrer wissenschaftlichen art bemerkte
vorbehaltlich der testergebnisse
sei es nicht auszuschließen
dass sie um weihnachten herum
sie sei sich da ziemlich sicher
weil sie sich in der u-bahn mehrfach übergeben musste
ein kind bekäme
da habe ich mich sehr geschämt
weil ich es nicht gesehen hatte
und meiner vergesslichkeit wegen
als wär ich im tüchtigen leben ein mann geworden
Aber je mehr ich mich schämte
desto mehr freute ich mich
karen bekam ein jungesmädchengesicht
und ich ein paar großmutterfalten
Ursprünglich geschrieben 17.03.2006
Veröffentlicht im Paulusbrief
Geschrieben in Gedichte | Drucken | Keine Kommentare »
11.7.2008 von Pirko.
„Fühlst du Dich auch noch frisch verliebt?“, fragte mich eine Freundin, als ich ihr vor einem Jahr von dem Zwischenhaltgottesdienst zu diesem Thema erzählte. Ich überlegte kurz: ja manchmal schon. Eine Woche später fand ich auf meinem Laptop einen Kasten mit Marzipanherzen und einen kleinen Liebesbrief von meinem Mann, einfach nur so. Das sind solche Augenblicke, wo ich wieder Herzklopfen und ein Kribbel im Bauch habe, mich wie frisch verliebt fühle.
Ich war neugierig, ob nicht nur ich so nach 21 Jahren Beziehung fühle und posteste ich in einem Forum im Internet. Ich war ganz überrascht, wie schnell ich Antworten darauf bekam:
Michaela schrieb: „Schmetterlinge im Bauch, nichts mehr essen können, SEHNSÜCHTIGES Warten auf einen Brief, ein Telefonklingeln, Küsse im Regen und deshalb Dauerschnupfen, das Gefühl, auf Wolken zu schweben, aufgeregt sein…. Nein, wie frisch verliebt fühle ich mich nach fast 14 Jahren Ehe und fast 20 Jahren Beziehung nicht mehr. Es hat sich verändert in eine Richtung des engen Zusammengehörigkeitsgefühls, tiefen Vertrauens, aufeinander Verlassen können und Wohlfühlen miteinander. Doch geblieben ist eine tiefe Sehnsucht, wenn der andere für längere Zeit weg ist.“
Katha „Ich denke, dass eine Beziehung immer mal wieder Phasen braucht, in denen man sich in seinen Partner neu verliebt. Denn der Mensch verändert sich immer wieder und somit gibt es immer wieder neue Seiten zu entdecken. Wenn man diese findet und genauso liebt wie die anderen…“
Heidi “Ja, ich bin immer mal wieder frisch verliebt. Zum einen in meinen Mann, dann habe ich wieder Schmetterlinge im Bauch, finde ihn unglaublich süß, einfach nur toll. Die ersten Tage nach der Geburt einer meiner Töchter war ich stets wie betrunken vor Glück. Einfach nur verliebt in dieses frische Wesen. Und auch heute verliebe ich mich immer wieder in meine Kinder. Denke tagsüber an sie und muss schmunzeln, freue mich aufs Nachhausekommen,…Und auch in das Leben verliebe ich mich immer wieder neu. Nach einer besonders trüben Zeit scheint endlich wieder die Sonne, und alles erscheint in einem anderen Licht. Dann fühle ich mich verliebt ins Leben, freue mich wie Bolle über “mein” Leben, über die Gesundheit meiner Kinder. Dann genieße ich jeden Sonnenstrahl und liebe einfach alles und jeden!!!!! Viele wirre Gedanken, wahrscheinlich auch nicht wirklich etwas Brauchbares dabei. Hat aber trotzdem Spaß gemacht “
„ Uns auch, oder?
Ursprünglich geschrieben 1.03.2007
Veröffentlicht im Paulusbrief
Geschrieben in Allgemein | Drucken | Keine Kommentare »
11.7.2008 von Pirko.
Vor drei Wochen ist unser jüngster Sohn Ruben geboren und für uns ist es keine Frage, dass er noch als Baby getauft wird. Häufig begegne ich anderen Eltern, die erklären:“ Nein, wir haben unser Kind nicht taufen lassen, dass soll es später mal selber entschieden!“. Im ersten Augenblick hört sich dies sehr einleuchtend und überzeugend an: Ich möchte doch mein Kind nicht zu etwas zwingen, ihm etwas „überstülpen“, so könnte man argumentieren. Doch in mir widerspricht alles.
Ich selber bin auch als Baby getauft worden, später bin ich dann in einen evangelischen Kindergarten gegangen und habe Kindergottesdienste besucht und meine Mutter hat als ich klein war abends mit mir im Bett gebetet. Ist mir damit der Glaube aufgezwungen worden? Ich habe es damals nicht so empfunden und empfinde es heute auch nicht so.
Nein, ich bin einfach damit aufgewachsen, ganz natürlich und habe alles das als etwas Schönes empfunden. Ganz besonders, dass es da einen lieben Gott gibt, der mich kennt, immer bei mir ist und der mich liebt. Und genauso möchte ich auch, dass meine Kinder mit diesem Gefühl aufwachsen: Mit dem Wissen, ich bin ein ganz besonderes von Gott geliebtes Geschöpf. Da für mich auch eine Gemeinschaft dazugehört, in der man zusammen Gottesdienste feiert, betet und etwas über die Bibel erfährt, möchte ich natürlich auch, dass unser Kind in diese Gemeinschaft aufgenommen wird, Gottes Segen erhält und dazu gehört für mich auch die Taufe im allgemeinen sonntäglichen Gottesdienst. Anschließend werden wir, wie auch die anderen Taufe, nicht nur in unserer Familie, sondern mit unserem ganzen Freundeskreis feiern, weil es für uns etwas ganz besonderes ist. Wenn sie dann 14 Jahre alt sind, werden sie ganz alleine entscheiden, ob mit diesem Glauben und in dieser Gemeinschaft weiterleben möchten und dies dann gegebenenfalls mit der Konfirmation bestätigen.
ursprünglich geschrieben 30.12.2006
veröffentlicht im Paulusbrief
Geschrieben in Glaube | Drucken | Keine Kommentare »